Home
http://www.faz.net/-gtl-rqpg
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 10. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fernsehrechte Champus!

21.12.2005 ·  An diesem Mittwoch wird bekannt gegeben, wer die Bundesligarechte erhält. Egal, ob ARD, Premiere oder Kabel Deutschland das Rennen macht: Die Liga kann sich freuen, denn der Gesamtpreis wird mehr als 400 Millionen Euro betragen.

Von Michael Hanfeld
Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (1)

Wenn die Deutsche-Fußball-Liga an diesem Mittwoch in Frankfurt in ihrer Vollversammlung beschließt, wer von der Saison 2006/2007 an für drei Jahre den Bundesliga-Fußball im Fernsehen zeigen darf, sollte der Sekt - nein, der Champagner - kalt gestellt sein. Denn welche der beiden großen Varianten der Vorstand der DFL am Vorabend bevorzugt haben wird - die Liga gewinnt: Sie gewinnt mindestens 130 Millionen Euro pro Saison hinzu, aus rund 300 Millionen Euro Fernseheinnahmen bislang werden 420 bis 430 Millionen Euro, mindestens.

Die Liga hat meisterhaft gespielt, sie hat die Wettbewerber am Nasenring durch die Manege geführt, man konnte förmlich spüren, wie die Nervosität von Tag zu Tag stieg, bis gestern. Denn am Fußball hängt, zum Fußball drängt im Fernsehen doch alles - ARD und ZDF, RTL, Sat.1, Premiere, Kabel Deutschland und „Unity Media“ und schließlich sogar die Telekom. „Ich gehe davon aus, daß wir 400 Millionen Euro plus X erreichen“, sagte Ligaverbands-Vizepräsident Wolfgang Holzhäuser kurz vor der entscheidenden Sitzung. Glückliche Zeiten für Vereine und Liga-Verband.

Bis zu 300 Millionen am Ende des Tages

Das wahrscheinlichste Szenario, das sich kurz vor Toresschluß ergab, lautet wie folgt: Die ARD behält die Erstsenderechte im Free-TV, sendet von 18.10 Uhr bis zwanzig Uhr und bezahlt dafür 95 bis hundert Millionen Euro pro Saison.

Premiere wiederum hat sich durch die Konkurrenz zu Kabel Deutschland und Unity dem Vernehmen nach mit seinem Gebot in ungeahnte Höhen treiben lassen. Am Ende des Tages waren die Verhandler bei 280 bis 300 Millionen Euro pro Saison angelangt. Dafür bekäme Premiere ein exklusives Spiel am Freitag, das Samstags-Match-of-the-Day (vielleicht) und die beiden Live-Spiele am Sonntag.

Telekom hielt Rennen spannend

Voraussetzung dafür sei, daß Premiere „die Kröte ARD“ schlucke, hieß es in Verhandlungskreisen. Falls nicht, käme Kabel Deutschland zum Zug, das 220 Millionen Euro allein fürs Bezahlfernsehen geboten hat. Kabel Deutschland und die ARD paßten prima zusammen. Anders als der große Bezahlsender Premiere mit seinen 3,4 Millionen Abonnenten hat die KDG keine Vorbehalte gegen die „Sportschau“ der ARD.

Zwischen diesen beiden Lagern entschied sich das Rennen, das der dritte Bieter, die Telekom, bis zum Schluß noch spannender hielt. Doch könnte es sein, daß bei ihr - für geschätzte 30 bis 50 Millionen Euro - allein die Internetrechte blieben. Außen vor ist das ZDF, das sich nicht um die Erstsenderechte im Free-TV an den beiden Sonntagsspielen bemüht hat. Der Sender begnügt sich mit seinem späten „Sportstudio“ am Samstag abend und ist lediglich bereit, den bisher 17 Millionen Euro teuren Vertrag auf rund zwanzig Millionen Euro zu erhöhen.

