27.07.2009 · Die WM in Rom ist der letzte große Wettbewerb, bei dem Hightech-Anzüge erlaubt sind. Zum letzten Mal dürften die Rekorde purzeln. Was bringt die zweite Haut den Schwimmern eigentlich? Ein Selbstversuch.
Von Iris GutierrezDer erste Eindruck zählt. Würde diese Binsenweisheit auch für Hightech-Schwimmanzüge gelten, würde sie vermutlich keiner mehr anziehen: Sie riechen nach Plastikspielzeug und fühlen sich an wie eine Mischung aus Leder und Abdichtfolie für Teiche, starr und unelastisch.
Doch sie sollen Wunder vollbringen. Im Schwimmen bedeutet das: um Sekunden schneller machen. Und so beschließe ich, mich in die wenig ästhetischen Ganzkörperhäute zu zwängen.
Zwei Modelle mit verheißungsvollen Namen stehen zur Auswahl: Der „LZR Racer“ von Speedo, in dem Michael Phelps seine Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Peking geholt hat, und der „nero comp“ von Blueseventy, auf den neuerdings auch deutsche Schwimmer wie Sarah Poewe schwören.
Neben dem unangenehmen Geruch verwundert noch eine andere Sache: Obwohl ich Körpergröße, -gewicht, Brust- und Hüftumfang angeben musste, scheinen die Hersteller Kinderanzüge geschickt zu haben. Ein Blick auf das Innenschildchen belehrt mich freilich eines Besseren. Und so beginne ich in die Beinschläuche des Modells von Blueseventy zu steigen. Das Ende, durch das der Fuß muss, ist so eng, dass ein Ausweiten mit der Hand wenig bringt. Als der Fuß endlich durchgezwängt ist, ist er weiß, weil scheinbar blutleer vom engen Durchgang. Doch die Quälerei geht weiter. Zentimeter um Zentimeter zupfen ich und meine Helferin - alleine könnte ich nicht in den Anzug schlüpfen - die Gummihülle in Richtung Hüfte.
Bei den Knien angelangt, denke ich an eine zu kleine Hose, bei der man beim Anprobieren in der Umkleide merkt, dass sie niemals über den Hintern gehen wird. Diesen Gedanken muss ich verwerfen, es muss weitergehen. Wir arbeiten uns langsam weiter vor. Nach mehr als acht Minuten lasse ich mir den Reißverschluss am Rücken schließen. Bücken kann ich mich nicht mehr, der Brustkorb ist eingeschnürt. Mein Puls steigt. Ob das an den zusammengedrückten Blutgefäßen liegt oder es die Aufregung vor dem Schwimmtest ist?
Ich springe ins Wasser. Sofort bemerke ich den Auftrieb. Das Kraulschwimmen geht spürbar leichter, denn ich benötige einen weniger starken Beinschlag, um in waagrechter Position zu bleiben. Das macht sich auch in meiner Zeit über 100 Meter Kraul bemerkbar: Mehr als eine Sekunde unter meiner Bestzeit! Und dass, obwohl ich eigentlich völlig außer Form bin. Nach diesem Sprint verspüre ich den starken Drang, aus dem Ganzkörperkompressionsstrumpf befreit zu werden, denn ich schnappe nach Luft, aber gegen einen Widerstand. Jetzt verstehe ich, warum sich die Athletinnen teilweise noch im Wasser nach dem Rennen über die roten Wellenbrecherleinen beugen und sich gegenseitig die Anzüge öffnen.
In über elf Minuten in die Haifischhaut
Mal sehen, ob sich diese Atemnot auch in der Haifischhaut von Michael Phelps zeigt. Nach dem Ausziehen des ersten Anzugs - es fällt weniger langwierig aus als das Anziehen - steige ich in den zweiten Wunderanzug. Schnell stecke ich in den Beinteilen, doch es vergeht einige Zeit, bis das hochwertige Material richtig an Hüfte und Schritt sitzt. Brust raus, Bauch rein und Schulterblätter zusammen: Nur so schafft es meine Helferin, den Reißverschluss am Rücken zu schließen. Letztlich dauert es nach erneutem Gewurschtel und Gezupfe mehr als elf Minuten, bis alles gemäß Herstellerbeschreibung sitzt.
In dieser zweiten Haut fühle ich mich wohler als in der ersten. Die Arme haben mehr Spielraum, der Schulterbereich ist freier, und der Brustkorb ist weniger stark zusammengepresst. Ob das ein Nachteil im Wasser sein wird? Kraulschwimmen macht auf jeden Fall auch im Speedo-Anzug Spaß, wieder verspüre ich Auftrieb, vor allem in der unteren Körperhälfte. Nach 100 Metern Sprint bin ich wie erwartet außer Atem, doch diesmal kann ich ganz normal verschnaufen, kein Gewicht lastet auf meiner Brust. Und ich vermute, dass ich genauso schnell geschwommen bin wie mit dem ersten Anzug. Und was sagt die Zeit? Ich bin 70 Hundertstelsekunden langsamer! Ob ich wohl eine kleinere Größe benötigt hätte, um den Presswursteffekt zu erhöhen und schneller schwimmen zu können?
Seltsame Blicke
Ich weiß es nicht und muss es zum Glück auch nicht mehr ausprobieren. Schließlich kosten diese Anzüge nicht nur viel Zeit, sondern auch um die 400 Euro. Und damit nicht genug: Man erntet verwunderte Blicke im Schwimmbad. Das könnte allerdings auch an der seltsamen Gehweise liegen, die aus der verminderten Beugung der Knie resultiert.
So freue ich mich umso mehr, in meinem herkömmlichen Badeanzug ins kühle Nass zu springen und einfach zu schwimmen - ganz ohne Auftrieb. Ich werde mit einem Wassergefühl belohnt, dass ich plötzlich mehr schätze als je zuvor: Das Wasser schmiegt sich an meine Haut, und aus eigener Kraft ziehe ich meine Bahnen - ganz ohne Hightech.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 20 | 31 | 43 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 20 | 33 | 41 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 20 | 21 | 41 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 20 | 19 | 40 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 20 | -1 | 32 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 20 | 1 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 20 | -2 | 30 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 20 | -2 | 24 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 11. | ![]() |
VfB Stuttgart | 20 | -2 | 23 | ![]() |
| 12. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 20 | -6 | 22 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 20 | -6 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 20 | -9 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |