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Fernsehen Schauspieler Peter Lohmeyer moderiert "11Freunde-TV"

26.04.2005 ·  Das Berliner Fußballkultblatt "11Freunde" bekommt bei dem Bezahlsender Premiere ein eigenes TV-Magazin. "11Freunde-TV" läuft am 25. Mai zum ersten Mal, moderiert wird es von dem Schauspieler und Schalke-Fan Peter Lohmeyer.

Von Karen Krüger
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"Elf was, bitte?" Der Mann im Kiosk schüttelt den Kopf. "Elf Freunde? Kenn' ich nicht." Der türkische Kollege eine Straße weiter weiß, daß " 11Freunde" ein Fußballmagazin ist. "Hier gibt es aber nur ,Kicker' und die türkische Fußballzeitung ,Al Bahis'." Im Berliner Stadtteil Neukölln ist die Fußballkultur, wie "11Freunde" sie zelebriert, noch nicht angekommen: Die Spielbesprechungen und Reportagen sind intelligent mit einem Hang zur Selbstironie. Ein Hauch von Nostalgie durchweht das Heft, ohne an den Seiten zu kleben. Nicht Hochglanz, sondern eine verwaschene Altpapier-Ästhetik bestimmt die Fotostrecken.

"Unsere Perspektive ist der Blick aus der Kurve", sagt Philipp Köster, der vor fünf Jahren mit Reinaldo Coddou "11Freunde" gegründet hat. Der dreiunddreißig Jahre alte Fußballexperte steht vor dem Clubcafe des Berliner Fußballvereins "Magnet" im Stadtteil Mitte, wo "11Freunde" an diesem Abend Geburtstag feiert. An den Kiosken des Bezirks verkauft sich das Heft blendend. Kennengelernt haben sich Köster und Coddou auf den Rängen der "Alm", des Stadions von Arminia Bielefeld. Bei einem Fankongreß im Jahr 1999 entstand die Idee des Fußballmagazins. "Alm", sagt Köster, und nicht "Schüco-Arena", wie das Bielefelder Stadion inzwischen heißt. Die Stadien zu nennen, wie ihr Originalname lautet, zählt zur Philosophie von "11Freunde": "Wir sehen nicht ein, daß Fußballstadien wie Firmenparkplätze heißen. Natürlich gehört Geld zum modernen Fußball, aber gewisse Dinge gehen zu weit."

Gefühl der Zeitschrift ins Fernsehen transportieren“

Die ersten Jahre seien sehr hart für "11Freunde" gewesen, erzählt Köster. Im Wohnzimmer von Reinaldo Coddou richteten die beiden ihr erstes Redaktionsbüro ein, die Umschläge für die Abo-Exemplare haben sie selbst beklebt und zur Post gebracht. Inzwischen hat die Zeitschrift eine Auflage von 80.000 Exemplaren, 12.000 Abonnenten zählt die Kundenkartei. Doch damit nicht genug: Am 25. Mai, dem Tag des Champions-League-Finales, dringt das Magazin mit der dreißigminütigen Sendung "11Freunde-TV" auf dem Bezahlsender Premiere auf den Fernsehmarkt vor. Die Sendung läuft jeweils vor dem von Premiere live übertragenen Spiel.

"Wir haben lange nach einem Format gesucht, mit dem wir das Gefühl der Zeitschrift ins Fernsehen transportieren können", sagt Köster. "Nämlich der subjektive, launige Blick auf das Geschehen." Diesen Blick zu vermitteln, das wird Aufgabe des Schauspielers Peter Lohmeyer sein, der als Schalke-Anhänger um die Leidenschaft der Fans weiß und in Sönke Wortmanns Kinofilm "Das Wunder von Bern" selbst auf dem Rasen glänzte. "Er ist ein sehr authentischer Typ. Deshalb wollten wir ihn haben. Wenn die Zuschauerresonanz stimmt, findet der Versuchsballon eine Fortsetzung."

Geringe Dichte der Trainingsjacken

Köster begrüßt auf der Party einen Gast: Es ist Volker, der erste Praktikant des Magazins. "Da kann man schon ein bißchen sentimental werden," sagt er und drückt dem Neuankömmling Getränkegutscheine in die Hand. Immer mehr Menschen drängen in das "Magnet", die meisten sind Freunde oder Mitarbeiter des Kölner Intro-Verlags, der mittlerweile das Heft vertreibt. Für eine Fußballparty, gerade in Berlin-Mitte, wo das Publikum sich gerne mit Insignien des Proletariats schmückt und Adidas trägt, ist die Dichte der Trainingsjacken auffällig gering. "Hinter dem Heft stehen Leute, die in den achtziger Jahren sozialisiert wurden, als Fußball noch nicht Popkultur war. An diese Zielgruppe wendet sich die Zeitschrift", sagt Andreas Beune, der seit fünf Jahren für "11Freunde" schreibt. Erst die rückblickende Reflektion über den Fußball von damals sei es, die Fußball in den Augen vieler zum Pop werden ließ. "Einige Leute lesen sicher unser Heft, weil es gerade in ist, intellektuell über Fußball zu plaudern. Aber den meisten ist es ernst mit dem Sport."

Drinnen an der Theke stehen die Gäste bei einem Bier und Buletten mit Senf. Gesprächsfetzen über Sehnenleiden und Beinverletzungen dringen einem ans Ohr: Hier stehen Fans, die Fußball in der Stadionkurve und selbst auf dem Rasen leben.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. April 2005
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Jahrgang 1975, Redakteurin im Feuilleton.

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