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Deutsches Eishockeyteam : Sturm vor der Meisterprüfung

Sturm reagiert auf Rückschläge genauso, wie er es während seiner Karriere als Profi tat: Ärgerliche Resultate stacheln ihn an. Bild: dpa

Marco Sturm zeigt, dass er die Rolle des Cheftrainers mit Format ausfüllen kann. Bei der Heim-WM bleibt für das deutsche Team allerdings eine Chance bestehen, die so schnell nicht wieder kommt.

          Bislang war es eine Erfolgsgeschichte: die Tribünen voll, die Atmosphäre ausgelassen, der sportliche Wettbewerb abwechslungsreich. Die Eishockey-WM in Köln hielt in den Tagen der Vorrunde, was sich die Organisatoren versprochen hatten. Auch das Team des Gastgebers ist weiter mit von der Partie, wenn nun die besten acht Nationen die Medaillen unter sich ausmachen. Mit dem mitreißenden Erfolg gegen Lettland haben die Deutschen weitere Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Schlussakt des Turniers geschaffen.

          Der Trend der Auswahl von Bundestrainer Sturm zeigt aus ihrem Blickwinkel in die richtige Richtung: Sie begann stark, ließ danach zu wünschen übrig, stabilisierte sich und legte zu, als es darauf ankam. Noch rief das deutsche Team das Potential, das es bei anderer Gelegenheit auszeichnete, zum Beispiel der Olympia-Qualifikation 2016, nicht ab. Doch auch die schwere Verletzung Rieders, die Sperre Hagers oder die Aufregung um die fragwürdigen Online-Aktivitäten von Torhüter Greiss warfen sie nicht aus der Bahn.

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          An unerwarteten Problemen hat es Trainer-Novize Sturm, der bei der Veranstaltung seine Meisterprüfung ablegen kann, nicht gemangelt. Dass sie gemeinsam überwunden wurden, liegt an der eingeflogenen Hilfe aus Nordamerika und auch seiner geschickten Teamführung. Die Mannschaft, die ohne Draisaitls Zutun und aufgrund vieler notgedrungener Umstellungen zuvor keinen gefestigten Eindruck hinterließ, warf gemeinsam mit ihrem Ausnahmekönner einen Kampfgeist in die Waagschale, dem zuletzt Italiener und Letten nicht gewachsen waren.

          So bleibt für den Deutschen Eishockey-Bund eine Chance bestehen, die so schnell nicht wieder kommt. Bei den Winterspielen in Südkorea, dem kommenden wichtigen Projekt, muss der Bundestrainer wohl ohne die Unterstützung der NHL-Legionäre auskommen – wodurch sich die Gefahr erhöht, dass es nicht nach Wunsch läuft.

          Sturm über das Frühjahr 2018 zu binden muss unabhängig von den nächsten Ergebnissen das Ziel sein, wenn Eishockey langfristig aus seiner Nische im langen Schatten des Fußballs etwas herauskommen möchte. Der Trainer besitzt richtige Konzepte und gute Kontakte, wenn es darum geht, perspektivisch Fortschritte zu erzielen und nicht immer wieder aufs Neue von der Tagesform oder den Fügungen des Spielplans abhängig zu sein. Sturm zeigt bei der WM, dass er die Rolle des Cheftrainers, in die er erst hineinwachsen musste, mit Format ausfüllen kann.

          Er reagierte auf Rückschläge genauso, wie er es während seiner Karriere als Profi tat: Ärgerliche Resultate stacheln ihn an, um es bei nächster Gelegenheit mit zusätzlichem Einsatz besser zu machen. Seine Zielstrebigkeit zeichnet ihn besonders aus und unterscheidet ihn von seinen beiden Vorgängern. Das glücklose Duo Kölliker und Cortina hat stets mehr versprochen, als es halten konnte. Bei Sturm ist es genau umgekehrt. Ein kleiner, aber feiner Unterschied – und für das deutsche Eishockey von ganz entscheidender Bedeutung.

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