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Ehrung Bundesverdienstkreuz für Klinsmann

11.07.2006 ·  Teamchef Jürgen Klinsmann bekommt das Bundesverdienstkreuz, schweigt sich aber weiterhin über seine Zukunft aus. Die Nationalspieler sollen mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt werden.

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Jürgen Klinsmann kehrt noch einmal nach Berlin zurück - ob als amtierender oder ehemaliger Bundestrainer ist allerdings weiterhin offen. Zwei Tage vor dem ersten Länderspiel nach der Fußball-WM wird Bundespräsident Horst Köhler die deutsche Nationalmannschaft am 14. August im Schloß Bellevue empfangen und den 23 Spielern sowie dem Trainerstab nach dem dritten Platz das Silberne Lorbeerblatt verleihen. Klinsmann soll für seine großen Verdienste vom deutschen Staatsoberhaupt sogar noch persönlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden.

Ob Klinsmann zwei Tage danach am 16. August in Gelsenkirchen gegen Schweden auch wieder als verantwortlicher Nationaltrainer auf der Bank sitzen wird, ist dagegen weiterhin ungewiß. Der kollektive WM-Rausch wird mehr und mehr von der Sorge eines Klinsmann-Abschieds abgelöst. Torhüter Jens Lehmann verbindet die Titelchancen bei der EM 2008 oder WM 2010 direkt mit den aktuellen Trainern. „Ich denke, wenn das Gespann Jürgen Klinsmann und Joachim Löw zusammenbleibt, dann ja“, antwortete der 36-Jährige in der „Welt“ auf die Frage nach den Erfolgsaussichten bei den nächsten Turnieren.

Hoeneß: „Ich fürchte, daß er nicht weitermacht“

Auch in Expertenkreisen mehren sich skeptische Stimmen zur Zukunftsentscheidung des Bundestrainers. „Man kann nur hoffen, daß Jürgen Klinsmann weitermacht. Ich fürchte nur, daß er nicht weitermacht“, sagte Uli Hoeneß, der Sprecher des Arbeitskreises Nationalmannschaft der Bundesliga. Der Bayern-Manager ist gewöhnlich bestens informiert über Interna im deutschen Fußball, sein Kontakt zu DFB-Teammanager Oliver Bierhoff ist eng. Hoeneß räumte allerdings ein, keine konkreten Gründe für seinen Tipp zu haben: „Das sagt mir mein Gefühl.“

Der Empfang beim Bundespräsidenten nach erfolgreichen Turnieren hat Tradition: Vor vier Jahren war Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler mit „seinen“ Vize-Weltmeistern von Japan und Südkorea ebenfalls zwei Tage vor dem Neustart beim Auswärtsspiel in Bulgarien (2:2) in der Hauptstadt empfangen worden und vom damaligen Schloßherrn Johannes Rau mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden.

Merkel rät, Klinsmann Zeit zu geben

Inzwischen hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Diskussion um Jürgen Klinsmann eingeschaltet und betont, daß es der Respekt gebieten würde, Klinsmann die nötige Zeit zum Überlegen zu geben. „Er gehört zu den Menschen, glaube ich, die ihre Entscheidungen sehr ruhig und überlegt treffen. Deshalb finde ich, wir können ihm am besten so danken, daß wir ihm die Zeit geben, seine Entscheidungen so zu treffen, wie er sie treffen möchte“, sagte die Kanzlerin.

Während Bierhoff nach einem Dankesbrief an alle Fans und WM-Beteiligten am Dienstag schon wieder Termine wahrnahm, erholen sich Klinsmann und Co-Trainer Joachim Löw erst einmal von den WM-Strapazen. Beide seien nach acht Wochen inklusive Vorbereitung platt, berichtete Klinsmanns Berater Roland Eitel: „Jetzt ist schlicht Erholung angesagt.“

Kahn-Lehmann-Szene zeigte Geist der Mannschaft

Offen ließ Eitel, ob Klinsmann als Teamchef zurückkommt oder nicht. „Ich will mich erst einmal zurückziehen“, sagte Klinsmann der Bild-Zeitung. Nach vorne wolle er derzeit nicht blicken, dafür schaue er lieber noch einmal auf die vergangenen Wochen zurück. „Wir haben ein neues Deutschland erlebt. Das waren Emotionen pur“, erklärte der Chefcoach, der die WM gerne noch einmal aus einem anderen Blickwinkel erleben würde: „Als Fan auf der Tribüne. Das müßte toll sein.“

Der bewegendste Augenblick der WM war für Klinsmann „die Szene kurz vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien, als Oliver Kahn seinem Kollegen Jens Lehmann die Hand drückte und Glück wünschte.“ Diese Szene habe für den Geist dieser Mannschaft gestanden.

„Nie an Rücktritt gedacht“

Als eine sportliche Schlüsselszene bezeichnete der Bundestrainer das 1:0 gegen Polen in der Nachspielzeit durch Oliver Neuville: „In dem Moment sind wir alle eins geworden.“ Die ersten 20 Minuten im Achtelfinale gegen Schweden (2:0) waren für ihn „das Beste unserer WM. Ein Lehrstück. Das werde ich mir noch oft zu Hause anschauen.“

Auch im Rückblick verdeutlichte Klinsmann noch einmal seine Einschätzung, daß ein Aus im Viertelfinale nicht hätte passieren dürfen. „Dann hätte man in einem halben Jahr gesagt: Die Stimmung bei der WM war ganz schön, aber sportlich war's eine Enttäuschung.“ Ob er bei einem Viertelfinal-Aus zurückgetreten wäre? „Ich habe während des Turniers nie an Rücktritt gedacht.“

„Er sucht immer nach der größten Herausforderung“

Wenn er sich nicht wieder vollkommen in die USA zurückziehen sollte, könnten Zukunfts-Lösungen womöglich auch Modelle beinhalten, bei denen Klinsmann eine veränderte Rolle spielt, die ihm mehr privaten Spielraum ließe.

Bei einem neuen Projekt, das die EM 2008 als Nahziel und die WM 2010 als Fernziel umfassen würde, könnten etwa Co-Trainer Löw und U-21-Auswahlcoach Dieter Eilts weitgehend das operative Geschäft führen, während Klinsmann als Projektleiter mehr die Gesamtstrategie vorgibt. „Verwegen ist keine Idee“, bemerkte Klinsmanns Vertrauter Eitel. „Jürgen kann morgen sagen, es ist ganz aus. Wenn er ja sagt, wird er die Sache nicht einfach auf sich zukommen lassen, sondern dann beginnt jetzt das Projekt 2010 oder 2008. Er sucht immer nach der größten Herausforderung.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, sid, dpa
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