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Fankongress „Sonst hätte sich der DFB das alles sparen können“

24.06.2007 ·  DFB-Präsident Zwanziger hat beim Fankongress in Leipzig den Ton getroffen und damit einen Eklat verhindert. Offen blieb am Ende allerdings die Gewaltfrage, um die es eigentlich ging.

Von Olaf Sundermayer, Leipzig
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Der Eklat blieb aus, weil der Chefdiplomat des deutschen Fußballs es schaffte, die treuen Kurvensteher mit der Nadelstreifenwelt der Fußballfunktionäre ein Wochenende lang zu versöhnen. Denn vor dem Auftritt von Präsident Theo Zwanziger beim ersten Fankongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kursierte am Veranstaltungsort, der Leipziger Sportfakultät, der Vorschlag, geschlossen den Kongress zu verlassen, für den Fall, „dass dies hier bloß eine Alibiveranstaltung wird“.

Denn schließlich herrsche zwischen der Deutschen Fußball-Liga, dem „Fußballunternehmern des DFB“, und den Fans ein „instrumentelles Verhältnis“. Weil Zwanziger allerdings die richtigen Worte fand und sich in die Arbeitsgruppen des Kongresses als guter Zuhörer einbrachte, lief alles nach Plan. Und so wurde zwei Tage lang über Gewalt im Fußball, über Rassismus, Homophobie, das umstrittene Instrument der Stadionverbote und über die Kriminalisierung von Fußballfans debattiert. Das allein besaß schon Nachrichtenwert, zumal es das erste Treffen der DFB-Spitze mit Fußballfans aus ganz Deutschland war. Weitere sollen dem Vernehmen nach folgen.

Kette der Gewaltausbrüche

„Wenn es anschließend keine regelmäßigen Fantreffen gibt, hätte sich der DFB das alles hier sparen können“, hieß es am Sonntag beim bundesweit agierenden „Bündnis aktiver Fußball Fans“. Aber inzwischen scheint beim DFB angekommen zu sein, welche Wahrnehmung unter den Fans über die Welt der Funktionäre vorherrscht: „Es wäre für mich tragisch, wenn die Fußballfans in Deutschland das Gefühl hätten, das sind beim DFB alles nur Leute, die sitzen da oben in den VIP-Logen herum, und für uns interessieren die sich überhaupt nicht.“

Sein Verdienst ist es, dass er sich mit diesem Problem auseinandersetzt und den Dialog sucht, verstärkt durch die Geschehnisse der vergangenen Monate. Denn seit der friedlichen Fußball-WM reißt die Kette der Gewaltausbrüche in den Stadien – vor allem den unteren Ligen Ostdeutschlands – nicht ab. Zusätzlich fühlen sich viele der friedlichen Fans nicht ernst genommen, ausgenutzt als atmosphärische Kulisse in den Stadien. Und während die Fans so bei Kongressbeginn in Leipzig lange vor verschlossenen Türen standen – als Erste waren Anhänger des HSV und Freunde der Münchener Löwen da –, kamen die Funktionäre eingeflogen, um anschließend mit schwarzen Limousinen durch die Stadt chauffiert zu werden.

„Schleichendes Gift“

Für die Anreise der Fans gab der DFB kein Geld aus. Viele von ihnen fanden ein privates Quartier; Leipziger Fußballfans hatten eine Schlafplatzbörse organisiert. Mit den Worten „Hier ist ja eine Stimmung wie beim Fußball“, betrat Zwanziger schließlich den vollbesetzten Hörsaal der Sportfakultät, um eine entschlossene Botschaft gegen Gewalttäter und Rassisten zu verkünden: „Wir müssen Mut haben und die Masse der Gutwilligen erreichen. Denn diese Leute, die dieses schleichende Gift transportieren, haben doch gar keine Chance, wenn die anderen nicht weggucken“, sagte Zwanziger unter dem Applaus vieler Kritiker des DFB.

Zu denen gehört auch Martin Schneider, Fanbeauftragter des Klubs Sachsen Leipzig. „Der DFB hätte das hier schon viel früher anleiern müssen“, sagte er. Offen blieb am Ende allerdings die Gewaltfrage, um die es eigentlich ging. Zwanziger verteidigte aufs Neue seine Entscheidung, Dynamo Dresden trotz wiederholter Attacken seiner Anhänger nicht mit dem Ausschluss vom Pokalwettbewerb zu belegen. Zuletzt hatten Dynamo-Fans nach dem Landespokalfinale in Aue vor zwei Wochen den Platz gestürmt und sich auch mit Polizisten geprügelt. „Entweder du beseitigst dieses Gewaltproblem dadurch, dass du den Klub beseitigst – dann verlagert sich das Problem bloß. Oder du versuchst mit allen Mitteln – und da muss jeder mitmachen – den Klub zu stabilisieren“. Dazu bedarf es aber vor allem der Unterstützung der ostdeutschen Regionalfunktionäre, in deren Ligen Gewalt und Rassismus den Spielplan begleiten.

„Ich habe nur Bekenntnisse und gute Worte“

Aber während beispielsweise der Verband aus Nordrhein-Westfalen Vertreter zum Kongress schickte, traf sich der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) zu einer Vorstandstagung in einem Hotel vor den Toren Berlins. Dort sagte NOFV-Präsident Hans-Georg Moldenhauer auf Anfrage: „Ich bin grundsätzlich dagegen, nach einzelnen Schuldigen zu suchen. Denn das Gewaltproblem lässt sich nur in den Griff bekommen, wenn alle mithelfen.“

Unterdessen trat der Präsident des Berliner Problemvereins Dynamo Berlin, Mario Weinkauf, von seinem Amt zurück. Weinkauf hatte vor den Gewalttätern im Umfeld des BFC resigniert. Vom DFB fühlte er sich im Kampf gegen die Gewalt „alleine gelassen“, vor allem aber vom NOFV: „Ich habe nur Bekenntnisse und gute Worte. Das sind Willensbekundungen, die nicht viel helfen.“ Immerhin versprach NOFV-Präsident Moldenhauer, eine zentrale Forderung der antirassistischen Fans umzusetzen: „Wir wirken massiv auf unsere Schiedsrichter ein, dass sie bei rassistischen Vorfällen sofort handeln – bis hin zu Spielabbrüchen.“ Bislang ist das die Ausnahme.

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