Die deutschen Eishockey-Lehrlinge lernen im Vergleich mit den Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL schnell und schöpfen vor der olympischen Abschlussprüfung neuen Mut.
„Wir haben die Dollar-Millionäre richtig geärgert und an den Rand der Niederlage gedrängt“, stellte Bundestrainer Hans Zach mit Stolz in der Stimme fest, nachdem sein Team die kanadischen Ausnahmespieler beim 2:3 in der Endrunde von Salt Lake City gehörig ins Schwitzen gebracht hatte: „Jetzt gehen wir erhobenen Hauptes ins Viertelfinale.“
Nach dem bravourösen Kampf gegen den Gold-Aspiranten unter den Augen von „The Great One“ Wayne Gretzky rechneten sich die Zach-Schützlinge plötzlich wieder Chancen aus und spekulierten auf den Gastgeber USA als Gegner. „Die Amerikaner spielen genauso wie die Kanadier, sie sind nur nicht so talentiert“, meinte Jochen Hecht, der als NHL-Profi der Edmonton Oilers die Spieler aus dem Eff-Eff kennt: „Wenn wir so wie im letzten Drittel spielen, haben wir eine Chance.“
Knapp den Ausgleich verpasst
In den letzten 20 Minuten brachten Hecht und Co. die Stars aus dem Eishockey-Mutterland, die zusammen 118,6 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen, in Bedrängnis. „Am Ende war es mir ein bisschen zu spannend“, gab Kanadas Coach Pat Quinn zu. Der Kasseler Andreas Loth (48.) und Hecht (54.) verkürzten nach 0:3-Rückstand auf 2:3, in den Schlusssekunden verpasste Klaus Kathan knapp den Ausgleich.
„Die Deutschen spielen tolles, hartes Eishockey - richtig kanadisch“, lobte Brendan Shanahan von den Detroit Red Wings den unbequemen Gegner und hatte gleich den Grund für den deutschen Aufschwung parat.
„Sie haben einen guten Coach. Ich habe für Hans gespielt. Ich weiß, dass er viel verlangt und von allen das Beste erwartet. Seine Teams sind immer bestens vorbereitet“, lobte der 33-Jährige, der 1994 während des NHL-Arbeitskampfes drei Spiele für die Düsseldorfer EG absolvierte, seinen Ex-Trainer: „Hans sprach fast kein Englisch, ich kein Deutsch, aber wir hatten viel Spaß.“
In Unterzahl in Rückstand geraten
Dass Shanahan so unbeschwert über alte Zeiten plaudern konnte, lag vor allem an einer Spieldauerdisziplinarstrafe gegen den Krefelder Daniel Kunce. Denn als die Deutschen fünf Minuten lang in Unterzahl spielten, erhöhten Paul Kariya (35.) und Adam Foote (48.) nach der Führung durch Joe Sakic (29.) auf 3:0.
„Die Strafe war übertrieben“, meinte NHL-Legionär Marco Sturm und wunderte sich über die „unglückliche Ansetzung“ des kanadischen Schiedsrichters Bill McCreary: „Sowas ärgert einen.“ Zach störte es nicht, dass ein Kanadier ein Kanada-Spiel leitete. „Ich bin froh, wenn solche Schiedsrichter pfeifen. International hatte ich noch nie ein Problem mit ihnen, das ist nur national“, sagte der Bundestrainer, der in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) des öfteren die Referees kritisiert.
Für den Weltverband IIHF stellte Sprecher Hannes Ederer klar: „Wir teilen die Schiedsrichter nicht nach Nationalität, sondern nach Leistung ein. Das ist gang und gäbe.“
Sonderlob für Seliger
Besonderen Respekt in der deutschen Auswahl verdiente sich erneut Torhüter Marc Seliger. „Er hat ein paar tolle Paraden gezeigt und bisher ein hervorragendes Turnier gespielt“, meinte Stanley-Cup-Gewinner Joe Sakic, der den Nürnberger als Erster überwunden hatte.
Zach indes erneuerte mit Blick auf die Weltklassetorhüter der Konkurrenz seine Forderung an die DEL: „Ich sage seit anderthalb Jahren, dass ab 2004 nur noch deutsche Torhüter spielen sollten.
Das würde keinem schaden, wäre aber ungeheuer nützlich für das deutsche Eishockey.“ Bisher habe die DEL nicht auf seine Vorschläge reagiert: „Man sieht, dass sich keiner da oben Gedanken macht.“
In Salt Lake City muss Zach weiter auf die Torhüter setzen, die in der DEL meist nur zweite Wahl sind. Olaf Kölzig von den Washington Capitals wird wegen seines Innenbandanrisses im Knie vermutlich auch für das Viertelfinale nicht rechtzeitig fit.