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England Sven-Sation und Siegesrausch

02.09.2001 ·  Nach dem historischen 5:1-Triumph über Deutschland erlebte das Fußball-Mutterland den emotionalen Ausnahmezustand und schwelgte in Erinnerungen an 1966. Im Mittelpunkt: Michael Owen.

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Überschwängliche Feiern am berühmten Trafalgar Square in London, Millionen Engländer im Siegesrausch und ein begeisterter Premierminister Tony Blair: Nach dem historischen 5:1-Triumph über Deutschland schwelgte England in Erinnerungen an den legendären Sieg im WM-Finale von 1966.

Und der erst 21-Jährige Michael Owen, der mit seinen drei Treffern den ersten Sieg auf deutschem Boden seit 36 Jahren perfekt gemacht hatte, wurde über Nacht zum Nationalhelden.

Willkommen im Wunderland

„Wir sind im Wunderland. Michael Owen ist fast zu gut, um wahr zu sein“, titelte der Observer: „Er ist eine glorreiche Mischung aus Ballgefühl, Schnelligkeit, Initiative und Mut. Die Deutschen konnten ihm wenig oder gar nichts entgegensetzen. Sie wurden von ihm erniedrigt.“ Sogar die altehrwürdige Times geriet aus dem Häuschen: „Owens drei Tore brachten die Erinnerungen an Geoff Hursts Dreierpack im WM-Finale 1966 zurück. Sogar der zurückhaltendste Zeuge des Spiels muss eingestehen, dass Englands 5:1-Schlachtung der Deutschen nicht nur historisch ist, sondern einer der erstaunlichsten Siege, die ein englischen Team je erspielt hat.“

Euphorisch äußerte sich auch Superstar David Beckham. „Wahnsinn. Brillant. Unglaublich. Davon werden wir noch lange zehren, auch wenn das in der Qualifikation noch keine Entscheidung war. Das Team hat Kampfgeist gezeigt, Charakter bewiesen und nach dem 0:1 zurückgebissen“, schwärmte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler von Manchester United, fügte allerdings warnend hinzu: „Aber wenn wir am Mittwoch gegen Albanien nichts holen, bedeutet dieser Sieg überhaupt nichts.“

Michael Owen bleibt bescheiden

Der „Mann des Abends“, der mit seiner Schnelligkeit die deutsche Abwehr geradezu überrannt hatte, blieb unterdessen bescheiden. „Ich bin erst 21. Also hoffe ich, dass die besten Momente in meiner Karriere in fünf oder sechs Jahren kommen“, meinte Owen mit reichlich Understatement: „Das hätte keiner gewagt, vorherzusagen. Mein Dreierpack war ganz toll, aber nicht allein mein Verdienst. Die ganze Mannschaft hat heute Weltklasse gespielt. Wenn wir so bei der nächsten WM spielen, können wir der WM unseren Stempel aufdrücken.“

Selbstverständlich gratulierte auch Regierungschef Blair, nachdem Owen (13., 48., 66.), Steven Gerrard (45.) und Emile Heskey (74.) für den größten englischen Triumph seit Jahren gesorgt hatten. „Der Premierminister sendet nach dieser wahrhaft unglaublichen Vorstellung und dem wunderschönen Sieg seine Glückwünsche an Trainer Sven-Göran Eriksson und die gesamte Mannschaft“, ließ No. 10 Downing Street mitteilen.

Sven Göran Eriksson bald geadelt?

Während der Partie hatte Blair mit der Queen zu Abend gegessen. Kein Zweifel: Nur acht Monate nachdem Eriksson das Traineramt vom glücklosen Kevin Keegan übernommen hat, steht das Team von der Insel wieder glänzend da und hat beste Aussichten auf die Endrunden-Teilnahme in Südkorea und Japan. „Ich bin natürlich überglücklich. Die Tür zur WM steht für uns jetzt offen. Wir waren im Kopf unheimlich stark“, meinte der Schwede. So bieten die englischen Buchmacher sogar Wetten an, ob der Coach geadelt wird. Die Quoten für „Sir“ Eriksson stehen momentan bei 10:1. Der letzte englische
Nationaltrainer, dem die hohe Auszeichnung zuteil wurde, war Alf Ramsey nach dem Titelgewinn 1966.

Ohne Torwart-“Oldie“ David Seaman hat die junge Mannschaft 2001 einen Altersdurchschnitt von 23,7 Jahren: Nach einer zwischenzeitlichen Durststrecke ist mit den Briten, die zuletzt 1908 mit 5:1 gegen Deutschland gewonnen hatten, also auch langfristig wieder verstärkt zu rechnen.

Quelle: @hel, mit Material von dpa und sid
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