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Veröffentlicht: 15.02.2001, 15:29 Uhr

Doping Vier Monate Sperre für Ibrahim Tanko

Der Joint kostet ihm nicht den Job, doch Freiburgs Fußball-Profi Ibrahim Tanko muss wegen der verbotenen Einnahme von Marihuana vier Monate lang pausieren.

© ap Verurteilt: Ibrahim Tanko

Rauschgift und Fußball - das verträgt sich nicht. „Keine Macht den Drogen“: Mit diesem Slogan wirbt der Deutsche Fußball-Bund (DFB), entsprechend hat das Sportgericht im Fall des des Marihuana-Konsums überführten Ibrahim Tanko nun auch gehandelt.

Der vom SC Freiburg verpflichtete Profi ist wegen der verbotenen Einnahme von Marihuana zu einer Sperre von vier Monaten verurteilt worden. Die Sperre gilt rückwirkend ab der Bekanntgabe des Dopingfalles am 15. Dezember, so dass der 23-Jährige nun erst vom 16. April an für seinen neuen Verein spielberechtigt ist.

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Höheres Strafmaß als bei Quido Lanzaat

Das Sportgericht verhängte gegen Tanko ein höheres Strafmaß als im vergleichbaren Fall des Zweitliga-Profis Quido Lanzaat von Borussia Mönchengladbach. Der Abwehrspieler, der nach dem Hallenpokal-Finale 2000 des Haschisch-Konsums überführt worden war, hatte eine Sperre von drei Monaten erhalten.

Verschärfend im Fall Tanko war, dass der Angreifer zum Zeitpunkt des Marihuana-Konsums bei einem deutschen Lizenzverein unter Vertrag stand. Lanzaat dagegen spielte zum entscheidenden Zeitpunkt noch für den niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam und wechselte erst anschließend nach Mönchengladbach. Ähnlich wie die Freiburger Verantwortlichen beschwichtigte auch Gladbachs Sportdirektor Christian Hochstätter: „Die Holländer haben halt zu Hasch ein anderes Verhältnis als die Deutschen.“

In dem Kreis der Drogenkonsumenten befindet sich übrigens auch Brasiliens Junior Baiano: Er wurde wegen Kokain-Konsums für 120 Tage gesperrt. Der Abwehrspieler wurde am 18. Januar nach dem 3:1-Sieg seines Klub Vasco da Gama gegen Sao Caetano im Endspiel um die brasilianische Meisterschaft positiv getestet. Baiano stritt allerdings die Vorwürfe ab und vermutet einen Anschlag. „Ich bin ein Opfer, ich nehme keine Drogen“, sagte der Ex-Nationalspieler und Ex-Profi des SV Werder Bremen.

15.000 Mark Geldstrafe

Tanko gibt hingegen sein Vergehen zu. Zusätzlich muss der ehemalige Stürmer von Borussia Dortmund eine Geldstrafe von 15.000 Mark zahlen. Der Ghanaer hatte zugegeben, am 26. November 2000 in den Niederlanden zwei- bis dreimal an einer Marihuana-Zigarette gezogen zu haben. Nach dem DFB-Pokalspiel von Borussia Dortmund am 29. November bei Schalke 04 war Tanko positiv getestet worden. Das Kölner Institut für Biochemie stellte in der A-Probe 30 Nanogramm pro Milliliter Tetrahydrocannabinol (THC) fest. Der Grenzwert liegt bei 15 Nanogramm pro Milliliter.

Tanko ist der achte Dopingsünder im deutschen Fußball und der sechste Profi, der wegen eines Verstoßes gegen die Dopingbestimmungen gesperrt wurde. Vor dem Stürmer waren bereits Roland Wohlfarth (VfL Bochum), Petr Kouba (1. FC Kaiserslautern), Holger Gehrke (MSV Duisburg) sowie Thomas Ziemer (1. FC Nürnberg) und Lanzaat wegen Dopings vom DFB gesperrt worden. Thomas Ernst (VfL Bochum) und Manuel Cornelius (Tennis Borussia Berlin) waren nicht gesperrt worden, weil sie die unerlaubten Substanzen nicht vorsätzlich eingenommen hatten.

Volker Finke hat andere Ansichten

Borussia Dortmund hatte Tanko Mitte Dezember fristlos entlassen. BVB-Sportdirektor Michael Zorc sprach angesichts des Rauschmittel-Konsums von „einem Schock“. Freiburgs Trainer Volker Finke sah das Fehlverhalten von Tanko recht locker. „Leute, die gelegentlich einen Joint rauchen“, befand der frühere Gymnasiallehrer, lebten gesünder als regelmäßige Trinker, die alkoholabhängig würden.

Bei den Breisgauern, wo Finke noch das Leitbild des „mündigen Profis“ hochhält, wird mit dem Spielerrat ein Verhaltenskodex ausgearbeitet. Auch bei Bestrafungen nach einem Verstoß gegen den Club-Knigge reden die Profis mit.

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