25.03.2006 · Der Rekordmeister hält Kurs auf seinen 20. Titelgewinn und steht offenbar vor der Verpflichtung des 17 Jahre alten argentinischen Talents Aguero. Die Elf von Neu-Trainer Kohler ist dagegen kaum noch vor dem Abstieg zu retten.
Treffender als Roy Makaay konnte man die 90 Minuten in der MSV-Arena nicht analysieren. „Erste Halbzeit: Amateurniveau. Zweite Halbzeit: So spielt ein Meister!“, sagte der niederländische Stürmer nach dem 3:1-Erfolg des souveränen Tabellenführers Bayern München beim abstiegsbedrohten MSV Duisburg.
Durch die gleichzeitige 2:4-Niederlage des Hamburger SV gegen Borussia Dortmund haben die Bayern sieben Spieltage vor dem Saisonende neun Punkte Vorsprung, der 20. Meistertitel ist dem Rekordchampion wohl nicht mehr zu nehmen. Trainer Felix Magath wollte von einer Entscheidung im Titelrennen aber noch nichts wissen. „Es sieht für uns besser aus, als vor dem Spiel. Durch die Patzer der Verfolger wurde etwas Druck von uns genommen. Wir wollen den Vorsprung jetzt noch weiter ausbauen, bis wir am Ziel sind“, sagte Magath, der sich nach einer schwachen ersten Halbzeit des Branchenführers von der Isar über die Tore von Hasan Salihamidzic (66.), Makaay (71.) und Claudio Pizarro (80.) freuen konnte und sich nach der Partie die Bilder der Niederlage seines ehemaligen Arbeitgebers Hamburg auf dem Bildschirm genüßlich ansah.
Sonderlob für Makaay
Ein Sonderlob hatte der Coach für Torjäger Makaay parat, der zu alter Stärke zurückgefunden hat. „Er ist wieder der Alte. Roy hat mit einem genialen Paß den Ausgleich vorbereitet und beim Führungstor seine Klasse gezeigt. Jetzt wollen wir ihn dabei unterstützen, die Torjägerkanone zu holen“, lobte Magath den Niederländer nach dessen 13. Saisontor. Ansonsten stapelte Magath tief, dennoch zweifelt kaum noch einer am neuerlichen Titelgewinn der Münchner. Zumal die Münchner nach der zwischenzeitlichen Krise ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen haben.
„Wir wissen, daß wir in fünf Minuten zwei oder drei Tore schießen können. In der Halbzeitpause ist Magath sehr laut geworden, aber auch wir waren sauer. In der zweiten Hälfte lief es dann besser“, sagte Salihamidzic, der schon in der vergangenen Woche gegen Schalke die wichtige Führung erzielte. Von der Meisterschaft spricht aber auch der Bosnier noch nicht. „Man hat heute gesehen, was möglich ist. Nach dem Rückstand war es sehr schwierig für uns. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Es hilft uns allerdings, wenn die Konkurrenz verliert“, erklärte der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler weiter, dessen Team beim ersten Auswärtssieg seit dem 27. Januar (3:1 in Mönchengladbach) auf den verletzten Michael Ballack (Schambein-Entzündung) verzichten mußte und Nationaltorhüter Oliver Kahn bereits in der zwölften Minute mit einem eingeklemmten Nerv im Rückenbereich verlor. „Er hat sich die Verletzung beim Aufwärmen zugezogen. Ihm wurde eine Spritze gegeben, es ging aber nicht. Er wird aber wohl in der kommenden Woche schon wieder ins Training einsteigen können“, sagte Magath, der „U21“-Nationaltorhüter Michael Rensing einwechselte.
Manager Uli Hoeneß hat den Sieg der Münchner unterdessen verpaßt. „Hoeneß hat in Argentinien einen Spieler beobachtet. Es ist ein interessanter Mann. Er spielt bei Independiente und kann offensiv eingesetzt werden. Entweder im Mittelfeld oder im Sturm“, erklärte der Münchner Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Dabei soll es sich um das 17 Jahre alte Talent Sergio Aguero handeln.
MSV wohl nicht mehr zu retten
Die Bayern auf dem Weg zum Titel, Aufsteiger MSV auf dem Weg zurück in die zweite Liga. „Bayern hat nach dem Rückstand sehr viel Druck gemacht. Das Spiel in Wolfsburg ist unsere letzte Chance“, erklärte Carsten Wolters angesichts von sieben Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Während Kapitän Georg Koch einen Sieg beim VfL fordert, um „noch ein Wort mitzureden“, verbreitet der Vorstandsvorsitzende Walter Hellmich Zweckoptimismus. „Wir haben diszipliniert gespielt und fast alles richtig gemacht. Wenn wir so weiter spielen, haben wir noch eine Chance“, so Hellmich, der vergeblich auf ein Geschenk der Mannschaft zu seinem 62. Geburtstag hoffte. Trainer Jürgen Kohler lobte die „individuelle Klasse der Bayern“ und spricht von einem „Endspiel“ bei den „Wölfen“. „Wenn wir dort gewinnen, können wir die Klasse noch halten. Wir haben es dem künftigen Meister 65 Minuten lang schwer gemacht.“