23.08.2005 · Auch die Statistiker werden Lance Armstrong vermissen. Der Texaner tritt mit einem Rekord von der Radsportbühne ab - und hinterläßt bei seinen Gegnern allgemeine Erleichterung.
Auch die Statistiker werden Lance Armstrong vermissen. Der Texaner tritt mit einem Rekord von der Radsportbühne ab - und hinterläßt bei seinen Gegnern allgemeine Erleichterung.
1999: Zwei Jahre und neun Monate nach seiner Krebs-Diagnose gewinnt Lance Armstrong seine erste Tour de France und feiert damit eines der sensationellsten Comebacks im Sport. Gleich zum Auftakt holt er im Prolog am 3. Juli in Puy de Dome das Gelbe Trikot vor Alex Zülle und bewahrt die Veranstalter so vor einer großen Peinlichkeit. Der Schweizer war schließlich Geständiger der Doping-Tour 1998. Armstrong gewinnt in Paris mit 7:37 Minuten vor Zülle. Bester Deutscher ist Udo Bölts mit 1:11:51 Stunden Rückstand auf Platz 40. Armstrong gewinnt drei weitere Etappen. Jan Ullrich fehlt wegen einer Knieverletzung.
2000: Erster Schlagabtausch mit Jan Ullrich. Armstrong weist den Sieger von 1997 auf den Pariser Champs-Elysees nach 3662,5 Kilometern mit 6:02 Minuten in die Schranken. Der Texaner lässt der Konkurrenz in den Bergen keine Chance und dominiert auch das Zeitfahren. Im Zeitfahren von Freiburg nach Mulhouse bezwingt er Ullrich vor dessen Haustür und landet seinen einzigen Etappensieg.
Doping-Vorwürfe
2001: Wieder hat Ullrich das Nachsehen. 6:44 Minuten beträgt der Rückstand auf den vierfachen Etappensieger Armstrong. So stark wie nie zuvor bei der Tour muß sich Armstrong aber gegen Doping-Vorwürfe wehren und seine Verbindungen zum umstrittenen italienischen Mediziner Michele Ferrari rechtfertigen. Den Grundstein für den Sieg legt er bei der Gala-Vorstellung nach L'Alpe d'Huez, als er Ullrich 1:59 Minuten abnimmt.
2002: Mit 7:17 Minuten Vorsprung auf den Spanier Joseba Beloki holt sich Armstrong den vierten Sieg. Bester Deutscher ist der Ansbacher Jörg Jaksche mit 56:05 Minuten Rückstand auf Platz 31. Ullrich fehlt wegen einer Doping-Sperre. Am 6. Juli gibt es ein Kontrast-Programm: Während Ullrich im Fernsehen seine Verfehlung gesteht, gewinnt Armstrong kurz danach den Prolog in Luxemburg.
Erbitterter Herausforderer
2003: Durch den fünften Triumph zieht Lance Armstrong mit Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleich. Ullrich erweist sich für den zweifachen Etappengewinner aber als erbitterter Herausforderer und liegt in Paris nur 1:01 Minuten zurück. Der für Bianchi fahrende Ullrich stürzt im letzten Zeitfahren auf regennasser Straße in Nantes. Sein sensationelles Comeback hatte er jedoch schon davor beim Zeitfahren in Cap Decouverte mit einem Erfolg über den erstmals angeschlagen wirkenden Armstrong gekrönt. Auf der Königsetappe wartet Ullrich auf den gestürzten Amerikaner, der danach mit dem Tagessieg die Wende zu seinen Gunsten einleitet.
2004: Mit 6:19 Minuten Vorsprung vor Andreas Klöden erreicht Armstrong die französische Hauptstadt und ist durch den sechsten Sieg Rekordhalter in 101 Jahren Tour de France. Ullrich liegt auf Rang vier 8:50 Minuten zurück. Der Amerikaner überragt wie nie zuvor und zeigt keine einzige Schwäche. Inklusive des Team-Zeitfahrens steht der Perfektionist aus Austin sechs Mal als Etappensieger auf dem Podest.
2005: Armstrong ist kein bißchen müde und hat wie gewohnt auch bei seiner Abschieds-Tour alles im Griff, holt sich den siebten Sieg, der Anspruch auf Ewigkeit erheben kann. Am 24. Juli tritt er wie angekündigt zurück. Zweiter wird der Italiener Ivan Basso mit 4:40 Minuten Rückstand. Ullrich, der vor und während der Rundfahrt stürzt, landet auf Rang drei (6:21 zurück). Seine fünfte Niederlage gegen Armstrong, der seinen einzigen Etappensieg beim letzten Zeitfahren 23 Sekunden vor Ullrich feiert, nimmt nach dem Einbruch des T-Mobile- Kapitäns auf der ersten Etappe früh Konturen an.