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Doping : Falk Balzer suspendiert

  • Aktualisiert am

Muss mit zwei Jahren Doping-Sperre rechnen: Falk Balzer Bild: AP

Die deutsche Leichtathletik hat einen neuen Doping-Fall. Hürden-Sprinter Falk Balzer wurde positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet.

          Die deutsche Leichtathletik wird von einer neuen Doping-Affäre mit Nandrolon erschüttert. Hürden-Ass Falk Balzer wurde bei einer Trainingskontrolle des Deutschen Sportbundes (DSB) am 19. Januar positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet.

          Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) suspendierte am Donnerstag laut einer Mitteilung den 27-Jährigen vom TuS Jena, der damit bei den deutschen Hallen-Meisterschaften am Wochenende in Dortmund nicht starten darf. In der A-Probe wurde ein Nandrolon-Gehalt von 10,2 Nanogramm pro Milliliter Urin festgestellt, dies ist mehr als das fünffache der erlaubten Menge (2,0), bestätigte der Technische Direktor des DLV, Jan Kern.

          „Häufung der Nandrolon-Fälle rätselhaft“

          Im deutschen Sport ist Balzer nach 5.000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann und dem Ringer Alexander Leipold der dritte
          prominente Fall mit Nandrolon. Laut Statistik des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF stieg die Anzahl der Doping-Delikte mit diesem Anabolika-Mittel von 1996 bis 1999 von elf auf 28. „Die Häufung der Nandrolon-Fälle ist schon rätselhaft“, meinte DLV-Rechtswart Clemens Prokop. Die Einnahme von mit Anabolika verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln sei eine Erklärung dafür, „aber warum nehmen Athleten diese trotz aller Warnungen.“

          Der Dritte der Hallen-Weltmeisterschaft von 1999 über 60 m Hürden und EM-Zweite von 1998 über 110 m Hürden hatte am Mittwoch eine Erklärung zum Sachverhalt beim DLV abgegeben. Bis Donnerstagmittag konnte Balzer weiteres entlastendes Material beim DLV einreichen. Nach Angaben von Kern hat der Sportler zu seiner Entlastung auf die unterschiedlichen Daten zur Harndichte seines Urins hingewiesen. Während der Doping-Kontrolleur vor Ort einen Wert von 1,030 registrierte, sei später ein Wert von 1,020 analysiert worden. Bei einer Harndichte über der Grenze von 1,01 besteht der Verdacht auf Manipulation. „Eine Differenz zwischen der Messung vor Ort und mit den feinen Geräten im Labor ist normal“, sagte Kern.

          Dritter DLV-Dopingfall in wenigen Monaten

          „Eine Suspendierung ist noch keine Verurteilung“, verwies Prokop auf das Recht des Betroffenen, innerhalb von 28 Tagen eine B-Probe zu verlangen. DLV-Präsident Helmut Digel betonte zudem, es gebe „genügend Beispiele, dass Fehler vorliegen können“. Selbst eine Suspendierung würde noch nichts über „Schuld oder Unschuld des Athleten aussagen. Sie wird zunächst nur im Sinne des Fair Play ausgesprochen“. Die Entscheidung über eine Suspendierung traf ein dreiköpfiges Gremium mit Prokop, dem DLV-Dopingbeauftragten Theo Rous und Volker Wollschläger, Vorsitzender des Bundesausschusses Wettkampforganisation des Verbandes.

          Binnen weniger Monate wäre es - abgesehen vom Fall Baumann - die dritte Doping-Affäre im DLV, bei der Nandrolon und die Diskussion um die umstrittenen Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle spielt. Anfang Februar war bekannt geworden, dass in einer beim Grand-Prix-Finale in Doha/Katar (5. Oktober) genommenen A-Probe des Stabhochspringers Tim Lobinger der Nandrolon-Grenzwert überschritten gewesen war. Im B-Test wurde allerdings ein wesentlich geringerer, unter der verbotenen Marge liegender Wert analysiert. Daraufhin wurde der „Fall“ vom Leichtathletik-Weltverband IAAF als nicht existent erklärt.

          „Bad Boy“-Balzer

          Hart blieb die IAAF hingegen nach einem positiven Doping-Test der jugendlichen Speerwerferin Carolin Soboll vom TV Wattenscheid. Obwohl nachweislich ein verunreinigtes Kreatin-Produkt zu einem überhöhten Nandrolon-Wert bei der Kontrolle am 23. Juni 2000 geführt hatte, wurde sie vom Weltverband suspendiert. Die Verhandlung vor der IAAF wird im März sein.

          Dass ausgerechnet Falk Balzer zu einem Doping-Fall geworden ist, stößt im DLV auf besondere Verärgerung. Schließlich hatte der Sohn der Olympiasiegerin von 1964, Karin Balzer, nicht nur vor den Olympischen Spielen 2000 für einen Eklat gesorgt. Nach seinem dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig im Juli hatte er seinen Konkurrenten Claude Edorh beschimpft und attackiert.

          Daraufhin hatte der DLV erwogen, den gebürtigen Leipziger aus disziplinarischen Gründen nicht für die Sydney-Spiele - dort scheiterte er über 110 Meter-Hürden im Halbfinale - zu nominieren. Schließlich hatte sich Balzer („Mein Ruf ist jetzt belastet“) im Winter 2000 auch gegenüber seinem Intim-Feind Florian Schwarthoff unfair verhalten und war dafür vom DLV verwarnt worden. Dabei hat der gebürtige Leipziger solche Eskapaden eigentlich nicht nötig. 1999 war er bei den Weltmeisterschaften Dritter (Halle) und Fünfter geworden. Außerdem ist er im vergangenen Jahr mit 13,19 Sekunden schnellster deutscher Hürdensprinter gewesen. In der aktuellen Hallen-Saison legte er mit fünf Siegen in Folge eine imponierende Erfolgsserie hin. Allerdings verzichtete Balzer schon am vergangenen Freitag in Halle und am Sonntag beim Indoor-Meeting in Birmingham auf seine angemeldeten Starts.

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