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„Ein großer Fehler“ Ullrich gesteht Kontakt zu Fuentes

10.02.2012 ·  Wenige Stunden nach dem Schuldspruch des Sportgerichtshofs Cas hat Jan Ullrich eine Erklärung veröffentlicht. Darin bestätigt er erstmals seinen Kontakt zum Dopingarzt Fuentes, gibt allerdings nicht direkt zu, gedopt zu haben.

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© dpa Ullrich: „Rückblickend würde ich in einigen Situationen meiner Karriere anders handeln“

Der frühere Radprofi Jan Ullrich hat Stunden nach seiner Verurteilung durch den Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen Dopings in einer persönlichen Erklärung Kontakt zum umstrittenen spanischen Arzt Eufemiano Fuentes bestätigt.

„Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich bei allen aufrichtig entschuldigen - es tut mir sehr leid“, schrieb der 38-Jährige auf seiner Homepage. „Rückblickend würde ich in einigen Situationen während meiner Karriere anders handeln.“ Allerdings gab der einzige deutsche Tour-Sieger (1997) nicht direkt zu, gedopt zu haben.

Der Wahl-Schweizer kündigte an, den Cas-Spruch nicht anzufechten. „Nicht, weil ich mit allen Punkten in der Urteilsbegründung übereinstimme, sondern, weil ich das Thema endgültig beenden möchte“, betonte er in der kurz vor Mitternacht veröffentlichten Erklärung. „Persönliche Konsequenzen habe ich ja bereits 2007 mit dem Rücktritt vom Profiradsport gezogen.“

Seine Verwicklung in die Affäre um den Mediziner Fuentes erklärte Ullrich mit dem Druck: „Ich wollte für die Tour 2006 nochmal alles rausholen. Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen war der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong.“

Nach seiner Suspendierung kurz vor dem Tour-Start 2006 fühlte er sich überfordert. „Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen“, meinte er. „Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden.“ Auf Anraten seiner Anwälte habe er zu den Vorwürfen geschwiegen.

Wegen der erdrückenden Beweislage hatte der Cas in seinem Urteil alle Resultate Ullrichs vom 1. Mai 2005 bis zu dessen Karriereende, darunter den dritten Platz bei der Tour de France 2005, annulliert. Den Antrag des Weltverbandes UCI, Ullrich lebenslang alle Aktivitäten im Radsport zu untersagen, wies der Cas ab. Stattdessen sperrte er den deutschen Ex-Profi für zwei Jahre bis zum 21. August 2013.

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© dapd Ullrich wurde 2005 bei der Tour de France Dritter.

Doping-Jäger Werner Franke hält die Erklärung Jan Ullrichs für „substanzlos“. Die Ausführungen des früheren Radprofis wertete der Heidelberger Molekularbiologe als „lächerlichen Versuch, einen Deckel auf die Affäre zu tun“. „Ich sehe das nach wie vor als völlig unzureichend an“, sagte Franke der Nachrichtenagentur dpa. Ullrich habe eine Chance vertan, durch die Wahrheit mehr Licht in die Affäre zu bringen.

„Es ist doch lächerlich, sich jetzt auf Blutdoping zu beschränken“, ergänzte der Wissenschaftler. „Aber ich sehe ihn nicht als Haupttäter“, meinte Franke. „Wie kommt denn so jemand dazu, bestimmte Mittel zu nehmen?“ Für den Universitätsprofessor, der selbst jahrelang gegen Ullrich prozessiert hatte, ist der Fall noch lange nicht beendet. Das Cas-Urteil und Ullrichs Erklärung provozierten doch regelrecht weitere Recherchen und Untersuchungen, betonte Franke. „Stück für Stück wird alles rauskommen.“

Die Erklärung von Jan Ullrich in Auszügen

Nach seiner Verurteilung durch den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) wegen Dopings hat der ehemalige Rad-Profi und einzige deutsche Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich eine Erklärung auf seiner Homepage abgegeben. FAZ.NET dokumentiert daraus die wichtigsten Passagen.

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„Ich nehme den Schiedsspruch hin und werde ihn nicht anfechten.“

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„Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen - es tut mir sehr leid. Rückblickend würde ich in einigen Situationen während meiner Karriere anders handeln. Ich wollte für die Tour 2006 noch mal alles rausholen. Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen war der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong. Kurz vor der Tour 2006 macht es dann einen großen Schlag: Suspendierung, Schlagzeilen, Ächtung, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, Klagen. Ich fühlte mich alleingelassen, wie durch einen Sieb gefallen. Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen.“

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„Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden. Auf Anraten meiner Anwälte und wie es in solchen Fällen üblich ist, habe ich zu den Vorwürfen geschwiegen. Letztendlich hat mich dieses Thema über Jahre so sehr belastet, dass ich krank wurde und irgendwann zusammengebrochen bin.“

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„Mit dieser Erklärung ist von meiner Seite alles gesagt und zu diesem Thema möchte ich keine weiteren Statements, Stellungnahmen oder Interviews in der Öffentlichkeit abgeben.“

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„Ich blicke auf meine Radsport-Karriere und Erfolge mit Stolz zurück und freue mich auf mein neues Berufsleben.“

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