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Leon Draisaitl : Die deutsche Hoffnung hat einen Namen

Mit Leon Draisaitl soll es für die deutsche Mannschaft besser laufen. Bild: dpa

Das deutsche Eishockeyteam kommt bei der WM im eigenen Land nur schwer in Schwung. Jetzt stößt aber ein Spieler zum Team, mit dem es besser werden soll.

          Bei ihren Erklärungsversuchen zeigte die gesamte Mannschaft eine Zielstrebigkeit, die ihr zuvor auf dem Spielfeld und nicht zum ersten Mal bei dieser Weltmeisterschaft noch fehlte. Mit der Suche nach Ausreden, das einte alle Beteiligten, wollte sich keiner beschäftigen. Stattdessen wurden Fehler, die nach wie vor zuhauf passieren, klar benannt – aber die positiven Dinge, von denen in der wechselhaften Begegnung mit der Slowakei nach einer halben Stunde immer mehr zu sehen waren, in den Mittelpunkt der Momentaufnahme gerückt.

          Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft muss sich mächtig steigern, will sie auch zum Ende der zweiten Woche der Weltmeisterschaften noch mit von der Partie sein. Beim 3:2 nach Penaltyschießen gegen die Slowaken wurde ein weiterer Rückschlag in der Vorrunde spät, aber rechtzeitig abgewendet, und die damit gewonnenen Punkte können in dem sich zuspitzenden Wettstreit um die ersten vier Plätze, die ein Weiterkommen garantieren, von großer Bedeutung sein.

          Der Auftritt am Mittwoch sei „nicht unser bestes Spiel“ gewesen, räumte Bundestrainer Sturmein. Dominik Kahun, der in der Overtime mit seinem verwandelten Penalty für den zweiten Sieg in diesem Turnier sorgte, sagte: „Wir haben es ein bisschen kompliziert gemacht“, während Yasin Ehliz, der neben seinem Nürnberger Klubkollegen Patrick Reimer zu den beiden Torschützen während der regulären sechzig Minuten zählte, das Geschehen in drei Sätzen kurz und bündig und treffend zusammenfasste: „Gut war es von uns zuerst nicht. Aber wir haben uns gesteigert. Und am Schluss war es ein Krimi.“

          Auch der Bundestrainer erkannte die Seinen, die schon wieder zwei sehr unterschiedliche Gesichter zeigten, bisweilen nicht wieder. Zum einen kamen sie zunächst mit der Anspannung, sich keinen Ausrutscher leisten zu dürfen, gar nicht klar, „da waren wir viel zu nervös“, wie Sturm die Passfehler und Puckverluste zusammenfasste. Gleichzeitig beeindruckten ihn später aber auch „der Kampfgeist“ und der erkennbare Wille, sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zu ziehen, in dem sie zu Beginn des zweiten Drittels noch steckten.

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          Tomas Matousek (9. Minute) und Libor Hudacek (22.) hatten für das zwischenzeitliche 0:2 gesorgt – und wenig deutete darauf hin, dass die Deutschen an diesem Abend noch Grund zum Jubeln bekommen würden. Doch Sturm trug maßgeblich dazu bei, dass sich die Kräfteverhältnisse dann doch verschoben. Nach zehn Minuten, unmittelbar nach dem kuriosen ersten Gegentor, bei dem Stamm-Keeper Thomas Greiss die Scheibe durch die Schoner gerutscht war, wechselte er den Goalie aus und brachte Ersatzmann Danny aus den Birken; dem zwar auch gleich ein Patzer unterlief, als er sich aus spitzem Winkel überlisten ließ, sich anschließend aber schnell zurechtfand und als der erhoffte Rückhalt auftrat, der Greiss zuletzt nicht mehr durchgängig war; er kassierte gegen die Schweden und Russen 13 Treffer. Sturm begründete den Rollentausch damit, dass Greiss „leicht angeschlagen“ sei und „ein bisschen über Schmerzen“ geklagt habe. Behandeln ließ er sich in der Folge aber nicht. „Ich kann dazu nichts sagen“, sagte er nach der Schlusssirene.

          Für aus den Birken kam die Beförderung jedenfalls ziemlich spontan, wie er nach dem Kaltstart erkennen ließ. Er war auf seinen Einsatz (gedanklich) nicht vorbereitet, und deswegen „war es für ihn am Anfang sehr schwer“. Wer an diesem Freitag gegen Dänemark (20.15 Uhr / Live bei Sport1), das am Donnerstag Russland 0:3 unterlag, zwischen den Pfosten stehen wird, möchte Sturm erst am Nachmittag nach letzten Eindrücken im Abschlusstraining und Gesprächen mit seinen beiden Schlussleuten entscheiden.

          Mit den Edmonton Oilers schied er in den Playoffs aus.
          Mit den Edmonton Oilers schied er in den Playoffs aus. : Bild: dpa

          Weiteren Elan verspricht er sich vom Wochenende an ausgerechnet von einem noch enttäuschten Profi, der gerade Tausende Kilometer entfernt das bislang frustrierendste Scheitern seiner jungen Karriere verkraften muss – und nichtsdestotrotz ankündigte, dem Nationalteam unter die Arme zu greifen: Leon Draisaitl. Der 21-Jährige schied in der Nacht zum Donnerstag mit Edmonton im Kampf um den Stanley Cup in Anaheim aus. Seine offensiven Qualitäten dürften Sturms Auswahl zusätzliche Schlagfertigkeit verleihen. Draisaitls war es, der sich am Morgen direkt am Handy beim Bundestrainer meldete. „Er wird kommen, das ist das Wichtigste“, berichtete der 38-Jährige, „Leon ist ein Kölner, die WM in seiner Stadt bedeutet ihm viel. Schön, dass es so schnell geklappt hat.“ Am Samstagmorgen wird Draisaitl in Deutschland erwartet.

          Geklärt werden mussten vorab noch Versicherungsfragen. Sein Vertrag bei den Oilers läuft aus, der neue ist noch nicht unterschrieben. Zuletzt verdiente er 832.000 Dollar pro Saison, nach seinem persönlichen Aufstieg soll er künftig mit bis zu 6,5 Millionen Dollar per anno entlohnt werden. Am Gehalt bemisst sich die Prämie, mit der sein WM-Einsatz gegen gesundheitliche Risiken abgesichert wird. Mit den Detailfragen musste sich der Verbandschef persönlich beschäftigten: „Das macht der Franz (Reindl, d. Red.)“, sagte Sturm, er selbst kümmere sich, wenn personelle Fakten geschaffen sind, um Auf- und Einstellung der Mannschaft. Da bleibt genug zu tun. Draisaitl ließ am Abend in Übersee wissen, dass er sich darauf freue, „das Team in meiner Heimat unterstützen zu können“. Da ist er gewiss nicht der einzige.

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