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Grubauer bei Eishockey-WM : Hellwach trotz Jetlag

Beim Endspiel gegen Lettland setzt das deutsche Eishockey-Team auf Torwart Grubauer. Bild: dpa

Gerade noch in der NHL aktiv, nun bei der Eishockey-WM sofort im Blickpunkt: Das deutsche Team baut im entscheidenden Spiel gegen Lettland auf Torwart Grubauer.

          Es klingt so einfach: „die Müdigkeit rauslaufen“. Philipp Grubauer sagt, das sei möglich. Er spreche dabei aus Erfahrung. Den Kreislauf in Schwung bringen, den Puls in die Höhe treiben, ordentlich ins Schwitzen geraten – so bekämpft der 25-Jährige die Nachwirkungen der Zeitverschiebung, auf die sich sein Körper immer wieder erst einstellen muss, wenn er in die Heimat zurückkehrt. Während die Kollegen sich im Energiesparmodus auf das „Endspiel“ vorbereiteten, wie sie es unisono nannten, schnürte der Torhüter die Schlittschuhe, schlüpfte in seine Montur und absolvierte zusammen mit Ko-Trainer Tobias Abstreiter eine zusätzliche Übungseinheit, um sich so trotz Jetlags schnell akklimatisieren zu können.

          Grubauer stieß erst am Samstagmittag, aus den Vereinigten Staaten kommend, zum deutschen Eishockey-Nationalteam. Schon an diesem Dienstag kommt es in Köln auch darauf an, dass gerade er einen aufgeweckten Eindruck macht, damit für das Team, bei dessen Defensivaktionen manche Akteure bisweilen einen eher verträumten Eindruck hinterließen, die Weltmeisterschaften nicht vorzeitig – und damit unbefriedigend zu Ende geht.

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          Ein Sieg gegen Lettland – die Letten verloren am Montagabend gegen Russland 0:5 – in der abschließenden Partie der Vorrundengruppe A ist unerlässlich (20.15 Uhr/ Live bei Sport1), wenn es mit der angestrebten Qualifikation fürs Viertelfinale etwas werden soll. Grubauer spricht von einer „schwierigen, aber machbaren“ Konstellation, und ihn freut es, dass sich ihm die Chance auf einen versöhnlichen Saisonabschluss bietet. Es ist gerade fünf Tage her, da endete der Liga-Alltag für ihn mit einer Enttäuschung.

          Mit den Washington Capitals, seinem (Noch-)Arbeitgeber, schied er gegen die Pittsburgh Penguins in den Play-offs der National Hockey League (NHL) aus. Nur wenige Stunden später verständigte sich der gebürtige Rosenheimer bereits mit Marco Sturm am Telefon, dass er den nächstbesten Flieger nehmen und nach Deutschland kommen wird, um den Wunsch des Bundestrainers nach Unterstützung zu erfüllen.

          Bislang zählte das Abwehrverhalten nicht zu den Stärken des Weltranglistenzehnten, der sein Bemühen, dichter an die Top-Nationen heranzurücken, vor eigenem Publikum gerne fortsetzen würde; im vergangenen September, als im Nachsitzen die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2018 geschafft wurde, gelang der bis dahin wichtigste Erfolg in Sturms Dienstzeit – im Endspiel gegen Lettland in Riga. Er resultierte seinerzeit unter anderem aus konsequenter Verteidigungsbereitschaft. Davon war bei den ersten sechs Auftritten der Deutschen bei der Heim-WM nur phasenweise etwas zu sehen. Zwanzig Gegentreffer sind deutlich zu viel nach Sturms Geschmack, der eigentlich als bekennender Freund ausgeprägten Sicherheitsdenkens gilt.

          Weder Thomas Greiss, der nach den Niederlagen gegen Schweden (2:7) sowie Russland (3:6) und einem Patzer gegen die Slowakei angeschlagen seinen Posten räumte, noch Ersatzmann Danny aus den Birken erfüllten bislang sportlich die hohen Erwartungen. Greiss, aktuell nach Angaben Sturms verletzt, schwächte seine Position zudem durch fragwürdiges Verhalten in sozialen Netzwerken, für das er sich zu Wochenbeginn entschuldigte. Er sprach in einer Mitteilung, die von seinem Klub, den New York Islanders, veröffentlicht wurde, von „einem Fehler“.

          Super Stimmung in der Truppe

          Aus den Birken, der öffentlich als nicht sonderlich kritikfähig auffiel, reagierte auf seine selten souverän wirkenden Darbietungen mit erstaunlicher Selbstironie: „Es war eine super Mannschaftsleistung“, richtete der Schlussmann des Meisters EHC München nach dem 4:1 gegen Italien das Wort an die Mitspieler, „ihr habt im ersten Drittel nur zwei Schüsse aufs Tor zugelassen, einen hab’ ich sogar gehalten.“

          Grubauer fand den Ausspruch bemerkenswert: „Das war der Brüller, die ganze Kabine hat geschrien vor Lachen“, sagte er und wertete die Szene als Indiz für eine „super Stimmung“ in der Truppe. Um seinen Beitrag leisten zu können, dass ihnen allen der Spaß an der Sache so schnell nicht vergeht, wird es auch darauf ankommen, wie ihm die Umstellung auf die im Vergleich zur NHL rund vier Meter breitere Spielfläche gelingt; sie räumt den Stürmern mehr Platz und Möglichkeiten ein, ihn auch aus „größeren Winkeln“ unter Beschuss zu nehmen, wie er es beschrieb. Ein Balanceakt.

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          Grubauer spielt und lebt in Übersee, seit er 2008 als Siebzehnjähriger den Schritt ins gelobte Eishockey-Land wagte. Über die Belleville Bulls in der kanadischen Juniorenliga stieß er zwei Spielzeiten später zu den Capitals. Bei einer der ersten Adressen in der NHL bekam er seitdem immer wieder die Gelegenheit, sein Talent zu beweisen, aber nie das dauerhafte Vertrauen als Stamm-Goalie. Sein Kollege Braden Holtby war und ist gesetzt – und wird es auf absehbare Sicht wohl auch bleiben. Grubauer trägt sich inzwischen mit Abschiedsgedanken, um seinen Ehrgeiz zu stillen. Er möchte bei einem Top-Klub als Nummer eins ins Rampenlicht rücken.

          Im nächsten Monat, wenn mit den Vegas Golden Knights ein weiteres NHL-Franchiseunternehmen seinen Betrieb aufnimmt, könnte sich die Gelegenheit bieten: „Die Spekulationen sind groß“, sagte der Bayer, der bei dem neuen Team alte Mitstreiter kennt wie Direktor Dave Prior, der sich ehedem als Torwarttrainer in Washington schon für ihn stark machte. „Ich würde gerne öfter spielen und zeigen, was ich kann“, sagte Grubauer in Köln. Die Fans in Deutschland würden ihn dann wohl noch seltener im Nationaltrikot zu Gesicht bekämen. Es könnte sich daher lohnen, gleich gegen Lettland bei ihm genauer hinzusehen.

          Quelle: F.A.Z.

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