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José Carreras im Gespräch : „Eine eigene Nationalmannschaft für Katalonien“

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José Carreras: Seine wahre Leidenschaft ist angeblich der Fußball Bild: dpa

Der Opernsänger José Carreras verdankt dem Fußball seine zweite Karriere und bewundert Lukas Podolski. Vor allem aber würde er gerne einmal vor einem offiziellen Länderspiel Kataloniens die Nationalhymne seiner Heimat singen.

          Der Opernsänger José Carreras verdankt dem Fußball seine zweite Karriere und bewundert Lukas Podolski. Vor allem aber würde der Startenor gerne einmal vor einem offiziellen Länderspiel die Nationalhymne seiner Heimat singen. Dafür müsste die Fifa allerdings erst einmal Katalonien eine eigene Nationalmannschaft zugestehen. Solange das nicht der Fall ist, verfolgt der 61 Jahre alte Carreras die Europameisterschaft mit eingeschränktem Interesse.

          Señor Carreras, in Deutschland gibt es eine geflügelte Redewendung: "Fußball ist die Oper des kleinen Mannes." Ist das in Spanien ähnlich?

          Absolut. Fußball und Oper werden durch Leidenschaft angetrieben und bewegen die Gefühle der Menschen. Es gibt eine Vielzahl von Verbindungen. Lassen Sie uns einige Jahre zurückgehen. Fußball war einer der Gründe, warum Mister Pavarotti, Mister Domingo und ich die Konzerte mit den drei Tenören gestartet haben. Wir waren große Fußballfans und wollten die Weltmeisterschaft 1990 in Italien feiern. Mit einem Konzert, das alle interessiert, Operngänger und Fußballfans gleichermaßen.

          José Carreras: „Der Fußball hat meine Karriere gerettet”

          Das Konzert ging als das kommerziell erfolgreichste in die Klassik-Geschichte ein. Für Sie war es zudem ein Neuanfang.

          Es war gerade ein Jahr her, dass ich meine schwere Leukämie-Erkrankung überstanden hatte. Dieses Konzert war für mich der Startschuss zu meiner zweiten Karriere. Das kann man ohne Übertreibung sagen. Ich war über ein Jahr nicht aufgetreten, lag zehn Monate im Krankenhaus. Für die Öffentlichkeit war das Konzert damals ein so großes Event, dass ich mit einem einzigen Auftritt sagen konnte: "Seht her, ich bin wieder da." Der Fußball hat meine Karriere gerettet.

          Sie drei waren große Fußballfans, verehrten aber höchst unterschiedliche Vereine. Wurde hinter der Bühne darüber diskutiert?

          Luciano war glühender Verehrer von Juventus. Plácido ist bis heute Fan von Real Madrid. Als Katalane unterstütze ich natürlich den FC Barcelona. Als Fans waren wir immer erbitterte Gegner. Unsere Diskussionen waren immer zivilisiert, da wurde niemand beschimpft. Aber gerade in der Vorbereitung auf das Konzert 1990 hatte es Luciano gegen uns Spanier sehr schwer. Er schwor auf den italienischen Catenaccio, Plácido und ich wollten die pure Offensive.

          Wie erarbeiteten Sie sich Ihr Fußballwissen?

          Das ist eine lange Geschichte. In Katalonien gibt es viele Anhänger des FC Barcelona. Das hat nicht nur mit der sportlichen Seite des Klubs zu tun, sondern vielmehr mit der Rolle, die er als gesellschaftliche Institution während der Franco-Diktatur gespielt hat. Zu dieser Zeit mussten wir unsere Identität, unsere Wurzeln und Traditionen gegen die Repression von General Franco verteidigen. Die einzige Möglichkeit, unseren Selbstwert nach außen zu zeigen, war, zu den Spielen des FC Barcelona zu gehen. Nur im Camp Nou zeigten wir offen unsere wahren Gefühle, unsere Identität als eigenes kleines Land. Deshalb hat der FC Barcelona bis heute diese unglaubliche soziale Stärke und Bedeutung. Barça war und ist schon immer viel mehr gewesen als nur Sport.

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