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Doping Tour auf Bewährung

11.07.2007 ·  Die Sponsoren der Frankreich-Rundfahrt überdenken ihr Engagement. Wirft es im Doping-Zeitalter überhaupt noch ein gutes Licht auf Unternehmen, den Radsport zu unterstützen? Oder ist das Sponsoring der Tour herausgeschmissenes Geld?

Von Rainer Seele und Henning Peitsmeier
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Noch wendet sich das Publikum nicht ab, im Gegenteil. Auf den Straßen in England, Belgien und Frankreich wird das Peloton der Tour de France immer noch hofiert, sorgen die Radprofis weiter für einen Ausnahmezustand - obwohl schwere Schatten auf dem Mythos liegen. Trotz der anhaltenden Zuneigung der Fans an den Strecken muss die Branche, schwer belastet durch ständige Doping-Skandale, um ihre Zukunft kämpfen. Und um ihre Sponsoren. Mancher Geldgeber hat bereits seinen Ausstieg aus dem Radsport angekündigt.

Das größte Radrennen der Welt fasziniert auch in seiner 94. Auflage noch immer die Massen. Die Party am Straßenrand geht weiter, mit Picknick, Wein und Baguette. Auch deshalb hat die werbende Industrie noch Interesse an dem Spektakel, gibt es sogar noch neue Engagements. So wird das Team Astana, das sich ebenfalls mit Doping-Verdächtigungen auseinandersetzen muss, vorwiegend von kasachischen Firmen mit einem üppigen Etat ausgestattet, nachdem sich der deutsche Co-Sponsor Würth vor einem Jahr zurückgezogen hatte. Das Budget der Mannschaft um die Tour-Favoriten Alexander Winokurow und den Deutschen Andreas Klöden soll mehr als 10 Millionen Euro betragen. Dafür soll Ende Juli in Paris der Tour-Sieg herausspringen.

Verlängert Gerolsteiner den Vertrag?

Auch T-Mobile will längerfristig den Radsport unterstützen. Dabei war der Rennstall im vergangenen Jahr in schwere Turbulenzen geraten. Jan Ullrich wurde damals von der Tour ausgeschlossen, weil er in die spanische Doping-Affäre um den Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt sein soll. Danach teilten die Bonner jedoch mit, bis 2010 dem Profiradsport verbunden zu bleiben. Auch jetzt ist von einem Rückzug nicht die Rede, obwohl Doping-Praktiken beim Team Telekom, dem Vorgänger, enthüllt wurden - und zwei Sportmediziner aus Freiburg, mit denen T-Mobile einen Neuanfang bestreiten wollte, ihren Job verloren.

Der nationale Rivale Team Gerolsteiner wird bis 2008 hauptsächlich von der Gerolsteiner Brunnen AG finanziert. Noch steht nicht fest, ob der Mineralwasserproduzent seinen Vertrag verlängern wird. Die Entscheidung soll im August fallen - sie wird nicht zuletzt vom Geschehen bei dieser Tour de France abhängig gemacht. Gerolsteiner prüft dabei in erster Linie, wie die Öffentlichkeit in diesen Tagen zum Radsport steht. „Wir wollen Reichweite haben“, sagt Jörg Croseck, der Sprecher der Geschäftsführung. Sollten sich beispielsweise die Medien immer mehr vom Radsport abwenden, sollten die Einschaltquoten bei den Fernsehübertragungen von der Tour wesentlich sinken, „dann geht die nüchterne Rechnung nicht mehr auf“, sagt Croseck.

