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EM-2012-Kommentar Die falschen Schlagzeilen

01.10.2008 ·  Trotz langer Mängelliste entschied die Uefa, Polen und der Ukraine die EM 2012 zu lassen. Nun ist auch noch ein sportpolitischer Totalschaden hinzugekommen mit der Absetzung der Führung des polnischen Fußballverbandes. Die Turbulenzen kommen dem Co-Gastgeber aber wohl zugute.

Von Michael Horeni
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Es ist noch nicht einmal eine Woche her, dass die Europäische Fußball-Union (Uefa) davor zurückschreckte, ihren Sorgenkindern Polen und Ukraine die Europameisterschaft 2012 wegzunehmen. Das Exekutivkomitee drückte dabei in Bordeaux schon mehr als ein Auge zu, um unter die lange Mängelliste nicht endgültig einen logistisch nur allzu gut zu begründenden Schlussstrich zu ziehen (Siehe auch: Fußball-EM 2012: Polen und Ukraine bleiben „unter Auflagen“ Gastgeber).

Nun ist zu den enormen organisatorischen Schwächen auch noch ein sportpolitischer Totalschaden hinzugekommen. Der polnische Sportminister Drzewiecki hat durch einen Antrag beim Schlichtungsgericht des Polnischen Olympischen Komitees bewirkt, dass die Führung des Fußballverbandes um Präsident Listkiewicz überraschend suspendiert und durch einen kommissarischen Verwalter ersetzt wurde.

Mit aller Macht wird die Autonomie des Sports verteidigt

Für internationale Sportorganisation ist das eine Kampfansage. Die Autonomie des Sports verteidigen Uefa, Internationaler Fußball-Verband (Fifa) oder Internationales Olympisches Komitee mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht; als Sanktion ist sogar ein vorübergehender Ausschluss des Nationalverbandes möglich, Polen könnte aus der WM-Qualifikation gestrichen werden. Die beiden internationalen Fußballverbände erklärten jedenfalls umgehend, dass sie jedes nicht vom bisherigen Präsidium abgezeichnete Schriftstück als „irrelevant“ betrachteten (Siehe auch: Polen vor der Euro 2012: Fifa und Uefa akzeptieren Regierungseingriff nicht).

Auf den ersten Blick könnte man angesichts der hochproblematischen polnisch-ukrainischen Vorgeschichte meinen, dass die Einmischung der Politik der Uefa in diesem Fall sogar recht sein könnte. Denn durch die Entscheidung des Gerichts, die Fußballführung wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten aus dem Amt zu jagen, würde es dem Verband und seinem Präsidenten Michel Platini viel leichter fallen, das osteuropäische Fußball-Abenteuer noch einigermaßen elegant zu beenden.

Kenner erwarten nun eine Uefa-Solidarisierung

Aber das genaue Gegenteil dürfte der Fall sein. Auch wenn Spanien als attraktiver Nachrücker schon bereit stünde für dieses unglückliche osteuropäischen Duo: Kenner der Fußball-Diplomatie erwarten nun eine Solidarisierung der Uefa mit den polnischen Partnern, die nach dem politischen Übergriff nicht mehr ihren Geschäften nachgehen können.

Es sieht danach aus, dass diese unglückliche Liaison, deren unzureichendes Gemeinschaftswerk bisher vor allem durch unfertige Stadien, fehlende Straßen, Gewalt sowie Korruption die falschen Schlagzeilen machte, auf dem Weg zur EM 2012 nun eine letzte und ganz typische Wendung nimmt. Ausgerechnet offiziell festgestellte Amtsverfehlungen des Präsidiums des polnischen Verbandes könnten die erste Europameisterschaft in Osteuropa endgültig sichern.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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