Acht Tage vor Beginn der Weltmeisterschaften in Edmonton (3. bis 12. August) wird die Leichtathletik mit dem ersten Nachweis von Blutdoping konfrontiert.
Bernard Amsalem, Präsident des französischen Verbandes FFA, bestätigte einen Bericht der französischen Sport-Tageszeitung L'Equipe, wonach Russlands Hallen-Weltmeisterin Olga Jegorowa nach einem Meeting am 6. Juli in St. Denis positiv auf das die Ausdauer verbessernde Erythropoietin (EPO) getestet worden ist. „Ich bin erfreut, dass der erste positive Befund auf EPO in der Leichtathletik in Frankreich unter der Federführung von Philippe Lamblin zustande kam,“ sagte Amsalem, der den Veranstalter des Grand-Prix-Meetings extra hervorhob.
Jegorowa hat Gegenanalyse beantragt
Weil es sich nicht um eine Kontrolle des Weltverbandes IAAF handelte, wollte IAAF-Pressesprecher Giorgio Reineri eine positive Probe bei der Langstreckenläuferin weder bestätigen noch dementieren.„Uns liegt wohl eine Notiz vor, dass die Veranstalter in St. Denis eine derartige Kontrolle vorgenommen haben. Wir werden den Sachverhalt in Kürze geklärt haben.“
Die für die WM nominierte Jegorowa hat bereits eine Gegenanalyse beantragt und will auf jeden Fall in Kanada starten. „Sie wird nach Edmonton reisen, um die Angelegenheit mit der IAAF zu erörtern. Jede Person hat das Recht auf eine Anhörung, um ihre Unschuld zu beweisen“, sagte der russische Cheftrainer Waleri Kulischenko.
Ungewöhnliche Leistungsexplosion
Die Russin war zu Beginn der Saison durch eine für ihr Alter (29) ungewöhnliche Leistungsexplosion aufgefallen, nachdem sie bei Olympia in Sydney als Achte des 5.000-m-Finales noch keine Rolle gespielt hatte. Bei der Hallen-Weltmeisterschaft im März in Lissabon bezwang sie in souveräner Manier über 3.000 m in 8:37,48 Minuten die rumänische Olympiasiegerin Gabriela Szabo. Zu Beginn der Golden-League-Saison am 30. Juni in Rom und am 6. Juli in Paris gelangen ihr zwei weitere spektakuläre Triumphe über Szabo - ihre 8:23,75 Minuten waren das 13.-beste Resultat aller Zeiten.
Für die WM in Edmonton hat die IAAF bereits eine neue Test-Initiative angekündigt. Auf der Jagd nach weiteren Blutdoping-Sündern werden laut Weltverband 15 bis 20 Prozent der insgesamt vorgesehenen 350 Kontrollen gezielt auf EPO-Missbrauch untersucht. Das Blutdopingmittel erhöht die Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und verbessert dadurch die Ausdauerleistungsfähigkeit. Alle Kontrollen werden durch die kanadische Anti-Doping-Agentur organisiert. Die Mehrheit der Proben soll unangemeldet außerhalb der Wettkämpfe genommen werden.