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Heim-Weltmeisterschaft : Schweden zeigt dem Favoritenschreck die Grenzen

Torhüter Thomas Greiss wurde nach dem siebten Gegentreffer ausgewechselt. Bild: dpa

24 Stunden nach dem phänomenalen WM-Start erlebt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft einen bitteren Abend. Dabei hatte die DEB-Auswahl gegen Titelanwärter Schweden lange mitgehalten.

          Zwei Tage sind die 81. Eishockey-Weltmeisterschaften erst im Gange. Doch die deutsche Mannschaft hat schon eine Rolle gefunden, die passen könnte. Sie spielt den Favoritenschreck – und das phasenweise mit einem Enthusiasmus, der sie hoffnungsfroh stimmen müsste: zumindest mit dem Kampf gegen den Abstieg sollte sie in dieser Verfassung in den nächsten beiden Wochen nichts zu tun bekommen. Auch gegen Schweden hielt das Team von Bundestrainer Marco Sturm am Samstag lange mit, stand beim 2:7 (1:1, 1:3, 0:3) gegen Ende aber auf verlorenem Posten.

          24 Stunden nach dem spektakulären Auftakterfolg gegen die Vereinigten Staaten (2:1) fehlte es den Spielern über die komplette Spieldauer an Energie, um für die nächste Überraschung in der Gruppe A zu sorgen. Thomas Greiss, ihr Torwart, der am Freitag noch von den Zuschauern für seine entscheidenden Paraden gefeiert worden war, räumte diesmal nach 51 Minuten entnervt seinen Posten und machte Ersatzmann Danny aus den Birken Platz.

          Wieder nicht in Bestbesetzung

          Gebremst haben dürfte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) an diesem Abend das Manko, dass sie wiederum nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte auflaufen konnte. Christian Ehrhoff, ihr Kapitän, musste ein weiteres Mal passen und konnte wegen einer „Oberkörperverletzung“, wie der Verband seine Blessur weiterhin bezeichnete, nicht mitmachen. Es ist offen, ob er an diesem Montag, wenn es zum Duell mit Russland kommt (16.15 Uhr/Live auf Sport1), wieder einsatzfähig ist.

          Im ersten Drittel gegen die Skandinavier setzte sich noch fort, was auch gegen die Amerikaner auffiel: Es war abermals Greiss, der seinen Vorderleuten den Rücken frei hielt. Der Schlussmann parierte bis zur 20. Minute nicht weniger als 22 Schüsse; nur einmal konnte er die Scheibe nicht abwehren, als Oliver Ekman-Larsson Maß nahm und sein Schuss unhaltbar abgefälscht wurde (7. Minute).

          Der Rückstand wirkte sich zunächst nicht negativ auf den Behauptungswillen der Deutschen aus, die in den Zweikämpfen noch mit einer Intensität zu Werke gingen, die dem Weltranglisten-Fünften nicht behagte, immer wieder zu Diskussionen führte und Handgemenge auslöste. Patrick Hager von den Kölner Haien, der schon im Eröffnungsmatch getroffen hatte, erzielte mit einem Schlenzer den Ausgleich (17.), doch wegen übertriebener Härte lagen er und die DEB-Crew rasch wieder hinten: Sein Vereinskollege Moritz Müller saß wegen eines Fouls auf der Strafbank, und mit einem Mann mehr erhöhte Viktor Rask auf 2:1 für die „Tre Kronor“ (21.).

          Aber auch das deutsche Powerplay funktionierte anfangs: Philip Gogulla, ebenfalls ein Haie-Profi, legte mit seinem Treffer zum 2:2 nach (26.). Damit nicht genug im abwechslungsreichen Mittelabschnitt: Schweden traf in Person von Linus Omark – nach einem Fehler von Verteidiger Denis Reul – zum dritten Mal (36.), ehe Jonas Brodin auf 4:2 erhöhte (40.). Diesen Vorsprung ließen sie sich vor 18.600 Zuschauern in der verbleibenden Zeit nicht mehr nehmen, legten stattdessen durch Gabriel Landeskog (49.) und William Nylander (51. sowie 52.) nach – und verteidigten damit zugleich ihre eindrucksvolle Erfolgsserie gegen die Deutschen, die in WM-Duellen mit den Schweden seit einem Vierteljahrhundert auf einen Sieg warten.

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          Schweiz und Slowakei im Glück – Panne bei Hymne

          Die Slowakei hat sich bei der Eishockey-WM in Köln und Paris in der deutschen Vorrundengruppe zu einem Auftaktsieg gezittert. Der Weltmeister von 2002 rang Abstiegskandidat Italien am Samstag in Köln mit 3:2 (1:0, 0:1, 1:1) nach Verlängerung nieder. Erst 64 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit rettete Libor Hudacek die Slowaken in die Verlängerung, Peter Ceresnak entschied vor 12.229 Zuschauern in der Overtime die Partie. Anschließend kam es zu einem peinlichen Fauxpas. Weil die falsche Nationalhymne erklang, begannen slowakische Zuschauer zu pfeifen. Die Spieler schauten verwundert, ehe das Abspielen der Hymne unterbrochen wurde. „Es ist wegen technischer Probleme nicht möglich, die Hymne zu spielen. Wir bitten um Ihr Verständnis“, sagte der Hallensprecher. Nach den Partien der Eishockey-Weltmeisterschaft wird stets die Hymne des Siegers eingespielt.

          Ebenfalls in der Gruppe A startete Lettland mit einem 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) gegen Dänemark. Die Letten machten vor 13.453 Zuschauern den Sieg im Schlussdrittel in Überzahl perfekt. Miks Indrasis von Dinamo Riga schoss zwei Tore. Die Balten sind am 16. Mai letzter Vorrundengegner Deutschlands.

          In Paris verspielte die Schweiz gegen Aufsteiger Slowenien noch eine 4:0-Führung, gewann aber nach Penaltyschießen noch mit 5:4 (4:0, 0:1, 0:3, 0:0). Mit vier Toren im ersten Drittel sahen die Eidgenossen schon wie der klare Sieger aus. Doch der Außenseiter kämpfte sich noch einmal zurück und glich mit zwei Überzahltreffern binnen 80 Sekunden fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit noch aus. In der Verlängerung fiel kein Tor, den entscheidenden Penalty verwandelte Damien Brunner und sicherte der Schweiz damit zumindest noch zwei Punkte. Auch Tschechien holte den ersten Sieg. Einen Tag nach dem 1:4 gegen Titelverteidiger Kanada siegten die Tschechen deutlich mit 6:1 (2:0, 1:1, 3:0) gegen Weißrussland.

          Am Abend erlebte Gastgeber Frankreich einen Dämpfer. In ihrem ersten Turnierspiel unterlagen die Franzosen dem Team aus Norwegen 2:3. (dpa/srec.)

          Quelle: FAZ.NET

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