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Emil Beck Ehemaliger Bundestrainer Beck gestorben

13.03.2006 ·  Im Alter von 70 Jahren ist der erfolgreiche ehemalige Fecht-Bundestrainer Emil Beck in Tauberbischofsheim gestorben. Interne Querelen und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen ließen seinen Ruhm in den letzten Jahren verblassen.

Von Christiane Moravetz
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Die ganz große Bühne hatte er sich noch einmal vorgestellt, plante eine Fecht-Gala im kommenden Herbst beim Stanglwirt in Tirol, mit hochkarätigen Ehrengästen, die ihm stets so wichtig waren - weit über den Sport hinaus. Die Ehrenplakette, eine der höchsten Auszeichnungen des Internationalen Fechterbundes, die ihm vor Jahren schon für seine Verdienste um die Sportart weltweit verliehen, aber nie überreicht worden war, wollte er im großen Rahmen entgegennehmen.

Er wollte bei dieser Gelegenheit über das Fernsehen endlich wieder seinen Sport und sich selbst in Szene setzen. Doch die Pläne werden nicht verwirklicht: Am Sonntag abend ist Emil Beck im Alter von siebzig Jahren nach einem Herzinfarkt in seiner Wohnung im „Berghof“ in Tauberbischofsheim, dem Haus der Athleten, gestorben.

1988 auf dem Höhepunkt seines Schaffens

Der Mann, der sich 1952 in einer Kino-Wochenschau für Fechten begeisterte, dann in einem Heizungskeller begann, Schüler zu trainieren und seinen Beruf als Friseur aufgab, um sich ganz dem Sport zu widmen, wird als einer der erfolgreichsten Trainer überhaupt in die Geschichte eingehen. 163 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften haben seine Fechter gewonnen. Seit der WM in Schweden 1973, als die deutsche Herren-Mannschaft mit dem Degen zum ersten Mal Gold gewann, war der kleine Mann mit dem runden Kopf auch international ein Großer.

Er war auf dem Höhepunkt seines Schaffens, als 1988 in Seoul bei den Olympischen Spielen Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser alle drei Medaillen im Einzel und dazu noch Gold mit der Mannschaft gewannen. Thomas Bach, Matthias Behr, Alexander Pusch, Harald Hein sind nur einige der Namen, die weit über den begrenzten Kreis der Fechtsport-Interessierten hinaus bekannt wurden. Beck sah sich nicht nur als ihr Trainer, das Wohlergehen seiner Schützlinge neben und nach der sportlichen Karriere war ihm wichtig. Für viele von ihnen stellte er mit seinen guten Beziehungen zu Wirtschaftskreisen weit über die Tauber-Region hinaus die Weichen.

Drohender Prozeß wegen Untreue

„Seine Lebensleistung für den Fechtsport ist herausragend, einzigartig und wird in Tauberbischofsheim und der Region noch lange nachwirken“, sagte am Montag Thomas Bach, mittlerweile Vizepräsident im Internationalen Olympischen Komitee. Immer wieder feierte die ganze Stadt, wenn die erfolgreichen Fechter von Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften zurückkehrten. Beck wurde zum Ehrenbürger ernannt, „er hat sich in unvergleichlicher Weise um die Stadt verdient gemacht“, sagte Bürgermeister Wolfgang Vockel. Und Matthias Behr ergänzte: „Tauberbischofsheim hätte ohne Emil Beck nie diesen Bekanntheitsgrad.“

Doch als Beck im vergangenen Juli seinen Geburtstag beging, kam nur ein kleiner Kreis von Gratulanten, Familie, engste Freunde. Die Stadt wollte keine Feier ausrichten, bis „der Prozeß vorbei ist“. Dieser Prozeß wegen Untreue, der seit fünf Jahren droht und das Leben des Emil Beck so grundlegend verändert hatte. Nachdem Behr und Pusch sich als Angestellte im Leistungszentrum im Sommer 1999 erstmals öffentlich gegen ihren ehemaligen Trainer gestellt hatten, meldeten sich nach und nach immer mehr Kritiker Becks zu Wort.

„Wer hört schon auf, wenn er voll im Leben ist?“

In der Folge ermittelte die Staatsanwaltschaft, Anklage wurde erhoben. „Es könnte mir gutgehen, wenn das ganze Ding rum wäre“, sagte er im vergangenen Sommer.“ Und: „Es würde alles nicht interessieren, wenn ich nicht der Emil Beck wäre.“ Vor sechs Jahren gab Beck seinen Posten als Leiter des Fechtzentrums und im Deutschen Fechterbund auf, wo er seit 1986 Cheftrainer war. „Er war eine charismatische Persönlichkeit, die niemanden gleichgültig gelassen hat“, sagt Bach.

Beck zog sich zurück, betrat nie wieder das Fechtzentrum. Er litt darunter, daß „die dort unten“ sein Lebenswerk zerstört, ihn „wie einen Aussätzigen“ behandelt hätten. Doch bis zum Schluß war er immer bestens unterrichtet, „was dort so schiefläuft“, wie er es empfand. Er suchte sich neue Ziele. „Wer hört schon auf, wenn er voll im Leben ist?“ Er stürzte sich mit großem Engagement in die Arbeit an „seinem“ Golfclub Kaiserhöhe, suchte und fand Geldgeber. Sein Golf-Projekt Aspach bei Stuttgart drohte zu scheitern - es war ein neuer, herber Rückschlag für den Mann, der wieder einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte für die Verwirklichung einer Idee. Wieder hatte er versucht, Fäden zu spinnen, andere zu begeistern, für sich einzunehmen.

So, wie es seine Natur war: Wer nicht uneingeschränkt für ihn war, den betrachtete er als Feind. Er pflegte Bekanntschaften mit Politikern und Wirtschaftsbossen nicht nur wegen der Vorteile für sein Fechtzentrum, war mit Großen per du, von Erwin Teufel bis Helmut Kohl, dessen Bild über Becks Schreibtisch im Fechtzentrum hing. Fotos von ihm, die zu seiner Zeit fast jede Wand zierten, haben seine Nachfolger längst entfernt.

Quelle: F.A.Z. vom 14. März 2006
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