„Es gibt keine negativen Auswirkungen“

Das Image des Unternehmens habe durch die Doping-Diskussionen noch nicht gelitten, betont Croseck. „Es gibt keine negativen Auswirkungen.“ Das Team Gerolsteiner selbst propagiert einen sauberen Radsport; Teamchef Hans-Michael Holczer gilt als einer der Wortführer im Kampf gegen Doping. Das respektiert auch der Sponsor. „Wir fühlen uns bei ihm gut aufgehoben“, sagt Croseck. Grundsätzlich aber will Gerolsteiner festgestellt haben, dass das allgemeine Interesse am Radsport durch das Thema Doping zwar nicht abgestürzt sei, aber doch etwas nachgelassen habe. „Die Kommunikationsplattform wackelt“, heißt es. Somit wird Gerolsteiner nun die Tour genau beobachten, um herauszufinden, ob es sich auch künftig noch lohnt, die Schatulle für Radprofis zu öffnen.

„Wende oder Ende? An dem Punkt stehen wir“, sagt auch Nikolaus Reichert von Skoda Deutschland. Der tschechische Autohersteller Skoda ist seit vielen Jahren Sponsor des Profi-Radsports, rüstet mehrere internationale Teams aus und stellt insgesamt rund 200 Begleitfahrzeuge für die Tour-Karawane. „Unsere Wurzeln liegen im Fahrradbau“, begründet Skoda das Radsport-Engagement. Die Tschechen gehören mit der Nestlé-Marke Aquarel, der Supermarktkette Champion und der LCL-Bank zu den vier Sponsoren der obersten Kategorie.

„Das Thema Doping beschädigt die Marke“

Weniger als 5 Millionen Euro, so inoffizielle Schätzungen, dürfte sich der Hauptsponsor die diesjährige Rundfahrt kosten lassen. Generell zahlen die Sponsoren der ersten Kategorie zwischen 2 und 3 Millionen Euro. Auch wenn es nicht die ganz großen Summen sind, die auf dem Spiel stehen, auch wenn alle Sponsoren Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen haben, der mögliche Imageschaden im Doping-Fall wäre immens. Vor allem bei den Förderern einer Mannschaft, die wie Gerolsteiner oder T-Mobile mit ihrem „guten Namen“ für ein Team stehen. „Das Thema Doping beschädigt die Marke“, sagt Stephan Schröder vom Kölner Marktforschungsinstitut Sport und Markt.

Beispiel Milram: Zwar fahren die „Milchmänner“ bei der Tour mit, doch nachdem der deutsche Sprinter Erik Zabel ein Doping-Geständnis ablegte und schließlich das Olympische Komitee Italiens (CONI) gegen den Milram-Kapitän Alessandro Petacchi eine einjährige Sperre verhängte, war der Ruf des Teams fast ruiniert. Schröder glaubt, dass dem Teamsponsoring eine lange Durststrecke bevorsteht, sollte es auch dieser Tour nicht gelingen, den Doping-Sumpf trockenzulegen. „Viel hängt von der diesjährigen Rundfahrt ab“, sagt Schröder.

Sponsoring am Wendepunkt

Und so überrascht es auch nicht, dass einige Sponsoren nach den Skandalen um Jan Ullrich, Ivan Basso und den letztjährigen Tour-Sieger Floyd Landis die Notbremse gezogen haben. Der Schweizer Hörgerätehersteller Phonak hat sich ebenso zurückgezogen wie die spanische Lotterie Once. Und auch der Hauptsponsor des Tour-Rekordsiegers Lance Armstrong, das Medienunternehmen Discovery, hat seinen Abschied zum Ende der Saison angekündigt, wenngleich das offiziell nicht mit den Doping-Gerüchten begründet wurde. Einen neuen Sponsor hat das keineswegs chancenlose Team um den früheren Gerolsteiner-Radprofi Levi Leipheimer noch nicht präsentieren können.

Doch auch ungeachtet aller Ausstiegsklauseln und eines vorstellbaren Doping-Skandals bei der Tour steht das Sponsoring an einem Wendepunkt: Von den Hauptsponsor-Verträgen der 20 Profi-Mannschaften laufen 12 im kommenden Jahr aus. Und für so manchen Sponsor könnte das beschädigte Image des Radsports ein willkommener Anlass für einen geordneten Rückzug sein.

Quelle: F.A.Z., 12.07.2007, Nr. 159 / Seite 20
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