13.01.2002 · Auch beim letzten Weltcup vor Olympia konnte keine Eisschnellläuferin Anni Friesinger bezwingen.
Bei der Olympia-Generalprobe in Heerenveen stürmte Anni Friesinger über 1500 und 3000 Meter zu ihren Weltcup-Siegen Nummer neun und zehn in dieser Saison und machte damit vorzeitig die Gesamtsiege in beiden Disziplinen perfekt. Auf beiden Strecken ist sie in dieser Saison ungeschlagen.
„Jetzt brauche ich erst mal eine Auszeit, um den Kopf frei zu bekommen“, meinte die Welt- und Europameisterin nach dem insgesamt 15. Weltcup-Sieg ihrer Karriere und ergänzte: „Die nächsten Tage werde ich daheim mit meiner Familie und Freunden in Ruhe genießen.“
Obwohl Friesinger am Freitag 25 Jahre alt wurde, ist Feiern vorerst tabu. Olympia ruft, und da will die 3000-Meter-Dritte von Nagano gleich viermal aufs Treppchen, auch über ihre „Nebenstrecken“ 1000 und 5000 Meter.
Anni Friesinger: Imponierende Dominanz
Erfolgsserien wie die von Friesinger gelangen in der Vergangenheit nur Gunda Niemann-Stirnemann. Die Eisschnellläuferin des Jahrhunderts, in Heerenveen als TV-Kommentatorin für das ZDF im Einsatz, meinte: „Die Deutlichkeit von Annis Siegen ist imponierend.“
In Abwesenheit der zweimaligen 5000-Meter-Olympiasiegerin Claudia Pechstein (erkältet) dominierte Anni Friesinger über 3000 Meter in 4:08,40 Minuten mit 3,91 Sekunden Vorsprung vor der EM-Dritten Renate Groenewold (Niederlande) ebenso klar wie auf ihrer Paradestrecke 1500 Meter in 1:58,18 Minuten (1,67 Sekunden vor der Amerikanerin Jennifer Rodriguez).
Dabei verzichtete sie in Heerenveen sogar noch auf die vom Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Sportgeräte in Berlin neu angefertigten Schlittschuhe und lief erneut mit dem in Erfurt bei einem Trainingsunfall beschädigten Paar. In Salt Lake City will sie jedoch auf die neuen Kufen zurückgreifen: „Ich werde sie in den nächsten Tagen im Training einlaufen. Bis Olympia reicht die Zeit noch.“
Sabine Völker ist in Form für die WM
Weltrekordlerin Sabine Völker belegte eine Woche vor der WM im Sprint-Vierkampf in Hamar über 1000 Meter den dritten Platz in 1:17,26 Minuten beim Triumph von Doppel-Olympiasiegerin Marianne Timmer (1:16,93) vor Andrea Nuyt (beide Niederlande/1:17,18). Völker hatte als 500-Meter-Dritte (38,85) am Freitag bereits ihre Medaillenambitionen für WM und Olympia untermauert.
„Für mich geht es in Hamar um Silber“, meinte Sabine Völker realistisch mit Blick auf den Sprint-Vierkampf. Als Favoritin reist Catriona LeMay-Doan nach Norwegen. Die Weltrekordlerin aus Kanada feierte im sechsten 500-Meter-Weltcuprennen der Saison ihren sechsten Sieg (38,12). Jenny Wolf erhöhte die Zahl der deutschen Olympiateilnehmer im Eisschnelllauf durch einen Sieg in der B-Gruppe und Platz 15 in der A-Gruppe (39,37) auf zwölf.
Die viermalige Sprintweltmeisterin Monique Garbrecht-Enfeldt zeigte eine Woche vor ihrer Titelverteidigung in Hamar ansteigende Form. „Ich bin durch das Tal und hoffe, dass ich bei Olympia wieder auf dem Berg angekommen bin“, sagte die 33-Jährige, die nach ihrem besten Weltcup-Ergebnis der Saison über 500 Meter (Vierte in 38,73 Sekunden) am Sonntag auf die 1000 Meter verzichtete, „weil ich vor der Sprint-WM kein Risiko eingehen will“.