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Eintracht Frankfurt Nikolovs amerikanischer Traum

 ·  Ende einer Ära: Nach zwei Jahrzehnten bei der Eintracht steht der dienstälteste Bundesligaspieler vor einem Wechsel in die Vereinigten Staaten. Der neue Klub von Torwart Oka Nikolov in der Major Soccer League ist noch offen.

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© Wonge Bergmann Vergrößern Auf dem Sprung: Oka Nikolov zieht es nach Amerika

Eintracht Frankfurt muss sich nach einem neuen Ersatztorwart umschauen. Oka Nikolov, der dem Verein in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten die Treue hielt, steht auf der Schlussgeraden seiner Karriere vor einem Transfer in die Vereinigten Staaten.

Der Neununddreißigjährige informierte aus seinem Urlaub heraus Trainer Armin Veh telefonisch, dass er die spontane Chance sehe, sich sein letztes Ziel als Fußballprofi zu verwirklichen: Einen Wechsel in die Major League Soccer (MLS).

„Große Verdienste“ machen den Weg frei

Mehrere Offerten interessierter Klubs aus Nordamerika liegen demnach seiner in Dortmund ansässigen Beratungsagentur vor, die unter anderem auch Nationalkeeper Manuel Neuer vom FC Bayern betreut. Eine Sprecherin des Unternehmens lehnte auf Anfrage dieser Zeitung eine Stellungnahme dazu ab, um welche Teams es sich handele. Am Dienstagnachmittag teilte Bruno Hübner, der Sportdirektor der Eintracht mit, dass er nach Absprache mit Veh der Absicht des Routiniers nachkommen wird.

Seine Freigabe habe sich Nikolov unter anderem dadurch verdient, so Hübner, dass er sich in der Vergangenheit „große Verdienste um die Eintracht“ erworben habe. Nikolov selbst bezeichnete den Klub in einer schriftlichen Stellungnahme als „mein Ein und Alles“. Er habe bei „diesem phantastischen Verein eine wirklich tolle Zeit gehabt, wofür ich mich bedanken möchte“. Der bislang mit Frau und Kind im Odenwald lebende Familienvater fügte an: „Ein Engagement in Amerika war immer ein großer Traum um meinen Horizont zu erweitern, den ich mir nun erfüllen möchte.“

Debüt am 14. Dezember 1992

Erst im Mai hatte der Publikumsliebling seinen in diesem Sommer auslaufenden Vertrag bei den Hessen noch einmal um ein weiteres Jahr bis 30. Juni 2014 verlängert. Bekanntgegeben wurde der Abschluss, der von den Fans mit reichlich Applaus bedacht worden war, unmittelbar vor dem letzten Heimspiel gegen Wolfsburg - in der Partie, die 2:2 ausging, womit sich die Hessen für die Europa League qualifizierten, verletzte sich Nikolov an der Hüfte und musste in der 66. Minute seinen Platz für Nachwuchskeeper Aykut Özer räumen. Es war, wie nun klar wird, Nikolovs letzter Auftritt im Eintracht-Trikot.

Seinen ersten absolvierte er am 14. Dezember 1992 für die Amateur-Elf; er endete gegen Viktoria Aschaffenburg ebenfalls 2:2. Im deutschen Profifußball gibt es aktuell keinen Akteur, der so lange einem einzigen Verein verbunden war wie der „ewige Oka“. Er war über die Stationen SG Sandbach und Darmstadt 98 zur Eintracht gekommen.

Erst von Trapp verdrängt

Der ehemalige mazedonische Nationaltorwart, der wiederholt durch komplizierte Blessuren in seinem Tatendrang gebremst wurde, bestritt insgesamt 379 Spiele für die Frankfurter. Dabei machte der inzwischen 39-Jährige mit allerlei Kollegen und Konkurrenten im eigenen Lage Bekanntschaft - darunter Dirk Heinen, Markus Pröll, Andy Köpke, Thomas Ernst oder Ralf Fährmann - die sich im Vergleich mit dem auf dem Rasen oft stoisch anmutenden Nikolov aber nicht dauerhaft durchsetzen konnten oder wollten.

Erst als die Eintracht im Sommer 2012 Kevin Trapp anheuerte, rückte Nikolov ins zweite Glied. Als sich der aufstrebende U-21-Nationalspieler jedoch im März mit einem Mittelhandbruch bis auf weiteres abmeldete, sprang Nikolov abermals ein und erfüllte seine Aufgabe zuverlässig. Vor allem im Spiel gegen Schalke (1:0) brillierte er danach: Nikolov hielt einen Strafstoß und wehrte zahlreiche Großchancen des spielerisch überlegenen Gegners ab. „Opa Nikolov schockt Schalke“, titelte tags darauf der Boulevard.

Heinz Müller kein Ersatz-Kandidat

Hintergrund seiner Absicht, sich beruflich noch einmal zu verändern, ist der Frust darüber, dass ihm die Eintracht nach Abschluss der aktiven Laufbahn keine Anschlussbeschäftigung als Torwart-Coach garantieren wollte. Nikolov nannte die Zurückhaltung des Klubs zuletzt „sehr enttäuschend“. Diese Art von Versorgungsverträgen, die bei den Frankfurtern in Nikolovs Anfangstagen noch ausgestellt wurden, gehören seit dem Eintritt von Heribert Bruchhagen 2003 in den Vorstand nicht mehr zur bevorzugten Personalpolitik der Eintracht Fußball AG. „Das Ganze kam für uns etwas überraschend, aber es freut mich für Oka, dass er seinen Wunsch verwirklichen kann“, lautete Bruchhagens offizielles Statement in der Angelegenheit.

Für welche Mannschaft Nikolov demnächst auf der anderen Seite des Atlantiks spielen wird, stehe noch nicht fest, sagte Bruchhagen. Schon 2010 hatte der Torwart mit dem Umzug nach Übersee geliebäugelt. Seinerzeit waren der FC Dallas und die New York Red Bulls an seinen Diensten interessiert. Bei der Suche nach einem Nachfolger besteht für die Eintracht nach Aussage von Hübner „keine Eile“. Es werde in „aller Ruhe der Markt sondiert“. Meldungen, wonach Heinz Müller vom FSV Mainz 05 einer der Kandidaten sei, waren für den Sportdirektor „nicht der Rede wert“.

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