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Fecht-WM : Bronze für die „Flash-Maschine“

Kann sein Glück kaum fassen: Richard Schmidt holt Bronze Bild: dpa

Degenfechter Richard Schmidt startet von Weltranglistenplatz 135 in die WM und gewinnt völlig überraschend Bronze. Er ist der erste Beweis für den frischen Wind im deutschen Team.

          „Es fühlt sich großartig an“, schwärmte Degenfechter Richard Schmidt nach seinem ebenso überraschenden wie großartigen Coup. „Ich bin einfach nur glücklich.“ Bei den Fecht-Weltmeisterschaften in Leipzig stürmte der 25-Jährige aus Tauberbischofsheim, der für den FC Offenbach kämpft, völlig überraschend zur Bronzemedaille. Erst der spätere Weltmeister Paolo Pizzi aus Italien stoppte im Halbfinale mit 15:10 den Siegeszug des couragierten WM-Debütanten, der den Heimvorteil zur ersten deutschen WM-Einzelmedaille mit dieser Waffe seit Oliver Lückes drittem Platz 2001 in Nimes nutzte.

          „Der Erfolg von Richard ist als Sensation zu betrachten“, sagte Sven Ressel, der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) beinahe ergriffen und wertete den Medaillengewinn auch als Zeichen für die Richtigkeit des neuen unverkrampften Stil des Verbandes. Jura-Student Schmidt hatte keine Erwartungen zu erfüllen, und konnte genau deshalb ohne Kompromisse auf Angriff gehen. „Treffer setzen, nicht Treffer vermeiden“, so lautete das Motto.

          „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, ich kann es heute zeigen, was in mir steckt“, sprudelte es aus Schmidt nur so heraus: „Ich hatte den Glauben, ich kann alle schlagen, die kommen.“ Als Nummer 135 der Weltrangliste muss man so ein Selbstbewusstsein erst einmal aufbringen. Doch Schmidt hat vom „frischen Wind“, der seit dem Totalabsturz der deutschen Fechter bei den Olympischen Spielen in Rio und dem damit verbundenen anschließenden Neuanfang einherging, offenbar Aufwind bekommen. Sein Heimtrainer Mario Böttcher, selbst gerade erst 34 Jahre alt, ist zum neuen Bundestrainer ernannt worden. Auch das war ein Zeichen des Aufbruchs für Schmidt, der sich und sein Talent unter dem vorherigen Bundestrainer Didier Ollagnon nicht immer genügend gewürdigt fühlte. „Jeder hat eine neue Chance bekommen“, erkannte der gebürtige Tauberbischofsheimer: „ich habe sie genutzt.“

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          Der entscheidende Moment des Tages war, als Linkshänder Schmidt im Viertelfinale Satoru Uyama aus Japan mit 15:13 bezwang. Damit hatte er die Medaille sicher, die ihm am Abend von der beinahe ebenso glücklichen neuen Verbandspräsidentin Claudia Bokel überreicht bekam. Bokel war selbst 2001 Weltmeisterin mit dem Degen und hatte bei der ersten WM unter ihrer Führung bewusst keine Medaillen vom Team verlangt, sondern frisches Auftreten von unverkrampften Sportlern. Am Ende des Tages bekam sie beides.

          Schmidt ließ die deutschen Fans und das gesamte Fechtteam in der Leipziger Arena dank seines Coups mehrfach lauthals aufschreien. Die Leute hatten ihren Spaß an seinem aggressiven Angriffsstil und seiner Spezialität, dem blitzschnellen „Flash-Angriff“. 15:5 schlug die selbsternannte „Flash-Maschine“ den Ukrainer Maxim Chworost, hauchdünn und nervenstark gewann Schmidt 15:14 gegen den starken Luxemburger Flavio Giannotte, mit 15:13 bezwang er den Kasachen Ruslan Kurbanow. Schon durch die Qualifikation war er mit 6:0 Siegen marschiert.

          Und auch im Halbfinale gegen Pizzo hielt Schmidt bis zum 8:8 mit, geriet aber spätestens beim 10:13 entscheidend in Rückstand. „Ein bisschen“ ärgerte er sich danach sogar über die verpasste Chance auf das Goldmedaillenmatch gegen den Esten Nikolai Novosjolov, aber nur ein bisschen. Ansonsten überwog die Freude  - und die Genugtuung, all die Jahre zurecht an sein Talent geglaubt zu haben.

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