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EM-2012-Kommentar Unüberschaubare Abenteuer

26.09.2008 ·  Die Fußball-EM 2012 wird in Polen und der Ukraine stattfinden. Beide dürfen weiterwerkeln an einer zu Teilen unlösbar anmutenden Aufgabe. Es gibt viele Parallelen zur WM 2010 in Südafrika. Doch geteiltes Leid weckt in beiden Fällen kein gemeinsames Mitleid.

Von Roland Zorn
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Welt- und Europameisterschaften im Fußball sind immer zuerst sportliche Abenteuer gewesen. Heutzutage geht der Nervenkitzel schon viel früher los. Ehe die WM 2010 in Südafrika oder die EM 2012 in Polen und der Ukraine beginnt, fragen sich manche Beobachter längst, ob dort überhaupt der Ball rollen kann oder rollen sollte.

Die Schauplätze der beiden größten Fußball-Schauspiele halten schon Jahre vorher diejenigen, die sich als Reiseleiter für diese Länder stark gemacht haben, in Atem. Da sowohl der Beschluss des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) für Südafrika als auch der Entscheid der Europäischen Fußball-Union (Uefa) pro Polen und die Ukraine zuerst sportpolitisch grundiert war, müssen sich die größten Fußball-Organisationen der Welt nun mit den praktischen Folgen und alltäglichen Zweifeln an der Tauglichkeit der auserkorenen Großbühnen herumschlagen.

Polen kann es schaffen, der Ukraine fehlt es an allem

Dass die Präsidenten Blatter in Afrika und Platini im europäischen Osten treue Wegbegleiter und Wähler hinter sich wissen, trug gewiss dazu bei, dass Südafrika im zweiten Anlauf erste Wahl war und die Nachbarn Polen und Ukraine zum Erstaunen vieler den Zuschlag vor dem skandalumwitterten, aber dennoch im Kreis des Fußball-Establishments fest verankerten Italien bekam.

Das haben sie nun davon: Südafrika könnte nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Mbeki vor politisch instabilen Zeiten stehen. Dazu verströmt ein Land mit einer hohen Kriminalitätsrate, einer labilen Stromversorgung und einer Unterversorgung im öffentlichen Verkehrswesen keine animierenden Impulse für massenhaften WM-Tourismus in knapp zwei Jahren. Polen dürfte sein EM-Projekt 2012 trotz hauseigener Probleme (Hooligans, Korruption) halbwegs sicher auf die Beine stellen können; der Ukraine fehlt es derzeit noch an fast allem.

Den Funktionären dürfte mulmig gewesen sein

Die politische Lage labil, die Straßen marode, die Flughäfen renovierungsbedürftig, die Hotelkapazitäten zu gering: Den Machthabern in Kiew stehen Herkulesaufgaben bevor, um ihren Mindestpflichten nachkommen zu können. Dass auch mit Hilfe von Oligarchengeldern die vier EM-Stadien in Dnjepropetrowsk (schon fertig), Donezk, Kiew und Lwiw (Lemberg) rechtzeitig gebaut werden, dürfte noch das geringste Problem sein.

Go east: Am Freitag hat die Uefa anders als hier und da gedacht das unüberschaubare Abenteuer EM 2012 nicht von sich aus beendet. Die beiden Ausrichterländer dürfen gemeinsam weiterwerkeln an einer zu Teilen unlösbar anmutenden Aufgabe. Bei ihrem Votum dürfte einigen Funktionären im Uefa-Exekutivkomitee mulmig zumute gewesen sein. Dass auch in der Fifa-Exekutive beim Blick auf den WM-Ausrichter von 2010 der Gedanke „hoffentlich geht alles gut“ vorherrscht, ist kein Trost. Geteiltes Leid weckt in beiden Fällen kein gemeinsames Mitleid. Selbst schuld, sagen diejenigen, die anders, vernünftiger und nach primär sachlichen Argumenten entschieden hätten.

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