Es ist ein couragirter Beschluss. Einen Tag vor dem Länderspiel in Österreich an diesem Dienstag ist er also doch noch präsentiert worden, der neue Eishockey-Bundestrainer, unter dem manches anders und vieles besser werden soll als unter Vorgänger Jakob Kölliker. So viel Gelassenheit, die eher Ratlosigkeit spiegelte, muss man sich in sportlich kritischen Zeiten erst einmal leisten können.
Auf die Idee, dass Pat Cortina künftig die Nationalmannschaft betreuen wird, wäre vor kurzem kaum jemand gekommen. Nicht einmal der nun Auserwählte selbst. Der Überraschungseffekt alleine wird jedoch nicht genügen, bessere Ergebnisse zu erzielen.
Vieles war gut gemeint, aber nicht gut gemacht
Die Entscheidung und ihr Zustandekommen, das sich über Monate quälend hinzog, ehe die Übereinkunft unter Termindruck reichlich beschönigend als Wunschkonstellation verkauft wurde, spricht abermals für die Risikobereitschaft, mit dem der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) unter der Regie von Präsident Uwe Harnos wichtige Personalfragen vorantreibt.
Dass dabei vieles in der Vergangenheit gut gemeint war, aber eben nicht gut gemacht, begründet die Skepsis, die der in seinem Handeln und Argumentieren oft sprunghafte Rechtsanwalt aus Kaufbeuren spätestens seit dem Alleingang mit Kölliker, der zum Fiasko führte, erfährt. Das Nationalteam, lange das Aushängeschild der Sportart, verwandelte sich in den vergangenen Monaten ohne kompetente Führung zu einem Sorgenkind. Dem DEB gelang es nicht, vom sensationellen Abschneiden bei der Heim-WM, das sportlichen Glanz und finanziellen Gewinn brachte, zu profitieren.
Viele Baustellen offen
Die voreilige Ablehnung von Trainern, die die Aufgabe längerfristig in Doppelfunktion hätten absolvieren können, und das letztlich glücklose Festlegen auf den Wunschkandidaten Ralph Krueger waren taktische Fehler, die Harnos zu verantworten hat und die den Verlust des populären und fachkundigen Duos Uwe Krupp/Harold Kreis bedeuteten; seit ihrem Abgang und der von Harnos vorangetriebenen Degradierung des Sportdirektors Franz Reindl häuften sich die Probleme, die eigentlich zu groß sind, als dass sie von einem neuen Mann alleine bewältigt werden können.
Das Olympia-Ticket für Sotschi ist noch nicht gelöst, der Schatzmeister des Verbandes mitten in der Planung einer WM-Bewerbung für 2017 aus Frust über die Rahmenbedingungen zurückgetreten - Cortina, der weiß, dass er nicht erste Wahl war, begibt sich in ein Umfeld, in dem er an vielen Stellen sein beim EHC München gepriesenes Talent als Moderator und Ideengeber beweisen muss. Der DEB braucht Erfolgsmeldungen. Sein Präsident erst recht.