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Flutopfer-Benefizspiel Später Spaßfaktor und junger Gewinner

 ·  Der Kick für den guten Zweck ist spät gelungen: Doch beim 4:2 (1:0) der deutschen Nationalelf gegen die Bundesliga-Ausländer sorgten zu viele Absagen für Unmut.

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Die Vermutung lag nahe: Wenn Fußball-Profis in einem halbvollen Stadion nur halben Dienst verrichten, halbherzig zaubern und gleichzeitig halben Einsatz zeigen, kann kurz vor dem Weihnachtsurlaub der Kicker kein wirklich attraktives Spiel zustande kommen. Doch das Flutopfer-Benefizspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und der Auswahl ausländischer Bundesliga-Stars bewies gerade noch rechtzeitig das Gegenteil.

Als die Rockgruppe „Pur“ in der Halbzeitpause ihr „Abenteuerland“ anstimmte, hatten Pfiffe die Profis in die Kabinen begleitet. Am Ende murrte keiner mehr: Da stand ein 4:2 (1:0) für die DFB-Auswahl mit sehenswerten Toren. Jens Jeremies (22.), Miroslav Klose (63.) und zweimal Youngster Benjamin Lauth, erst mit fantastischem Fallrückzieher (68.) dann mühelos aus fünf Metern (90.), trafen fürs Nationalteam, Marcelinho (47.) und Jan Koller (67.) für das auch nach acht Auswechslungen harmonierende Allstar-Ensemble. Fazit: Der Spaßfaktor beim „gegeneinander spielen und miteinander gewinnen“ war nicht zu kurz gekommen.

„Es hat richtig Spaß gemacht, die Jungs zu betreuen. Respekt vor dieser Leidenschaft“, lobte Auswahlcoach Huub Stevens die Ausländer. „Es hat Spaß gemacht, mitzuspielen“, beteuerten Frank Verlaat und Krassimir Balakov, wobei ersteren nicht einmal eine Gesichtsverletzung abhalten konnte. In die Lobeshymne stimmte auch Rudi Völler trotz einer kaum befriedigenden ersten Halbzeit ein. „Man muss ein bisschen den Hut ziehen. Vor allem vor der großen Laufbereitschaft einen tollen Fußball-Abend zu zelebrieren.“

Lauth freut sich innerlich

Den allergrößten sportlichen Aussagewert hatte die Auseinandersetzung indes nicht. „Mal war es richtig, mal nicht“, antwortete Verlaat auf die Frage nach dem vollen Einsatz. „Das war so, wie man früher aus Spaß auf der Wiese gekickt hat“, fand Jens Lehmann. Vor allem für Halbzeit zwei traf das zu: Spiel statt Arbeit, Kunst statt Kampf hieß das Motto, als der Stadionsprecher nach einer Stunde beim 1:1-Zwischenstand „noch bitte ein paar Törchen verlangte."

Zwei davon gelangen dem nachnominierten Benjamin Lauth. Sein Fallrückzieher aus spitzem Winkel („Ich wusste weder, wo ich stand noch wohin der Ball geht.“) bringt ihn nun in aller Munde. Auf die Fragen nach seinen Tore-Taten, die alsbald in der Nationalmannschaft eine Fortsetzung finden können, reagierte er indes bescheiden. „Ich freue mich mehr innerlich.“

24.000 Plätze blieben leer

Einer grantelte dennoch. „DFB und DFL haben den Zeitpunkt für das Spiel verschlafen“, meckerte Schalke-Manager Rudi Assauer erneut. Unter dem geschlossenen Hallendach der Arena AufSchalke blieben 24.000 der 60.000 königsblauen Plätze leer.

Eine Novum an einem Standort, bei dem Uefa-Cup-Spiele gegen Krakau und Warschau oder das Abschiedsspiel von Olaf Thon Wochen zuvor ausverkauft sind. „Das letzte Mal waren so wenig Zuschauer in der Arena, als die Dauerkarteninhaber zum ersten Probesitzen geladen wurden“, sagte Schalkes Pressesprecher Gerd Voss.

3,5 Millionen Euro für den guten Zweck

Den eigentlichen Zweck hatte das Benefizspiel erfüllt. 3,5 Millionen Euro spülte der Kick zugunsten vom Hochwasser geschädigter Vereine in die Kasse, allein zwei Millionen Euro „spendete“ die übertragende ARD. „Mehr Geld, als alle Kleckerspiele vorher“, sagte der Schalke-Manager. „Ein Zeichen für die Solidarität des Fußballs“, lobte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der zusammen mit Horst R.Schmidt bereits am Freitag und Samstag zur Scheckübergabe nach Bayern und Leipzig reist.

