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José Carreras im Gespräch : „Eine eigene Nationalmannschaft für Katalonien“

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Das war der gesellschaftliche Hintergrund, vor dem Sie ein glühender Anhänger des Spiels wurden.

Ich war zehn Jahre alt, als ich mit meinem Vater zum ersten Mal ins Stadion gegangen bin. Es war seine Hingabe an das Spiel, die mich zum Fußball brachte. Später habe ich das Gleiche mit meinem Sohn gemacht. Barcelona zu unterstützen ist für uns Katalanen eine ganz eigene Religion.

Seit wann sind Sie Mitglied bei Barcelona?

Seit mehr als 30 Jahren. Auch meine Frau, meine Kinder, meine Enkel, meine Geschwister, jedes einzelne Mitglied meiner Familie ist Mitglied beim FC Barcelona. Jeder, ganz egal ob jung oder alt, weiblich oder ledig. An dem Tag, als mein Sohn geboren wurde, habe ich seinen Mitgliedsantrag unterschrieben.

Kennen Sie Ihre Mitgliedsnummer?

Kenne ich. Entschuldigen Sie, dass ich das erwähne, aber letztes Jahr sind wieder ein paar Mitglieder verstorben, dann ändert sich immer die Mitgliedsnummer. Im Moment haben wir über 150 000 Mitglieder, und ich habe exakt die Nummer 21 000.

Und Sie haben natürlich jedes Jahr eine Saisonkarte?

Meine ganze Familie hat eine Jahreskarte. Ich gehe fast zu jedem Heimspiel. Fußball ist meine wahre Leidenschaft. Ich lese auch leidenschaftlich gern Sportzeitungen. In Barcelona haben wir drei, die täglich erscheinen. Hier weiß man deshalb sicher mehr über die jüngsten Eskapaden von Ronaldinho als über die Regierungserklärung unseres Präsidenten.

Gibt es einen Spieler, den Sie besonders bewundern?

Als ich noch ein Kind war, hatten wir einen Ungarn, der die Gefühle der Leute in einer besonderen Art und Weise berührte: Kubala. Ladislao Kubala. Er war ein Gentleman auf dem Feld, ein Leader gerade für die Jüngsten. Aber wir wurden in Barcelona ja immer beglückt mit den besten Spielern der Welt: von Maradona bis Cruyff, von Ronaldo bis Rivaldo, von Romario bis Ronaldinho. Ich hatte auch immer eine große Schwäche für Christo Stoitschkow. Ich kenne ihn persönlich sehr gut, er ist eine großherzige Persönlichkeit, ein leidenschaftlicher Mann und ein guter Freund von mir. Er gab jeden Tropfen Blut und Schweiß für den Klub.

Die von Ihnen genannten Spieler haben im populären Diskurs längst den Status von Göttern und Künstlern. War und ist ein Maradona oder Ronaldinho für Sie schon Kunst?

Was diese Jungs können, das ist magisch. Ich möchte sogar sagen: Ja, das ist Kunst. Kunst hat heute so viele verschiedene Ausprägungen: Einer wie Ronaldinho liegt irgendwo zwischen bildender Kunst und einem Künstler auf der Bühne. Wie er den Ball behandelt, unter diesem Druck, auf engstem Raum von drei Gegnern gleichzeitig bedrängt, das ist unglaublich.

Wer wäre der Tenor auf einem Spielfeld?

Der Stürmer. Der Tenor schießt die entscheidenden Tore auf der Bühne. Er allein trifft die höchsten Töne, er ist der romantische Held. Wenn ich eine Opernbesetzung mit einer Fußballmannschaft vergleichen sollte, dann ist der Tenor der Mittelstürmer. Am besten einer wie Luca Toni.

Fiebern Sie als Katalane bei der Europameisterschaft auch so mit der spanischen Nationalmannschaft mit?

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