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Deutsches Eishockeyteam : Der Krisenplan bleibt in der Schublade

Besser als gedacht: Sieg gegen die Amerikaner als Auftakt nach Maß Bild: dpa

Das deutsche Eishockeyteam zweifelt nach dem 2:7 gegen Schweden nicht an sich. Allerdings wartet bei der WM an diesem Montag schon der nächste Gigant. Immerhin gibt Kapitän Ehrhoff Entwarnung.

          Sie waren für den Fall der Fälle vorbereitet. In Anbetracht der Auftaktprüfungen schien es ratsam, ein Worst-Case-Szenario zu durchdenken und gewappnet zu sein, wenn es überhaupt nicht laufen sollte wie erhofft. „Ruhe bewahren und weiterarbeiten“, lautete dabei sein wichtigster Leitspruch im ausgearbeiteten Plan, auf den es dann, so Marco Sturm, besonders angekommen wäre. Für Franz Reindl, den Verbandspräsidenten, hielt das erste Wochenende bei der Heim-WM aus deutscher Sicht nicht weniger als ein „Giganten-Programm“ parat.

          Nun, da es zum Teil erfolgreich und ansehnlich absolviert wurde, ist noch nicht absehbar, wie sich das Turnier für die Mannschaft konkret entwickelt. Aber zumindest eines lässt sich nach dem 2:1 (1:0, 0:0, 1:1) gegen die Vereinigten Staaten und dem 2:7 (1:1, 1:3, 0:3) gegen Schweden festhalten: Das Krisenkonzept kann vorerst in der Schublade bleiben. Und auch der Abstiegskampf sollte für Team und Trainer nicht zum beherrschenden Thema werden – wenn sie nun, nach dem Dämpfer vom Samstag, nicht die Ordnung verlieren und in Hektik ausbrechen, wie Sturm bekräftigte: „Wir denken weiter positiv.“

          Dass der Fehlschlag gegen die Skandinavier die Stimmung abschwächte, räumte der 38-Jährige aber ein. Doch wie er zuvor „nicht euphorisch“ werden wollte, sah er danach keinen Grund, „jetzt alles kritisch zu sehen“. Er erinnerte an seine Vorhersage, dass es in der Vorrunde darauf ankomme, sich „nicht nervös machen“ zu lassen – ganz „unabhängig von Sieg oder Niederlage“. Nur so könne man Ziele erreichen, die für gewöhnlich nicht mit der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) assoziiert würden.

          Die Mienen der deutschen Spieler sprechen für sich: gegen Schweden gab es eine deftige Schlappe
          Die Mienen der deutschen Spieler sprechen für sich: gegen Schweden gab es eine deftige Schlappe : Bild: dpa

          Gegen die Schweden hatten Sturms Spieler, wie zuvor gegen die Amerikaner, zunächst vieles richtig gemacht. Sie verteidigten konsequent, schalteten nach Scheibengewinn schnell um und nutzten ihre Chancen konsequent. Patrick Hager und Philip Gogulla trafen zum 2:2; das genügte jedoch nicht an diesem Abend, als der mit 15 NHL-Profis bestückte Konkurrent den Takt erhöhte, den Außenseiter so zunehmend in die Defensive zwang und kleinste Unachtsamkeiten ausnutzte. „Wir dürfen nicht vergessen, das sind Nationen auf einem anderen Level“, sagte der Bundestrainer.

          „Es war nicht seine Schuld“

          „Sehr enttäuscht“, wie die eigene Verteidigung von der 36. Minute an die Schweden gewähren ließ, war er dennoch, „das müssen und können wir besser lösen“. Nach weiteren Gegentreffern von Omark (36.), Brodin (40.), Landeskog (49.) und Nylander (51., 52.) nahm Sturm Keeper Thomas Greiss vom Eis, der 24 Stunden zuvor noch lächelnd im Fokus gestanden hatte. 42 Schüsse wehrte er gegen das „Team USA“ ab, wurde zum gefeierten Matchwinner, und wiederholter Szenenapplaus für ihn drückte die Begeisterung der Fans aus. Als Greiss gegen Schweden ausgewechselt wurde, erhielt er ebenfalls Beifall – der Trost spenden sollte. „Es war nicht seine Schuld“, meinte Sturm, der Versäumnisse bei den Mitspielern sah. Insbesondere bei den Toren unmittelbar vor der zweiten Pause zum 2:4 habe die Abwehr „geschlafen“.

          Erst gefeierter Mann, dann chancenloser Schlussmann: Deutschlands Torwart Greiss
          Erst gefeierter Mann, dann chancenloser Schlussmann: Deutschlands Torwart Greiss : Bild: dpa

          Um nach der Doppelbelastung den Energiespeicher aufladen zu können, verzichtete Sturm am Sonntag auf Training und räumte den Profis Freistunden ein, die sie nach Belieben nutzen durften. Für Dennis Seidenberg war klar, was er machen wollte: „Spazieren gehen, schlafen, gut essen.“ Keiner aus dem Team schuftete gegen die Schweden so hart wie der 35-Jährige, der sich den Angreifern immer wieder in den Weg stellte, die jüngeren Mitstreiter kommandierte und fast 24 Minuten auf dem Feld stand. Hinterher tropfte ihm Schweiß von der Glatze, und die Enttäuschung stand ihm ins bärtige Gesicht geschrieben. „Unerfahrenheit“ und „fehlende Kraft“ waren für den Routinier ausschlaggebend für die mangelnde Konstanz im eigenen Spiel: „So haben wir den Schweden geholfen, Tore zu schießen.“

          Nun wartet das Duell mit Russland

          Wer jetzt aber generelle Zweifel an der Qualität der eigenen Mannschaft äußere, so Seidenberg, urteile voreilig. „Wir waren aggressiv und haben gezeigt, dass wir da sind. Danach waren es Flüchtigkeitsfehler, und die kann man am leichtesten abstellen“, betonte er. „Wir haben drei Punkte nach zwei Spielen gegen sehr, sehr gute Gegner. Das ist okay“, stellte er sich und den Kollegen ein befriedigendes Zwischenzeugnis aus.

          Dass es auf die Schnelle besser wird und in der Gruppe A schon an diesem Montag wieder aufwärts geht, scheint eher unwahrscheinlich. Denn nun wartet das Duell mit Russland, dem 27-maligen Titelträger (16.15 Uhr). Eine knifflige Aufgabe, bei der allerdings zum ersten Mal Kapitän Christian Ehrhoff dabei sein wird. Der 34 Jahre alte Verteidiger der Kölner Haie meldete sich rechtzeitig vor dem dritten Vorrundenspiel am Nachmittag gegen den Rekordweltmeister fit. Das teilte der Deutsche Eishockey-Bund rund zwei Stunden vor dem Spiel mit.

          Ehrhoff hatte die ersten beiden Partien wegen einer nicht näher definierten „Oberkörperverletzung“ verletzt verpasst. „Christian vermisst man immer. Jede Sekunde im Spiel wünscht man ihn herbei. Seine Erfahrung könnten wir gut gebrauchen“, sagte Seidenberg vor der Begegnung mit der Sbornaja, die am Sonntag Italien 10:1 (2:0, 3:1, 5:0) abfertigte.

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