Doping und kein Ende: IOC-Präsident Jacques Rogge hält weitere Disqualifikationen von Sport-Betrügern nach Salt Lake City für möglich. „Wir hatten bei diesen Winterspielen fünf Fälle von positiven Kontrollen, und diese Zahl könnte sich noch erhöhen“, sagte der Belgier auf einer Pressekonferenz in Oslo. „Wir werden am Wochenende das österreichische Langlauf-Team anhören, und daraus könnten weitere Disqualifikationen resultieren.“
Im Haus der österreichischen Langläufer im Olympischen Dorf waren während der XIX. Winterspiele Blutkonserven und Instrumente für Bluttransfusionen gefunden worden. Auf den Blutkonserven war ein Datum notiert, das vor Beginn der Langlauf-Wettbewerbe lag.
„Verbindung zwischen Konserve und Athlet“
„Jede Art von Blutmanipulation ist verboten. Die Tatsache, dass Blut injiziert wurde, ist somit völlig ausreichend“, sagte Rogge. „Wir müssen lediglich noch die Verbindung zwischen der Konserve und dem oder den Athleten herstellen.“ Der österreichische Ski-Verband hatte bereits die Abnahme von zehn Millilitern Blut zur Behandlung mit UV-Strahlen und Wiederinjizierung zugegeben, aber hinzugefügt, dass diese Behandlungsmethode keineswegs illegal sei.
Indes macht auch Norwegen im Anti-Doping-Kampf mobil. Vor dem Gespräch mit den Medien übergab Norwegens Premierminister Kjell Magne Bondevik Rogge am Freitag einen zehn Punkte umfassenden Anti-Doping-Plan.
„Es kann nicht so weitergehen“
Das Programm beinhaltet Vorschläge zur Gestaltung eines Anti-Dopinggesetzes und die Forderung, dass alle Personen aus dem Umfeld von Sport-Betrügern entlassen werden müssten. Außerdem sollen sich Dopingsünder nach Meinung der Norweger künftig auch vor einem ordentlichen Gericht verantworten müssen.
„Jacques Rogge ist der richtige Mann. Jedes Land muss bis zu den nächsten Spielen strikte Gesetze gegen den Doping-Missbrauch erlassen. Es kann nicht so weitergehen“, erklärte Bondevik.
Der Premierminister forderte erneut, dass der für Spanien startende Langlauf-Dopingsünder Johann Mühlegg seine zwei ihm verbliebenen Goldmedaillen (30 km und Jagdrennen) freiwillig zurückgeben sollte, um dem Sport nicht weiter zu schaden. „Der Sport hat vier Säulen: Spaß, Gesundheit, Freundschaft und Ehrlichkeit. Gedopte Sportler vernichten alles“, sagte Bondevik. Zu der norwegischen Petition wollte Rogge vorerst keinen Kommentar abgeben. Das Norwegische Olympische Komitee will mit einer Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erreichen, dass Mühlegg alle Medaillen abgeben muss.