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Dresden-Kommentar Pro Politik

 ·  Das harte Urteil gegen Dynamo Dresden einen Tag vor der großen Sicherheitsdebatte lässt sich auch politisch lesen. Der DFB, so die Botschaft, unternimmt alles, was in seiner sportgerichtlichen Macht steht. Doch damit wird die Basis kaum zu erreichen sein.

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© dpa Vergrößern Dunkler Schatten über den Dresdner Fans: Einzelne von ihnen bringen den Verein in Misskredit

Dynamo Dresden darf nicht mehr mitspielen im DFB-Pokal. Hatten wir das nicht schon mal? Genau, vor gut einem Jahr hat das DFB-Sportgericht ebenfalls entschieden, dass die Dresdner aus dem nächsten Pokalwettbewerb ausgeschlossen werden sollen. Richter Lorenz, der heute wie damals das Urteil sprach, ist sich also treu geblieben. In der Vorsaison kassierte dann allerdings das DFB-Bundesgericht den Dynamo-Ausschluss und verhängte eine Geldstrafe über 100.000 Euro plus Geisterspiel über den Zweitligaklub.

Das harte Urteil Teil II gegen den Klub aus dem Osten einen Tag vor der großen Sicherheitsdebatte der 36 Profiklubs in Frankfurt lässt sich auch politisch lesen - und genau so ist es auch verstanden worden. Das schon etwas ranzige Ost-West-Ressentiment, das die Linke-Vorsitzende Katja Kipping dabei aufzufrischen versuchte, kann man dabei getrost mal beiseite lassen - interessanter sind die sicherheitspolitischen Deutungen des Tages. Der DFB, so die Botschaft, unternimmt alles, was in seiner sportgerichtlichen Macht steht, um der Gewalt im Fußball zu begegnen. Gastgeber Hannover 96 bekam auch eine mit 70.000 Euro ziemlich saftige Strafe aufgebrummt.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) applaudierte wie gewünscht zur harten Linie. Die Entscheidung zeige, dass der DFB nicht vor konsequenten Strafen und drastischen Maßnahmen zurückschrecke. Die harte Linie kommt gut an bei den Innenministern, die die Verbände seit Monaten in der Debatte ohnehin vor sich hertreiben wie ein Herrchen seinen Hund mit einem Bällchen auf der Wiese.

Es treffe den Verein und die ganze Region

Aber was bringt’s? Frau Kipping hält den erstinstanzlichen Richterspruch aus Frankfurt für „überzogen und unverhältnismäßig“. Es treffe den Verein und die ganze Region, obwohl nur einige wenige Chaoten durchgeknallt seien, auch wenn es selbstverständlich richtig sei, gegen Gewalt in den Stadien vorzugehen. Schünemann hingegen findet, man könne von Vereinen und „echten“ Fußballfans erwarten, dass sie „ebenfalls konsequenter gegen solche Fußball-Chaoten vorgehen“.

Tatsächlich dürfte ein Ausschluss-Urteil eher die gegenteilige Wirkung erzielen. Dem Verein Dynamo Dresden wurde in Hannover kein Fehlverhalten nachgesagt, aber der ganze Klub wird wieder für Ausschreitungen einer Minderheit in Haftung genommen - was zu einer Solidarisierung der Fans gegen den Verband führt und eine Distanzierung von Gewalttätern erschwert. So differenziert sich die Fanszene und das Gewaltproblem auch in Dresden gestalten, so differenziert sollten auch die Urteile darüber ausfallen. Das DFB-Sportgericht verkündet sein Verdikt aber weiter aus einer selbstgewissen Höhe, mit der die Basis kaum zu erreichen ist.

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11.12.2012, 17:20 Uhr

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Von Michael Ashelm

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