08.09.2008 · Lewis Hamilton gewann in Spa und wurde später auf Rang drei zurückgestuft. Das Ergebnis führt zwangsläufig zur nächsten Verurteilung der an Manipulationsgerüchten reichen Formel 1. Der WM-Kampf ist durch das Urteil spannend wie nie.
Von Anno HeckerEine Schikane soll Rennfahrer schützen. Zum Beispiel vor der Gefahr, viel zu schnell in eine Kurve einzubiegen, sich im Falle eines technischen Defektes oder einer Selbstüberschätzung schwer zu verletzen. Lewis Hamilton war am Sonntag auf der Jagd nach Kimi Räikkönen für einen Moment zweifellos zu schnell unterwegs. Er kürzte deshalb die scharfe Rechts-links-Kombination kurz vor der Zielgeraden ab. Und ging, um im Rennen bleiben zu dürfen, auf der folgenden Zielgeraden kurz vom Gas.
Hamilton erfüllte also die Vorgabe der Regelhüter. Denn seinen Vorteil hat er freiwillig wieder aufgegeben. Dagegen ist die Urteilsfindung der Streckenkommissare, die Aberkennung des Sieges, die Rückstufung Hamiltons auf Platz drei vor dem Hintergrund der gebotenen Erklärungen nicht nachvollziehbar. Das Ergebnis führt zwangsläufig zur nächsten Verurteilung der an Skandalen, Manipulationsgerüchten reichen Formel 1: Alles Schikane!
Keine klare Regelung für das Abkürzen einer Schikane
Schon am Sonntagabend haben sich Mitarbeiter des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) bemüht, den jüngsten Eindruck einer willkürlichen Rechtsprechung vom Tisch zu wischen. Angeblich will die FIA mit einer Untersuchung des Urteils schon aus eigenem Antrieb den Eindruck von Unabhängigkeit und Transparenz zu erwecken suchen.
Das würde aber nichts am Grundproblem ändern: Für das Verhalten nach dem Abkürzen einer Schikane gibt es keine klare Regelung. Dabei wäre es simpel, den Piloten zu helfen. Etwa mit der Vorschrift, dass nach einem solchen Vorfall vor der folgenden Kurve nicht überholt werden darf. Dann wüsste man heute, und nicht erst in ein paar Wochen, wer am Sonntag in Belgien gewonnen hat.
Hamiltons aggressiven Fahrstil beim Urteil im Hinterkopf?
Dass die FIA auf solch nachvollziehbare Definitionen verzichtet, wird schon seit Jahren beklagt. Ihre Passivität bestätigt den oft geschilderten Eindruck, der Verband wolle sich eine freie Hand bei der ganz großen Verkehrsregelung bewahren. Als stehe das Heil des Sports über dem Anspruch des einzelnen Piloten auf eine gerechte Behandlung. Fünf Rennen vor Ende der Saison hat der Richterspruch von Spa den Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft auf die Spitze getrieben.
Vielleicht hatten die Streckenkommissare bei der Bestrafung von Hamilton dessen aggressiven Fahrstil im Hinterkopf, manche umstrittene Aktion etwa in Hockenheim oder vor einem Jahr in Fuji, die folgenlos blieb, weil sich der Brite längst einen Behandlungsbonus herausgefahren hat.
In Zukunft heißt es Abwägen - beim Überholen mit Risiko
Plausibler machte diese Vermutung die Entscheidung nicht. Zumal ein wesentlich gefährlicheres Manöver klaglos hingenommen wurde: Jarno Trulli war beim Start so schnell von hinten auf die erste Haarnadelkurve zugeflogen, dass ihn erst der Toro Rosso des vorausfahrenden Sébastian Bourdais ausreichend abbremste.
Andere Piloten mussten wegen dieser Attacke Nachteile in Kauf nehmen. Trulli blieb unbehelligt. Es wurde also mit zweierlei Maß gemessen. Das ist nichts Neues für erfahrene Formel-1-Piloten. Hamilton aber wird in Zukunft abwägen, ob er tun soll, was seinen Sport so faszinierend macht: Überholen mit Risiko.
Trulli nicht der Böse
Jan Oberst (dasmika)
- 08.09.2008, 21:10 Uhr
Am besten, ...
Mycroft Holmes (JamesWatson)
- 08.09.2008, 23:57 Uhr
Seit M.Schummis
Kay Schmelzer (weitererfazleser)
- 09.09.2008, 04:09 Uhr
METZ Sagt: Hamilton ist GEWINNER!!!
frank metzler (metzler5)
- 09.09.2008, 05:41 Uhr
Trulli vs. Bourdais
Uli Georgi (Pappnase79)
- 09.09.2008, 13:35 Uhr