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Eishockey-WM : Die nächste Lehrstunde für Deutschland

Chancenlos: Das deutsche Eishockey-Team zeigt gegen Russland vor allem zu Beginn eine desolate Leistung. Bild: EPA

Das deutsche Eishockey-Nationalteam gerät bei der Heim-WM unter Druck: Nach der Pleite gegen Schweden zeigt die DEB-Auswahl auch gegen Russland eine schwache Leistung. Neben der 3:6-Niederlage schmerzt aber auch noch etwas anderes.

          Ein richtiges Heimspiel war das nicht. Auch die dritte Partie der Deutschen bei den Eishockey-Weltmeisterschaften fand vor ausverkauften Rängen in der Kölner Arena statt. Doch mindestens genauso viele Sympathien wie dem Team der Gastgeber gehörten unter den 18.600 Zuschauern diesmal dem Gegner, der erwartungsgemäß die Oberhand behielt. 6:3 (3:0, 2:0, 1:3) lautete das Ergebnis zugunsten der russischen Auswahl, sehr zur Freude ihrer sangesfreudigen Anhänger, von denen etliche in alten Uniformen der Roten Armee erschienen waren, um am 8. Mai an den Tag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg zu erinnern.

          Für den Titelfavoriten war es der dritte Sieg im dritten Auftritt, während die Deutschen wiederum eine Lehrstunde erhielten; für sie war es die zweite Niederlage in Folge. Doch die Möglichkeit, das Turnierziel zu erreichen und sich in den verbleibenden vier Auftritten noch für das Viertelfinale zu qualifizieren, ist weiter vorhanden, ihre kommenden Gegner werden als weniger stark eingeschätzt.

          Erstmals mit Ehrhoff

          Die Deutschen konnten am späten Montagnachmittag erstmals auf Christian Ehrhoff zurückgreifen: Der Kapitän meldete sich zwei Stunden vor dem Eröffnungs-Bully kurzfristig doch fit, nachdem ihn in den vergangenen Tagen eine Rückenverletzung, wie Bundestrainer Marco Sturm am Vormittag beiläufig erwähnte, gegen die Amerikaner (2:1) und Schweden (2:7) außer Gefecht gesetzt hatte. Der 34 Jahre alte Verteidiger der Kölner Haie stand noch keine Sekunde auf dem Eis, da lagen die Deutschen in der zweiten Minute auch schon 0:1 zurück.

          Macht auf dem Eis: Russisches Eishockey
          Macht auf dem Eis: Russisches Eishockey : Bild: dpa

          Jewgeni Dadonow behauptete hinter dem Tor die Scheibe, zwei Defensivspieler stürmten auf ihn zu und ließen Wadim Schipatschow aus den Augen, bei dem der Puck ankam; der künftige NHL-Profi der Vegas Golden Knights schob unhaltbar aus kurzer Distanz ein. Danach war es ausgerechnet Haie-Angreifer Patrick Hager, bis dahin bester Turnier-Torschütze in Sturms Crew, der das Team merklich schwächte. Beim Versuch, sich gegen Sergei Mosjakin durchzusetzen, übertrieb er es mit seiner Aggressivität und brachte den russischen Kapitän von hinten zu Fall; dieser stürzte aufs Eis, verletzte sich am Kopf und wurde von Betreuern in die Kabine geführt. Für Hager war nach der Aktion, die die Referees nach kurzer Beratung ahndeten, das Tagwerk vorzeitig beendet. Der 28-Jährige wird wegen seiner Matchstrafe (mindestens) noch ein Spiel gesperrt zuschauen müssen.

          Im anschließenden Powerplay erhöhten die Russen, die auf den Ausfall ihres Kollegen fortan mit harten körperlichen Attacken reagierten und dabei Tobias Rieder so zusetzten, dass er angeschlagen raus musste, abermals durch Schipatschow (18.) sowie Sergei Plotnikow (19.) auf 3:0. Als nach einer Rauferei der Nürnberger Yasin Ehliz auf die Sünderbank musste, legte die Sbornaja im Powerplay nach: Nikita Gussew traf zum 4:0 (32.). Auf das Konto von Nikita Kutscherow ging der fünfte Streich (36.). Der Rest war dann vor allem ein Schaulaufen des 27-maligen Weltmeisters, der das halbe Dutzend durch Kutscherow voll machte (52.) und ansonsten nur noch das Nötigste tat – und so den Verlierern die Gelegenheit einräumte, dass diese wenig erbauliche Darbietung für sie dank der Treffer von Brooks Macek (46.), Philip Gogulla (49.) und Frederik Tiffels (60.) nicht in einem Desaster endete.

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