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Dopingverdacht Jan Ullrich - ein verwirrter Junge?

 ·  Olympiasieger Jan Ullrich steht unter Dopingverdacht und die längst nicht mehr heile Welt des Radsports möglicherweise vor ihrem größten Skandal.

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Olympiasieger Jan Ullrich steht unter Dopingverdacht und die längst nicht mehr heile Welt des Radsports möglicherweise vor ihrem größten Skandal. Bei einer unangemeldeten Kontrolle nach seiner Knie-Operation wurde der Tour-de-France-Sieger von 1997 in der A-Probe positiv auf das Stimulanzium Amphetamin getestet. Das Ergebnis der B-Probe steht noch aus.

Das Team Telekom steht unter Schock. „Ich bin von Jans Unschuld überzeugt. Es ist das größte Fragezeichen in meinem Leben“, sagte Telekom-Sportdirektor Pevenage: „Jan wird alleine auf Verlangen unseres Teams mindestens fünf Mal im Jahr von der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes kontrolliert. Es gab noch nie Beanstandungen.“

Ullrichs Freiburger Arzt Dr. Heinz Birnesser glaubt an eine unbewusste Einnahme des Stimulanzmittels. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Jan bei einem Diskobesuch das Zeug unbewusst zu sich genommen hat“, sagte Birnesser und schloss auch eine Manipulation nicht aus. Ironisch meinte der Mediziner: „Der Jan hat ja nur Freunde.“ In seiner Frustphase nach der im Januar erstmals aufgetretenen Knieverletzung hatte Ullrich häufiger Zerstreuung in Gaststätten gesucht. Amphetamine sind in zahlreichen Modedrogen wie Ecstasy und den so genannten Powerdrinks enthalten.

Birnesser äußerte gewaltige Zweifel an dem Sinn einer gezielten Amphetamin-Einnahme in einer Rehabilitationsphase: „Das wäre sportlich völlig belanglos. Es würde allenfalls Sinn vor einer schwierigen Etappe während einer großen Rundfahrt machen.“

Jean-Marie Leblanc, Direktor der am Samstag beginnenden Tour de France, reagierte entsetzt auf die Nachricht von Ullrichs Positiv-Probe. Das Ergebnis deute auf einen „verwirrten Jungen“ hin. „Ich bin überrascht und sehr enttäuscht“, sagte Leblanc. Man müsse sich fragen, warum ein Athlet, der nicht fahre, es nötig habe, sich zu dopen. „Wenn es sich bestätigt, dass er positiv ist, wurde das offensichtlich durch eine moralische Krise ausgelöst“, erklärte der Tour-Direktor: „Das würde uns den Eindruck bestätigen, den wir von Ullrich bekommen haben, als er im alkoholisierten Zustand einen Unfall hatte.“

Die Nachricht von der positiven A-Probe war über Olaf Ludwig, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und gleichzeitig Telekom-Sprecher, in das Team gelangt. „Die Trainingskontrolle fand am 12. Juni statt. Jan Ullrich ist schon letzte Woche von dem Ergebnis informiert worden. Wir haben bisher nur die A-Probe. Die B-Probe ist noch nicht beantragt.“ Eine offizielle Erklärung kündigte Ludwig für Donnerstag an.

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