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Eishockey-Finale : Kölner Haie vor überraschendem Titelgewinn

  • -Aktualisiert am

Vierte Runde im Finalduell zwischen Köln und Mannheim Bild: dpa

Die Kölner Haie gehen als Favorit in das vierte Playoff-Spiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gegen die Adler Mannheim.

          Die Experten sind still geworden. Prognosen geben sie nur noch hinter vorgehaltener Hand ab. Denn die diesjährigen DEL-Playoffs stellen sogar die logischsten Vorhersagen auf den Kopf. Gerade die Kölner Haie haben einen derartigen Hang zur feinsinnigen Ironie entwickelt, dass sich der Zuschauer bisweilen fragt, ob er verschaukelt wird.

          Plötzlich pannenfreie Penalty-Schießen

          Beispiel gefällig? Im ersten Viertelfinal-Spiel in Krefeld ging die Partie ins Penalty- Schießen. In den vergangenen beiden Jahren eine Disziplin, in der sich der 7-fache Meister stets nach Kräften blamierte. Quasi als Gegenbeweis gewann Köln das Shoot-Out und legte den Grundstein für das Weiterkommen.

          Im Halbfinale gegen München siegten die Kölner in Spiel 3 auswärts und konnten zuhause den Finaleinzug klarmachen. Das wäre allerdings zu einfach gewesen. Die Haie verloren, um die Serie dann im folgenden Auswärtsspiel in München für sich zu entscheiden. Natürlich im Penalty-Schießen.

          Schlüsselerlebnis Unterzahl

          In der Finalserie hat der Vorrundensechste nun ein besonderes Faible für Unterzahl entdeckt. Zunächst einmal wog man den Gegner in Sicherheit und holte sich in Mannheim eine 0:4-Klatsche ab. Im zweiten Spiel erzielte Mirko Lüdemann dann aber den Treffer zum 1:1-Ausgleich, als sein Team einen Mann weniger auf dem Eis hatte.

          Hier kommen die Experten wieder ins Spiel - mit einer möglicherweise sogar zutreffenden Prognose: „Dieses Tor kann die ganze Serie gedreht haben“, meint Eishockey-Denkmal Erich Kühnhackl. „Es hat Köln Selbstvertrauen gegeben und Mannheims Verwundbarkeit gezeigt.“

          Eine Wunde, in der die Haie am vergangenen Dienstag mit größtem Vergnügen weiter herumbohrten: Fünf Minuten vor Schluß, 2:1 Führung für Köln aber zwei plus zwei Strafminuten gegen den Kölner Andre Faust. Im ersten Powerplay gelingt Mannheim das 2:2 und den Siegtreffer im folgenden zweiten Powerplay schießt....natürlich Köln. In Unterzahl. Und um die Sache abzurunden, erzielt der Mann, der den Adlern mit seiner Strafe den vermeintlichen Sieg ermöglichte, das 2:4. André Faust. Der Name passt. Selbige landete in der Magengrube des Meisters.

          Adler geben Favoritenrolle ab

          Der hat nun auch ganz brav die Favoritenrolle an seinen heutigen Gastgeber abgegeben. „Sie sind zuhause im Vorteil“, orakelt Adler-Manager Marcus Kuhl, „aber sie haben auch Druck, gewinnen zu müssen, weil sonst alles wieder von vorne beginnt.“ Weil alles anders kommt, als erwartet, traut sich nun niemand mehr, eine Prognose für den Freitagabend zu machen. Jetzt werden Statistiken bemüht. Köln hat noch nie nach 2:1-Führung eine Play-Off Serie verloren. Mannheim noch nie eine gewonnen, wenn es den Rückstand auswärts aufholen musste. Erst dreimal wurde überhaupt erst ein 1:2 im Endspiel gedreht. Und so weiter und so fort.

          Erstaunliche Eigendynamik

          Magere Zeiten für Experten. Sie scheitern an der Eigendynamik, die sich um die Haie entwickelt hat. „Wir gegen den Rest der Welt“, sei die in der Kabine vorherrschende Stimmung, berichtet der bis-Saisonende-Trainer Rich Chernomaz. Gepaart mit der absoluten Lockerheit eine wilde Mischung. Wer die Haie zum aufwärmen aus der Kabine kommen sieht, glaubt sich auf einem Betriebsausflug. Sie trauen sich zu lachen. Und das während des Finales.

          Wahrscheinlich hecken die Haie schon einen neuen Streich aus. Verlieren heute zuhause und werden dann am Sonntag in Mannheim Meister. Nur: Ein Penalty- Schießen wird es dann nicht geben. Wenn der Titel vergeben werden kann, wird bis zum entscheidenden Tor verlängert. Gehen Sie mal davon aus, dass die Haie es in Unterzahl schießen werden. Arme Experten.

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