26.10.2005 · SAP-Mitgründer Dietmar Hopp will nicht nur einen Fußballklub gründen, der es in die Bundesliga schaffen soll. Er fördert seit Jahren die Jugend - ganz anders als der Russe Abramowitsch, mit dem er bitte nicht verglichen werden will. Ein Porträt von Michael Roth.
Von Michael RothMit dem russischen Milliardär Roman Abramowitsch verglichen zu werden, schätzt Dietmar Hopp nicht. Abramowitsch hat mit unzähligen Millionen den englischen Fußballverein FC Chelsea übernommen und ihn mit noch mehr Millionen für neue Spieler an die europäische Spitze geführt.
Sein Engagement für den Fußballclub dürfte den Russen etwa 500 Millionen Euro gekostet haben, vorsichtig geschätzt. Hopp als „Abramowitsch von Walldorf“, also einige Nummern kleiner, zu betiteln wäre eigentlich naheliegend. Plant der SAP-Mitbegründer doch für 40 Millionen Euro ein Fußballstadion samt Infrastruktur nahe dem SAP-Konzernsitz in Walldorf, das bis zum Jahr 2008 stehen soll. Die Basis für eine bundesligataugliche Mannschaft sollen die Amateurvereine Hoffenheim, Sandhausen und Walldorf bilden. Damit nicht genug, wird auch in neue Spieler investiert werden müssen, denn das Team soll in der Saison 2008/2009 zunächst in der zweiten Bundesliga spielen. Ziel ist jedoch die erste Liga. Die Kosten für das Team stehen noch nicht fest.
„Ich war begeisterter Fußballer“
Doch Hopp sagt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Ich bin das totale Gegenteil von Abramowitsch“ und liefert gleich mehrere Belege. Er ist seit 15 Jahren begeisterter Förderer des Jugendfußballs. Bei den Vereinen Hoffenheim und Walldorf spielen die A-, B- und C-Jugend mittlerweile in den jeweils höchsten deutschen Klassen, weist er auf Erfolge hin. Im „Jugendförderzentrum Dietmar Hopp“ kicken in den Vereinen insgesamt 550 Jugendliche in 36 Mannschaften.
Hopp, der als Jugendlicher in Hoffenheim einst selbst gegen den Ball trat („Ich war begeisterter Fußballer und kein schlechter“), hat bisher zwischen 15 und 20 Millionen Euro in den Fußball investiert. Antrieb war neben der eigenen Fußballbegeisterung die Jugendförderung. „Das ist eine soziale Verantwortung, die ich fühle als reicher Mann“, lautet seine Begründung für das Engagement. Überhaupt, reiche Leute, „die nur mit der Yacht herumfahren, sind für mich Egoisten“, legt er in Anspielung auf den russischen Multimilliardär nach.
„Dafür fühle ich mich noch zu jung“
Die von Hopp geförderten Jugendlichen beschäftigen sich denn auch nicht nur mit Fußball. Das Förderkonzept umfaßt neben der schulischen auch die berufliche und persönliche Entwicklung der Jugendfußballer. Darauf achtet Hopp besonders. Im Mannschaftssport Fußball lasse sich viel für das Leben lernen, sagt er, Teamfähigkeit zum Beispiel. Bezeichnenderweise trägt sein Konzept den Obertitel „Anpfiff ins Leben“. Diese Jugendförderung läßt er sich 1,4 Millionen Euro im Jahr kosten. Die erste Hoffenheimer Mannschaft spielt derzeit mit einem Jahresetat von 3,5 Millionen Euro in der Regionalliga Süd. „Wenn ich richtig informiert bin, hat Abramowitsch gleich ganz oben angefangen“, sagt Hopp. Und wäre es nach ihm gegangen, dann wäre aus dem Modell Hoffenheim auch ein künftiger Bundesligist entstanden.
Doch da war der Deutsche Fußballbund (DFB) vor. Für das Stadion in Hoffenheim, auf einem Hügel nahe einer Wohngegend gelegen, hätte er keine Genehmigung für Bundesligafußball bekommen. „Das hat mir der DFB vorvergangene Woche geschrieben.“ Nun stand er vor der Alternative, „weiter in der Regionalliga dümpeln“ oder einen großen Schritt machen. Er entschied sich gegen das Dümpeln, „dafür fühle ich mich auch noch zu jung“, sagt der 65 Jahre alte Hopp.
„Hopps Spiel“
Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Hopps Projekt Bundesliga soll kein Hobby, kein Zuschußgeschäft werden. Eine GmbH wird der Träger der künftigen Bundesligamannschaft sein und das Stadion vom Privatmann Dietmar Hopp mieten. „Wir haben die Absicht, ein positives Ergebnis zu erzielen“, gibt er vor. Eine negative Rendite dürfe es nicht geben, allerdings muß sie vermutlich auch nicht allzu hoch sein. Unternehmen der Region will er als Unterstützer und Sponsoren gewinnen.