Für Premiere ist Fußball existenziell

Addiert man zu diesen Summen noch zwanzig Millionen Euro, die das Deutsche Sportfernsehen für seine Senderechte am Sonntag bezahlt und noch einmal mindestens zwanzig Millionen für die Auslandsrechte, kommt man auf einen Betrag, der jenseits der 400 Millionen Euro liegt, welche die Liga unbedingt erlösen wollte. Zum Schluß entschied sich alles an der Frage, ob sowohl die ARD als auch Premiere bereit wären, mehr Geld für nicht wesentlich mehr oder sogar weniger Fußball zu zahlen - die neuen Wettbewerber auf der Nachfrageseite machen es möglich.

Wie es hieß, schien die ARD am Ende genauso wenig gewillt, Premiere das „Match of the Day“ am Samstag zuzugestehen, wie zuvor Premiere der ARD ihre Sendestrecke überlassen wollte. Und dieser Forderung der ARD gab der Ligaverband im Laufe des Tages offenbar nach, so daß Premiere, wenn der Sender nicht mit ganz leeren Händen dastehen und der KDG das Feld überlassen wollte, klein beigeben mußte. Für Premiere - das wissen Liga und ARD - ist der Fußball existenziell.

Bis zum Schluß siegesmutig

Zwar gaben sich sowohl KDG als auch Telekom - die für alle Senderechte geboten hatte - bis zum Schluß siegesmutig. Man habe auch für die Fernsehrechte geboten, bestätigte Matthias Schumann, Telekom-Sprecher für Sportkommunikation. Doch sah es eher danach aus, als daß weder das Szenario ARD plus KDG oder das Szenario Premiere pur beziehungsweise plus Erstsenderechte im Free-TV am späten Samstag abend um 22 Uhr im ZDF geben werde.

Weil Premiere zuletzt sein Angebot hochschraubte und alles mehr oder weniger beim alten bliebe, auf wesentlich höherem finanziellen Niveau und mit einem Ausblick in die Zukunft, der neue Koalition verheißt: Premiere habe nämlich plötzlich, so Verhandlungskreise, auch für die Internetrechte geboten und könnte diese an die Telekom weitergeben.

Zauberwort „Triple Play“

Ursprünglich hatte man gedacht, daß es umgekehrt liefe. „Fußball ist ein interessanter Inhalt für unsere Zukunftspläne“, sagte Telekom-Sprecher Schumann. Die Telekom will Milliarden in ein neues Breitband-Glasfasernetz investieren, um Telefon, Internet und Fernsehen auf einer Leitung anbieten zu können - das so genannte „Triple Play“. Zu diesem fehlt allein noch der Inhalt, und das wäre vor allem der Fußball.

„Wenn man Triple Play ernsthaft spielen will, braucht man Sport“, sagte Schumann. Beim nächsten Mal, soviel ist sicher, ist die Telekom in einer noch stärkeren Position, da sich das Hochgeschwindigkeitsinternet in den nächsten drei Jahren verbreitern wird. Die Liga aber kann schon jetzt feiern.

Quelle: F.A.Z. vom 21. Dezember 2005
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Zeit für Bekenntnisse

Von Rainer Seele

Kein Schlussstrich unter der Akte Ullrich: Der ehemalige Radprofi ist in seiner eigenen, eigenartigen Welt gefangen. Jetzt steht er offiziell als Dopingsünder da. Mehr 1

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   20  31   43 Verbesserung zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   20  33   41 Verschlechterung zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   20  21   41 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   20  19   40 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   20  -1   32 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   20  1   31 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   20  -2   30 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   20  -2   24 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   20  -11   24 Verbesserung zur Vorwoche
10.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   20  -12   24 Verschlechterung zur Vorwoche
11.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   20  -2   23 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   20  -9   23 Verschlechterung zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   20  -6   22 Verschlechterung zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   20  -12   21 Verschlechterung zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   20  -6   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   20  -9   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   20  -14   17 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   20  -19   17 Gleichheit zur Vorwoche