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Europapokal-Kommentar Graswurzeldemokratie

16.09.2008 ·  Die Saison im Fußball-Europapokal beginnt - und die Unterschiede zwischen Champions League und Uefa-Cup sind groß. Dabei steht die Königsklasse im glänzenden Fokus, während Schalke und Hamburg eine „Liga“ tiefer nicht einmal im Fernsehen zu sehen sind.

Von Roland Zorn
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Europa ruft - und niemand aus dem Kreis der angesprochenen acht Fußball-Bundesligaklubs weiß in diesem Moment besser als der FC Bayern München und der FC Schalke 04, welches Kontrastprogramm die beiden Europapokal-Wettbewerbe zu bieten haben. Der deutsche Rekordmeister kehrt immerhin nach einem Jahr des Tingelns über europäische Hinterhof-Schauplätze in die Champions League zurück; der deutsche Altmeister aber, vor kurzem noch voller Hoffnung auf ein weiteres Jahr in der „Königsklasse“, tritt an diesem Dienstag bei Apoel Nikosia an - und niemand schaut hin.

Die Schalker Uefa-Pokal-Hinspielpartie fand keinen Abnehmer auf der Fernsehbühne, und das nicht einmal zu Kleingeldkonditionen. Auch der Hamburger SV, Tabellenführer der Bundesliga, kommt sich erst einmal wie in einem Minderheitenprogramm vor. Seine beiden Uefa-Pokal-Partien gegen den rumänischen Provinzklub Unirea Urziceni werden nur im Internet-TV gezeigt.

Die Neulinge tun der Champions League ganz gut

Ähnlich wäre es vielleicht auch Werder Bremen ergangen, träfe der norddeutsche Bundesligaverein auf die hierzulande bisher ebenfalls übersehenen Zyprer von Anorthosis Famagusta im Uefa-Pokal. Da aber Werder zum fünften Mal nacheinander im Kreis der Elite (vermutlich) eine Nebenrolle spielen wird und Famagusta sich glücklich schätzt, auch mal in der Champions League dabei zu sein, ist diese Partie von vornherein hoch dotiert. Das Firmenschild dieser Veranstaltung für 32 Auserwählte überstrahlt die graue Einzelfallanmutung.

Eigentlich tut es der Champions League sogar ganz gut, wenn nicht alle Jahre wieder ausschließlich alte Bekannte einander begegnen. Konnten sich im August zur Überraschung vieler Kenner Famagusta, BATE Borissow aus Weißrussland und CFR Cluj, Rumäniens neuer Champion, erstmals für die Gala der Stars qualifizieren, so wird aus der Ausnahme künftig die Regel. Dann nämlich greift die sanfte Reform der Champions League, initiiert von Michel Platini, dem erdverbundenen Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Dann wird der Qualifikationsmodus so verändert, dass garantiert fünf Vereine aus Ländern mittlerer Qualität neue Farbe in die Gruppenphase bringen.

Spott haben die Bayern lange genug aushalten müssen

Das sportliche Eliteforum wird von 2009 an um Elemente der Graswurzeldemokratie angereichert, so dass jedes Jahr garantiert 17 der 53 Uefa-Verbände mindestens ein Plätzchen in der Champions League besetzen. Die Bremer also sind an diesem Dienstag ungewollt so etwas wie Trendsetter der kommenden Champions-League-Realität.

Dass auch die Bayern sich tags darauf noch in der Nähe des eben abgeschüttelten Uefa-Pokal-Ambientes fühlen könnten, dafür sorgt ebenfalls der Gegner. Steaua Bukarest hat zwar vor über zwanzig Jahren einmal den Europapokal der Landesmeister gewonnen, doch großen internationalen Glanz konnte der Klub bisher dennoch nicht verbreiten. Damit das so bleibt, sollten die Bayern in Bukarest möglichst gewinnen. Spott haben sie schließlich genug ertragen müssen bei ihrer quälend langen Uefa-Pokal-Reise in der Vorsaison.

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