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Dressur Pirouetten mit Glockenklang

 ·  Dressurreiterin Charlotte Dujardin sorgt für eine weitere britische Gefühlsaufwallung - Helen Langehanenberg verpasst Bronze um einen Wimpernschlag.

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© dapd Goldener Ritt: Dujardin und Valegro vor dem Queen’s House in Greenwich und den Türmen von Canary Wharf

Es war wie eine vorweggenommene Schlussfeier: Das klassische britische Musikrepertoire von „Land of Hope and Glory“ über „Pomp and Circumstances“ bis zu Motiven aus einem James-Bond-Film - und wenn die Dressurreiterin Charlotte Dujardin mit Valegro eine Pirouette ritt, läuteten jedes Mal die Glocken von Big Ben.

Das Einzel-Finale der Dressurreiter steigerte sich von Minute zu Minute zu einer weiteren britischen Gefühlsaufwallung bei diesen Spielen - die Kür zur Musik ging auch nach dem Ende der Prüfung weiter, bei der Siegerehrung, wo dann auch noch die britische Hymne gespielt wurde.

Und auch das olympische Tränenmeer, das Britannien inzwischen regiert, wurde noch ein wenig voller. Die 26 Jahre alte Dressurreiterin weinte vor Rührung erst in die Mähne ihres Pferdes und dann in ihren Handschuh, noch bevor die Note für ihren Ritt verkündet worden war: 90,089 Prozentpunkte - olympischer Rekord.

Die Jury spielte mit. Wenn sie das nicht getan hätte, wäre das Finale der Reiterwettbewerbe von London nämlich weniger rauschhaft verlaufen. Der schwere Schnitzer gegen Ende der Kür, als Charlotte Dujardin und Valegro sich nicht mehr einig zu werden schienen über den weiteren Verlauf des Programms, wurde ihnen großzügig verziehen.

Es hätte auch anders kommen können, denn auch der Ritt der niederländischen Europameisterin Adelinde Cornelissen auf Parzival mit vielen hohen Schwierigkeiten und ohne jeden Programmfehler entlockte den Richtern Spitzennoten: Sie erhielt 88,196 Punkte. „Für mich war es Geschmackssache“, sagte Bundestrainer Jonny Hilberath. „Die größere Leichtigkeit und die Selbsthaltung haben entschieden“, erklärte Chefrichter Stephen Clarke - und tatsächlich: In den besten Momenten schien Valegro an diesem Donnerstag im Greenwich Park zu fliegen.

Dazu gingen die Geburtsfeierlichkeiten einer neuen Dressur-Nation natürlich vor. Bereits mit der Equipe hatten die Briten vor Deutschland und den Niederlanden Gold gewonnen. Und Doppel-Gold war noch nicht die ganze Ausbeute: Die Bronzemedaille gewann Laura Bechtolsheimer mit Mistral (84,303), die einzige aus dem Trio, die schon vor 2011 im Viereck Spitzenresultate erzielt hatte. Dujardins Lehrmeister und Mannschaftskamerad Carl Hester wurde mit dem Hengst Uthopia Fünfter (82,857).

„Darf ich mal kurz Scheiße sagen?“

Die Bronzemedaille hätte auch den entthronten Deutschen gut getan. Nur 0,036 Punkte fehlten Helen Langehanenberg (Havixbeck) mit ihrem Hengst Damon Hill auf den dritten Platz. Ein Schnitzer in der ersten Piaffe kostete sie die entscheidenden Punkte. „Das war die einzige Schrecksekunde“, sagte die 30 Jahre alte Reiterin - doch die reichte schon aus, um auf den enttäuschenden vierten Rang zurückzufallen. „Das war so knapp“, sagte sie, „natürlich bin ich enttäuscht.“

Und selbst der sonst stets vornehm zurückhaltende Jonny Hilberath zeigte Gefühle. „Darf ich mal kurz Scheiße sagen?“ fragte er. „Wenn es denn so knapp ist - das war doch nur ein Wimpernschlag.“ Er müsse erst einmal ein bisschen durchatmen. Am Finaltag war eine weitere deutsche Bastion gefallen: Erstmals seit 48 Jahren gewannen die deutschen Dressurreiter kein olympisches Gold.

Mit Rang sieben und acht blieben auch Dorothee Schneider (Framersheim) auf Diva Royal mit 81,661 Punkten und Kristina Sprehe (Dinklage) auf Desperados bei einstelligen Resultaten. Hilberath, der nach Olympia den Posten als Bundestrainer wieder aufgibt, hob denn auch resigniert die Hände: „Alle drei Paare haben eine Superleistung gebracht - und alle drei Paare haben noch Luft nach oben.“

Schneider muss ihr Pferd zurückgeben

Dorothee Schneider allerdings, die erst durch den Ausfall des Totilas-Reiters Matthias Rath in die Mannschaft gerutscht ist, wird ihre Stute nach den Olympischen Spielen wieder an ihre Besitzerin zurückgeben müssen - die Tochter will das talentierte Tier selbst im Viereck reiten.

Hilberaths Vorgänger Holger Schmezer hatte die Idee gehabt, die Berufsreiterin und Ausbilderin aus der Nähe von Mainz und die Stute ihrer Schülerin für London zusammenzubringen - und damit wahrscheinlich die Mannschafts-Silbermedaille für die gebeutelten Deutschen gerettet. Vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in Rotterdam hatten sie mit Bronze zufrieden sein müssen.

Nach seinem plötzlichen Tod während des Weltcup-Finales in s’Hertogenbosch im April hatte Schmezers Freund und bisheriger Assistenztrainer Hilberath kurzfristig seinen Job übernommen. „Er hätte sich heute auf die Schenkel geschlagen“, sagte sein Nachfolger, als er sich mit Platz vier versöhnt hatte. „Er gibt da oben heute Abend eine Lokalrunde aus.“

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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