Den Finanzdienstleister MLP, mit dessen Gründer Manfred Lautenschläger ist Hopp privat bekannt, hat er schon angesprochen, weitere sollen folgen. Der Mannheimer Energieversorger MVV hat bereits Unterstützung avisiert. Zwei namhafte Konzerne der Region haben allerdings auch schon abgewinkt. Die Heidelberger Druckmaschinen AG hat bisher keine Verbindung zum Sport, und das soll auch künftig so sein, sagte ein Sprecher. Der Chemiekonzern BASF, dessen stellvertretender Vorstandsvorsitzender Eggert Voscherau eine Initiative zur Förderung der Region an Rhein und Neckar anführt, läßt ausrichten, man unterstütze Breiten-, nicht Spitzensport. Im übrigen „ist das nicht Voscheraus sondern Hopps Spiel“, heißt es hinter vorgehaltener Hand beim weltgrößten Chemiekonzern.
„Wir machen hier nicht den Abramowitsch“
Regionaler Kleingeist dürfte Hopps Projekt aber nicht verhindern. Die einzige Schwierigkeit, die das Vorhaben noch scheitern lassen könnte, ist nach Angaben von Hopp, keine Genehmigung für den Stadionbau in der Nähe von Walldorf zu bekommen, „sonst sehe ich keine Hindernisse“. Die bürokratischen Hürden dürften am SAP-Sitz Walldorf und beim Land Baden-Württemberg eher schneller als langsamer genommen werden. Sollte das wider Erwarten scheitern, „dann machen wir in Hoffenheim weiter in der Regionalliga“, sagt Hopp.
Mit einer mangelnden Identifikation von Fans oder Region mit einer Bundesligamannschaft rechnet er nicht. Natürlich ist ihm klar, daß eine Ligamannschaft nicht nur aus der eigenen Jugend rekrutiert werden kann. Der neue Verein, dessen Name noch nicht feststeht, wird auch Spieler einkaufen müssen. Hopp verspricht eine „sympathische Mischung“ aus Kickern aus der Region und Einkäufen. Bei Bayern München spielten auch Fußballer vieler Nationalitäten und die Fans identifizierten sich mit dem Verein. Doch eines sei schon heute schon klar, es wird nichts auf Biegen oder Brechen unternommen, „wir machen hier nicht den Abramowitsch“, sagt Hopp.
„Ich will nicht Geld machen, ich habe ja genug“
Neben seinem fußballerischen Interesse ist Hopp an Unternehmen der Region beteiligt. Daß ihm dabei ein „Faible für Sanierungsfälle“ nachgesagt wird, hält er für nicht richtig. Die Eichbaum-Brauerei sei zwar ein Sanierungsfall gewesen, doch die sei ihm im Rahmen einer stillen Beteiligung zugefallen. „Die paßt auch nicht zu mir, zählt nicht zu meinen Lieblingsbeteiligungen und ist kein lebenslängliches Werk.“ Vor geraumer Zeit gab es bereits Verkaufsgerüchte. Viel lieber redet Hopp über seine Beteiligung an der Walldorfer Firma ICW, die Software für die elektronische Gesundheitskarte herstellt, auf der alle möglichen medizinischen Daten gespeichert werden können. ICW soll Anfang 2007 an die Börse, kündigt Hopp an.
Heidelberg Pharma eine weitere Hopp-Beteiligung sei schon sehr weit mit einem Krebsmedikament, „mit höchstem Potential“, sagt Hopp. Er erwähnt noch Firmen wie Cytonet, die Zellen züchtet, um in Zukunft Lebertransplantationen zu vermeiden und die Mannheimer Febit, die ein Gerät zur DNA-Analyse herstellt. Febit hat zwar vor drei Jahren den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft gewonnen, mußte letztes Jahr aber Insolvenz anmelden. Hopp hat sie gerettet. „Ich will ja nicht Geld machen, ich habe ja genug“, sagt Hopp zur Motivation seiner Unternehmensbeteiligungen, „es macht Spaß, es ist Sport.“
„Im Golf hatte Plattner nie eine Chance“
Spaß macht ihm auch seine größte Beteiligung, die rund 10 Prozent am Softwarekonzern SAP, den er mitgegründet hat. Vor allem der derzeitige Erfolg in Amerika freut ihn. Bisher sei es weder Microsoft noch Oracle gelungen, SAP wirklich Konkurrenz zu machen. Und um die Zukunft von SAP ist ihm nicht bange. Der Konzern, den er vor 33 Jahren mitgründete, „hat sehr gute Chancen, seinen 100. Geburtstag zu erleben.“
Mit Hasso Plattner, dem Mitgründer und heute Aufsichtsratsvorsitzenden von SAP, werde er sich künftig nur im Golfspiel messen, hatte Hopp bei seinem Abschied aus dem Aufsichtsrat im Mai dieses Jahres angekündigt. Anfang Dezember ist es wieder soweit, in Südafrika. Das Ergebnis steht für Hopp schon heute fest: „Im Golf hatte Plattner nie eine Chance.“