113 bedürftige Vereine, die während der Jahrhundert-Flut ganze Sportanlagen verloren, erhalten zwischen 200 und 300.000 Euro. Damit sollen aus stinkenden Schlammwüsten Sachsens wieder bespielbare Sportplätze werden. „Es ist für alle eine gewisse Verpflichtung, an diesem Spiel teilzunehmen“, sagte Kapitän Oliver Kahn.

Nicht alle waren bereit zur guten Tat

Bereit zur guten Tat waren nicht alle: Ein Dutzend mehr oder weniger begründete Absagen - von Elber bis Rosicky - zwangen die beiden Trainer Huub Stevens und Rudi Völler zu insgesamt zehn Nachnominierungen. Vor allem die lange geplante „Zerrung“ von Bayern-Star Giovane Elber, vergrätzte hinter den Kulissen die Verantwortlichen. Der schob die Blessur vor, um rechtzeitig in die brasilianische Heimat zu gelangen. „Natürlich sind wir enttäuscht über die Absagen“, kritisierte auch DFL-Geschäftsführer Michael Pfad.

Was für die einen eine Last, bedeutete für andere eher Lust: So betraten auch die nachnominierten Youngster Rau, Lauth und Balitsch unter Spotlight, Discomusik und Rauchschwaden den Rasen. „Wie eine Bescherung zu Weihnachten“ empfand Wolfsburgs Tobias Rau seine Beförderung. Bei den All Stars stellte plötzlich Werder Bremen mit Verlaat, Ailton und Magnin das größte Ausländer-Kontigent. „Für uns ist dieses Spiel eine Freude“, erklärte Sportdirektor Klaus Allofs die bremische Bereitschaft.

Keine feste Einrichtung

Da auch die meisten nach Gelsenkirchen gereisten Ausländer die Veranstaltung derart erfreut aufnahmen, stellte sich sogleich die Frage, ob der reizvolle Vergleich nicht eine dauerhafte Einrichtung werden könne. Doch da sind sich DFB und DFL einig: Dafür fehlt die Zeit. „Wir haben schon jetzt keinen anderen Termin gefunden“, sagt DFL-Boss Werner Hackmann. „Wir bestreiten bereits alle zwei Jahre eine Benefiz-Länderspiel“, meint DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder, „da muss schon wieder etwas Besonderes passieren.“

Will heißen: Im überfluteten Terminplan ist für so etwas kein Platz - es sei denn, es ist noch einmal schlimmes Hochwasser in Deutschland.

Deutsche Nationalmannschaft - Ausländer-Auswahl 4:2 (1:0)
Nationalmannschaft:
Kahn (Bayern München - 46. Lehmann/Borussia Dortmund) - Friedrich (Hertha BSC - 46. Rehmer/Hertha BSC), Wörns (Borussia Dortmund), Baumann (Werder Bremen), Ziege (Tottenham Hotspur - 46. Rau/VfL Wolfsburg) - Balitsch (Bayer Leverkusen - 46. Kehl/Borussia Dortmunde), Jeremies (Bayern München - 46. Frings/Borussia Dortmund - 77. Balitsch) - Schneider (Bayer Leverkusen), Ballack (Bayern München - 46. Freier/VfL Bochum) - Neuville (Bayer Leverkusen - 46. Lauth/1860 München), Bobic (Hannover 96 - 46. Klose/1. FC Kaiserslautern) Ausländer-Auswahl: Kiraly (Hertha BSC - 46. Piplica/Energie Cottbus) - Colding (VfL Bochum), Ujfalusi (Hamburger SV), Verlaat (Werder Bremen - 46. van Hoogdalem/Schalke 04), Strasser (Borussia Mönchengladbach) - Poulsen (Schalke 04 - 46. Meira/VfB Stuttgart), Magnin (Werder Bremen - 46. Jarolim/1. FC Nürnberg) - Bastürk (Bayer Leverkusen- 46. Petkovic/1. FC Nürnberg), Balakow (VfB Stuttgart - 46. Marcelinho/Hertha BSC), - Sand (Schalke 04 - 46. Wichniarek/Arminia Bielefeld), Ailton (Werder Bremen - 46. Koller/Borussia Dortmund)
Schiedsrichter: Krug (Gelsenkirchen)
Zuschauer: 36 200
Tore: 1:0 Jeremies (22.), 1:1 Marcelinho (48.), 2:1 Klose (63.), 2:2 Koller (67.), 3:2 Lauth (68.), 4:2 Lauth (90.)

Quelle: @hel
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