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Veröffentlicht: 12.05.2017, 22:46 Uhr

Eishockey-WM Pleite gegen Dänemark – Wirbel um NHL-Star Greiss

Das deutsche Eishockey-Nationalteam verliert nach schwacher Leistung in der Verlängerung gegen die Skandinavier. Aufregung herrscht aber vor allem um pikante Online-Aktivitäten von Torhüter Thomas Greiss.

von , Köln
© dpa Viel los vor dem dänischen Tor

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ist dem Viertelfinale bei der Heim-Weltmeisterschaft am Freitag keinen Schritt näher gekommen. Durch ein 2:3 nach Verlängerung (2:2, 0:0, 0:0, 0:1) gegen Dänemark verpasste sie im fünften Vorrundenspiel den dritten Sieg. In der Overtime entschied Peter Regin die niveauarme Partie zugunsten des Außenseiters. Nur Patrick Reimer (9. Minute) und Brooks Macek (11.) schossen Tore für die Auswahl Marco Sturms, bei der zum ersten Mal Danny aus den Birken anstelle von Thomas Greiss zwischen den Pfosten stand – und die Aufgabe nicht immer souverän löste.

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Im Fokus stand Greiss den Tag über dennoch. Am Morgen hatte zunächst der „Deutschlandfunk“ darüber berichtet, dass sich der Profi der New York Islanders, der seit elf Jahren in den Vereinigten Staaten lebt und dort verheiratet ist, auf Instagram als Anhänger Donald Trumps und Gegner der früheren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu erkennen gegeben hatte. Der 31-Jährige markierte einen Vergleich von Clinton mit Adolf Hitler mit dem „Gefällt-Mir“-Button. „Nie verhaftet, nie verurteilt, genauso unschuldig wie Hillary“, heißt es (unrichtigerweise) neben der Aufnahme des deutschen Diktators.

46366678 © EPA Vergrößern Im Fokus – aber nicht auf dem Eis: Thomas Greiss

Greiss setzte zudem unter eine Fotomontage Trumps mit einem Schwert in der einen und dem abgeschlagenen Kopf von Hillary Clinton in der anderen Hand ein „Gefällt mir“. In einer eilendes organisierten Pressekonferenz unmittelbar vor der Begegnung mit den Dänen sagte Marc Hindelang, der Vizepräsendet des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), dass das Verhalten von Greiss „keine sportlichen Konsequenzen“ nach sich ziehen wird: „Er bleibt im Kader.“

Dem Schlussmann sei aber deutlich gemacht worden, dass er sich „auf einem schmalen Grat zwischen Geschmacklosigkeit und intoleranten Dingen“ bewegt habe. Hindelang sprach von einem „Graubereich“ und fügte an: „Hitler ist ein No Go.“ Der Verband sei politisch neutral und werde seinen Spielern die Meinungsfreiheit nicht nehmen. „Thomas Greiss ist kein Nazi. Allerdings haben wir das Gespräch mit ihm gesucht, und nachfolgend hat er die Bilder entliked.“

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Hindelang sagte, dass die Onlineaktivitäten des Keepers im „Team ein Thema sind“, während Bundestrainer Marco Sturm betonte: „Was außerhalb des Eises passiert, ist jedem Spieler selbst überlassen. Alles, was nichts mit Eishockey zu tun hat, kann ich nicht kontrollieren.“ Hindelang bezeichnete Greiss, der seit elf Jahren in den Vereinigten Staaten lebt, dort verheiratet ist und dessen strittige Posts vornehmlich aus dem amerikanischen Präsidentschaftswahl im Herbst 2016 stammten, als Menschen der politisch „eher mitterechts“ zu verorten sei, „er ist aber kein Rechtsextremist“. Auch die Eishockey-Nationalmannschaft sei vielmehr „ein Spiegel der Gesellschaft“, sagte Hindelang.

46366580 © dpa Vergrößern Danny aus den Birken übernahm den Job zwischen den Pfosten von Thomas Greiss.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte zuvor den DEB indirekt in die Pflicht genommen: „Alle Sportler haben eine wichtige Vorbildfunktion in der Öffentlichkeit. Politischer Extremismus hat im Sport schlichtweg nichts zu suchen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der Greiss im Wiederholungsfalle die Olympia-Tauglichkeit absprach; allerdings stellt sich diese Frage zumindest 2018 nicht, denn die NHL boykottiert die Winterspiele in Südkorea.

Greiss stand der F.A.Z. am Freitag für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Ob er im Laufe der WM in Köln noch einmal zum Einsatz kommt, ist auch wegen einer Verletzung fraglich. Zudem wurde am Abend bekannt, dass in Philipp Grubauer von den Washington Capitals ein weiterer Torhüter das DEB-Team ergänzen wird.

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Überforderte Italiener vor Abstieg

Italien droht bereits am Samstag im Vorrundenspiel gegen Deutschland bei der Eishockey-WM der Abstieg aus der A-Gruppe. Die Italiener kassierten am Freitag gegen Schweden eine 1:8-Pleite (0:2, 1:1, 0:5) und bleiben mit nur einem Punkt aus fünf Spielen Tabellenletzter in der deutschen Gruppe in Köln. Verliert der Aufsteiger auch am Samstag (20.15 Uhr/Sport 1) gegen Deutschland, kann er im letzten Spiel nicht mehr an der Slowakei vorbeiziehen. Italiens letzter Vorrundengegner Dänemark kann als Gastgeber der Weltmeisterschaft 2018 nicht absteigen. Die Schweden mussten am Freitag vor 10.878 Zuschauern noch ohne ihre NHL-Starspieler Henrik Lundqvist und Nicklas Bäckström auskommen. Das Duo wird nach dem Aus in den Playoffs der nordamerikanischen Profiliga am Wochenende in Köln erwartet.

In der Gruppe B in Paris wahrte Gastgeber Frankreich am Abend mit einem 4:3-Sieg nach Verlängerung gegen Weißrussland seine Chancen auf das Viertelfinale. Zuvor gelang Tschechien mit 5:1 (3:0, 1:0, 1:1) vor nur 2805 Zuschauern ein Pflichtsieg gegen Slowenien. (dpa/srec.)

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Von Anno Hecker

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