Fünf Tage nach Platz zwei für Degen-Ass Britta Heidemann belegten Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, Sebastian Bachmann und André Wessels mit dem 45:27-Sieg an diesem Sonntagabend über die Vereinigten Staaten den dritten Platz unter neun Mannschaften. Es ist die erste deutsche Medaille im Herrenflorett-Teamwettbewerb seit Gold 1992 in Barcelona.
Auch wenn es im dritten Anlauf erstmals mit einer Olympia-Medaille etwas wurde: Peter Joppich war bedient. Im Halbfinale trauten sich die Kampfrichter nicht, ihm den entscheidenden Treffer zuzuerkennen.Er steckte voller Frust. Fassungslos und mit starrer Mimik saß der Fechtstar neben der Planche. Die tröstenden Worte von Bundestrainer Ulrich Schreck verpufften, weil Joppichs olympische Goldhoffnungen nach dem mit 40:41 verlorenen Halbfinal-“Krimi“ gegen Japan unvollendet blieben. Dass es später beim 45:27 gegen die USA Bronze wurde und Joppich bei seinen dritten Spielen seine Medaillen-Premiere erlebte, war für ihn fast banal.
„Ein hartes Brett bei Olympia“
„Wir fühlen uns einfach betrogen“, sagte Mannschaftskollege Benjamin Kleibrink trotz der Bronzemedaille. Bundestrainer Ulrich Schreck schilderte, was nach dem verlorenen Halbfinal-„Krimi“ gegen Japan geschah: „Andere Trainer und Kampfrichter sind auf mich zugekommen und haben gesagt: Da seid ihr ja ganz schön beschissen worden.“ Die Enstcheidungen der Kampfrichter seien seiner Meinung nach „ein hartes Brett bei Olympia“. Zweimal hatte Joppich gegen Yuki Ota den vermeintlichen Siegtreffer gesetzt. Nach Studium der Videoaufnahmen wurden beide jedoch nicht gegeben. Für Kleibrink eine völlig unverständliche Entscheidung: „Die ersten zwei Punkte von Peter waren eindeutig. Ich kann es nicht verstehen.“ Auch Joppich zeigte sich angefressen: „Ich bin sauer, dass wir nicht im großen Finale standen.“
So nah dran am Goldgefecht
Das Florett-Quartett Joppich, Kleibrink, der im Kampf um Bronze am Fuß verletzte Sebastian Bachmann und André Weßels war an diesem Sonntag in London so nah dran am Goldgefecht gegen Italien, ehe der „plötzliche Tod“ den verzweifelten Joppich ereilte: Gegen Yuki Ota musste er eine Sekunde vor Zeitablauf den Ausgleich hinnehmen. Ota war nach den nicht gegebenen Treffern des Deutschen mit freundlicher Hilfe der Glücklichere, vermutete das deutsche Team hinterher. Schreck beschwerte sich, dass die Entscheidung der Kampfrichter „die Retourkutsche für Damendegen“ gewesen sei. Zweimal schon war er vor Freude über die Bande gesprungen. „Es ist schlimm, wenn du glaubst, dass du im Finale stehst“, sagte er.
Die Kampfrichter seien zu mutlos gewesen
Die Kampfrichter waren laut Schreck zu mutlos, bei Joppich und Ota auch einmal ohne Videobeweis zu entscheiden. Am visuellen Hilfsmittel saß ein Südkoreaner, weswegen der Bundestrainer Böses mutmaßte: „Dreimal entscheidet er gegen uns. Das stinkt.“ Im Halbfinal-Degendrama der späteren Olympia-Zweiten Britta Heidemann war Südkoreas Shin A-Lam Leidtragende der umstrittenen Entscheidung zum 5:6. Und nun glaubt Schreck, dass fünf Tage später nicht unbedingt Neutralität herrschte. „Mir geht das sowas von auf die Nerven. Wenn am Videotisch dreimal gegen uns entschieden wird, stinkt mir das gewaltig“, meinte er. Damit mache man „das Fechten kaputt“.
Dass es die Schreck-Jungs überhaupt in die Vorschlussrunde schafften, war das Verdienst von Joppich und Kleibrink. „Gegen Russland waren wir fast tot“, sagte Sportdirektor Manfred Kaspar angesichts des Rückständs während des Gefechts. Kleibrink und Joppich drehten ein 22:30 und führten die Deutschen im Viertelfinale zu einem 44:40-Sieg. Im Bronze-Kampf hatte Bachmann dann bei schon klarer deutscher Führung Pech, als er sich im siebten Gefecht bei einer Aktion am Fuß verletzte und auf dem Weg zur Medaille durch Weßels ersetzt werden musste. Silber für Heidemann, Bronze im Herrenflorett: Nach zweimal Gold von Peking sei das Abschneiden in London trotzdem keine schlechte Bilanz, meinte Kaspar. „Wir haben die beiden Medaillen, die wir unbedingt brauchen. Vom Potenzial her war mehr möglich. Das waren keine Spiele für die Favoriten, und leider hat uns das auch betroffen.
Bach ist mit Abschneiden unzufrieden
DOSB-Chef Thomas Bach, als Goldmedaillengewinner von 1976 mit dem Florett-Team Kenner der Szene, meinte, dass man mit dem Abschneiden nicht zufrieden sein könne. Fechter-Boss Gordon Rapp hielt dagegen: „Unsere Fechter sind keine Roboter.“ Er wisse aber auch, dass in Sachen Athletik und geistiger Fitness sich im Vergleich etwa zu Venezuelas Degen-Olympiasieger Rubén Limardo oder Ägyptens Florett-Zweitem Alaaeldin Abouelkassem Defizite erkennen ließen. „Wir werden es analysieren“, sagte er.
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