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Dopingbekämpfer Donati im Interview "Glaubwürdigkeit ist nicht möglich"

10.05.2005 ·  Alessandro Donati ist einer der entschlossensten und berühmtesten Dopingbekämpfer der Welt. Im F.A.Z-Interview spricht der Italiener über nationale Kontrollinstanzen und ihre Glaubwürdigkeit.

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Alessandro Donati ist einer der entschlossensten und berühmtesten Dopingbekämpfer der Welt. Im F.A.Z-Interview spricht der Italiener über nationale Kontrollinstanzen und ihre Glaubwürdigkeit.

Die deutschen Athleten und Funktionäre behaupten gerne, sie kämpften wegen des strengen Anti-Doping-Systems in Deutschland einen ungleichen Kampf gegen Nationen mit lascheren Kontrollen. Müssen sie uns leid tun?

Die italienischen und französischen Sportler vertreten die gleiche These...

Und? Ist etwas dran?

Das Problem liegt woanders. Wer ist denn die Einrichtung, die die Tests "out of competition", also im Training, vornimmt. Ist das eine Organisation "out of the country"?

Es ist meistens die Nationale Anti-Doping-Agentur...

Es ist aber keine Glaubwürdigkeit möglich, solange Deutsche die Deutschen, Italiener die Italiener kontrollieren und so weiter.

Sie sagen immer wieder, daß die offiziellen Tests auf das Blutdopingmittel Erythropoietin nicht effizient sind. Worauf gründen Sie Ihre Einschätzung?

Es gibt zwei Gründe. Erstens: Die aktuelle Methode hat den Nachteil, daß von außen zugeführtes Epo nur drei bis vier Tage zurückverfolgt werden kann. Zweitens: Die Sportler sind mittlerweile in der Lage, ihre Sauerstoffaufnahmekapazität durch die Zuführung von Hämoglobin tierischen Ursprungs, nämlich aus dem Blut von Hunden, zu verbessern. So weist man keine Vermehrung der roten Blutkörperchen auf, aber die Sauerstoffkapazität verbessert sich deutlich.

Vor den Olympischen Spielen in Athen gab das Internationale Olympische Komitee bekannt, es werde nun endlich auch Tests auf menschliches Wachstumshormon (HGH) vornehmen. Ist es mehr als ein Gerücht, daß dies nur ein Bluff war?

Meine Meinung ist, daß das IOC nicht sicher war, wie präzise die Methode ist, HGH nachzuweisen, und sie deshalb gar nicht oder mit einer hohen Toleranzschwelle einsetzte.

Wie kommen Sie darauf?

Früher wurde HGH noch aus Leichen gewonnen. Seit es möglich ist, das Wachstumshormon gentechnisch herzustellen, nahm der Gebrauch immer mehr zu. In Athen allerdings gab es nur positive Fälle auf Steroide, keinen einzigen positiven Fall auf HGH oder auf Epo.

Es heißt allgemein, die dopenden Athleten seien auf die bewährten Steroide wegen des neuen HGH-Tests ausgewichen. Könnte das nicht stimmen?

Dann hätten die Athleten also, um sich vor den olympischen Wettkämpfen zu anabolisieren, auf HGH verzichtet, weil sie die Kontrollen von Athen fürchteten, und dann auf Steroide zurückgegriffen, die viel leichter zu entdecken sind. Das ist doch nicht logisch!

Und wenn die Erwischten einfach irrtümlich glaubten, sie hätten die Steroide rechtzeitig abgesetzt?

Auch nach Athen gab es bisher keinen einzigen positiven Fall auf HGH. Da ist es wohl nicht ungerechtfertigt, die Hypothese aufzustellen, daß das IOC in Athen lediglich Eigenwerbung und verbale HGH-Prävention betrieben hat.

Die Fragen stellte Evi Simeoni.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. März 2005
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