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Eishockey-WM : Adieu, Les Bleus

  • -Aktualisiert am

Enttäuschte Gesichter bei der französischen Nationalmannschaft – auch bei Pierre-Edouard Bellemare Bild: Reuters

Statt Vorfreude herrscht nach dem frühen WM-Aus in Frankreich Tristesse. Auch der abschließende Sieg gegen Slowenien ist nur noch Makulatur. Nicht nur die Spieler sind enttäuscht.

          Statt Vorfreude herrschte zu Wochenbeginn im Pariser Stadtteil Bercy Tristesse. Am Sonntagnachmittag hatte die französische Eishockeynationalmannschaft 2:5 gegen Tschechien verloren. Und weil Stunden später Finnland in der Zusatzschicht 3:2 gegen die Schweiz gewann, wurde aus der Vorahnung Gewissheit: Kein WM-Viertelfinale mit französischer Beteiligung, nicht einmal ein entscheidendes Gruppenfinale, wie es den Deutschen gegen Lettland vergönnt war. Das abschließende Duell gegen Slowenien, das 4:1 gewonnen wurde – Makulatur. Es war an Torwart Florian Hardy, den Gemütszustand der Gastgeber zu resümieren: „Wir hatten erwartet, hier in Frankreich ins Viertelfinale zu kommen. Wir sind sehr enttäuscht.“

          Ohnehin hätte diese Weltmeisterschaft für die beiden Ko-Gastgeber unterschiedlicher kaum verlaufen können. Schon der Turnierstart: Während sich die Deutschen am 2:1 gegen das Team der Vereinigten Staaten berauschten, erlebten die Franzosen beim 2:3 gegen Norwegen einen doppelten Dämpfer für Stimmung und Turnieraussichten. Selbst ein 5:1 gegen den letztjährigen Zweiten Finnland vermochte keinen anhaltenden Enthusiasmus auszulösen: Das 4:3 gegen die Schweiz verfolgten weniger als 7000 Tribünengäste.

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          Es schien, als habe das Land andere Sorgen, angesichts von Proteststimmung, prekärer Wirtschaftslage und einer brisanten Präsidentenwahl. Erst beim respektablen 2:3 gegen Weltmeister Kanada waren die 14.500 Plätze der Arena voll besetzt, die Zuschauer wirkten beschwingt, während des Spiels stimmten sie die Marseillaise an.

          In Erinnerung geblieben ist aber besonders jene Szene nach dem Finnland-Spiel, als der zum „Spieler des Spiels“ auserkorene Pierre-Édouard Bellemare in einem Anflug von Großmut seinen Torhüter Hardy zur Ehrung vorschickte. Mit einem Schuss Böswilligkeit ließe sich ableiten: Vielleicht waren die Franzosen einfach eine Spur zu nette Gastgeber. Bei Frankreichs jüngster Niederlage zeigte sich aber, dass die Deutschen ihren Mitausrichtern im Streben um die erweiterte Weltspitze noch etwas anderes voraushaben: Verstärkung vom Kaliber eines Leon Draisaitl werden die Franzosen so bald nicht erwarten dürfen. Gegen Tschechien, als wiederholt Gelegenheiten mit zwei Spielern mehr auf dem Eis ungenutzt blieben, hätte so ein Mann ihnen gut zu Gesicht gestanden.

          Ungeachtet dessen hat sich das französische Eishockey durchaus bemerkenswert entwickelt. Seit der beharrliche Dave Henderson, ein gebürtiger Kanadier, die Geschicke der Nationalmannschaft leitet, mittlerweile im dreizehnten Jahr, haben sich „Les Bleus“ im Kreis der Top-Nationen etabliert. 2013 gelang ein 2:1 gegen Russland, ein Jahr später der Einzug ins Viertelfinale. Einige, wie der gebürtige Pariser Bellemare (Philadelphia Flyers), Stürmerkollege Antoine Roussel (Dallas Stars) und Verteidiger Yohann Auvitu (New Jersey Devils), haben in teils fortgeschrittenem Alter eine Anstellung in der National Hockey League bekommen.

          Am weitesten hat es der 41 Jahre alte Cristobal Huet gebracht. Der scheidende Torhüter gewann 2010 mit Chicago den Stanley Cup. Nur: In Frankreich nimmt von alledem kaum jemand Notiz. Eishockey-WM im eigenen Land hin oder her: Fußball, der Giro und Rugby bestimmen unverändert die Schlagzeilen.

          Quelle: F.A.Z.

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