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Die neue Macht Basketball

 ·  Von Michael Reinsch

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Yao Ming und Dirk Nowitzki, Emanuel Ginobili und Andrej Kirilenko - in Peking führt der Weg der Stars aus der Ruhmeshalle aufs Parkett, nicht umgekehrt. Vier Spieler aus der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA trugen beim Einmarsch der Mannschaften am vergangenen Freitag die Flaggen ihrer Heimatländer. Dem schier unglaublichen Jubel, den sie auslösten, folgte zum Auftakt des olympischen Turniers am Sonntag das Spiel mit dem größten Publikum, das es je gegeben hat. Eine Milliarde Fernsehzuschauer sollten bei der Partie zwischen China mit seinen zwei Stars aus der NBA und den Vereinigten Staaten, der Heimat des Basketballs, dabei sein - ein Traumergebnis. Ob Debütant wie Nowitzki oder Olympiasieger wie Ginobili, ob Kobe Bryant, LeBron James oder Yao Ming - vom Glanz solcher Stars profitiert auch das größte Sportfest der Welt.

Der furiose Beginn des Turniers zeigt, dass Basketball im Zentrum der Spiele angekommen ist. Das sei nicht schwer, mag man argumentieren, bei diesem Festival der Randsportarten, dessen Protagonisten meist froh sind, alle vier Jahre überhaupt einmal Beachtung zu finden. Doch die Macht, mit der die Vermarktungsmaschinerie NBA dem olympischen Turnier seinen Stempel aufgedrückt hat - von der Architektur der Halle bis zur Sprache der Spieler und der Fernsehregie -, ist ein geplanter Erfolg und eine Folge der Globalisierung dieses Zweiges der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Die NBA hat einerseits China mit hochkarätigen Begegnungen und Turnieren regelmäßig bespielt und andererseits die größten Talente des Reiches integriert. Basketball ist in China und dem Rest der Welt so sehr zu Hause, dass die bekanntesten Spieler gar nicht auf die Straße gehen können, ohne Menschenaufläufe und Verkehrschaos auszulösen.

Basketball, eine olympische Kernsportart? Bisher galt die Leichtathletik als Gravitationszentrum der Spiele. Ihre Wettbewerbe beginnen am kommenden Freitag und werden sicher wieder ihre eigene Magie entfalten. Von den zweihundert Flaggenträgern, die nicht in der NBA spielen, stammen 59 aus der Leichtathletik. Wenn das Wetter in Peking so bleiben sollte, wie es ist, werden die Leichtathleten in strömendem Regen rennen, springen und werfen. Aber das hindert sie nicht. Denn der Grund dafür, dass die Leichtathletik auch in Zukunft die Welt des Sports dominieren wird, ist ihre Anspruchslosigkeit, im Gegensatz zum Basketball. Wo keine Körbe aufgehängt werden können, wo es keinen Ball gibt, wo keine Halle steht, dort wird eben gerannt und gesprungen. Die Stärke der Leichtathletik bleibt, dass sie so einfach ist. Sie ist immer auch eine Aufforderung zum Mitmachen.

Der Reiz des Basketballs liegt woanders: in seiner medialen Darstellung. Vom Sportplatz ist er ins Fernsehstudio gezogen. Weil die Sportart konsequent die Bedingungen des Video-Zeitalters nutzt, ist sie so erfolgreich. Basketball überwältigt die Zuschauer und bringt sie zum Staunen. Olympia lädt mehr denn je zum Platznehmen vor dem Fernseher ein.

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