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Die Leichtathletik-WM vom Freitag Infusion für Zehnkämpfer ist kein Dopingfall

12.08.2005 ·  Roman Sreble bleibt WM-Zweiter im Zehnkampf. Fünf deutsche Athleten und die Sprintstaffel der Männer haben sich für die Finals am Abschlußwochenende qualifiziert. Die Leichtathletik-WM vom Freitag in der Zusammenfassung.

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Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) wird keine Konsequenzen aus der Behandlung der tschechischen Zehnkämpfer Roman Sebrle und Tomás Dvorak mit einer Glucose-Lösung während des WM-Wettbewerbs ziehen. „Aus unserer Sicht ist es kein Fall“, erklärte IAAF-Vizepräsident Helmut Digel am Freitagabend in Helsinki. Nach IAAF-Regel 144 sei eine medizinische Behandlung eines Wettkämpfers zulässig. Damit bleibt Olympiasieger Sebrle Vizeweltmeister.

Das Zehnkampf-Duo hatte am Mittwoch vor dem abschließenden 1500- Meter-Lauf eine Traubenzucker-Infusion erhalten, was für Wirbel bei der WM sorgte. Die IAAF hatte daraufhin Ermittlungen eingeleitet und die Rechtmäßigkeit dieser ärztlichen Hilfe überprüft. „Die Medizinische Kommission der IAAF stellte jedoch fest, daß nach der Regel 144 eine solche Behandlung möglich ist“, sagte Digel. Außerdem habe es keinen Protest gegen diese Glucose-Gabe von anderen teilnehmenden Nationen gegeben. Zuvor hatten bereits die tschechische WM-Mannschaft und die Athleten selbst jede Manipulationsabsicht von sich gewiesen. „Wir haben nicht gegen die Regeln verstoßen“, erklärte der tschechische Teamchef Frantisek Fojt auf einer Pressekonferenz.

„Wir haben die Regeln nicht gebrochen“

Der tschechische Mannschaftsarzt Petr Sikora bestätigte, daß er Sebrle und Dvorak eine Lösung mit 20 Milliliter Glucose gegeben habe. „Sie waren unterzuckert. Es waren schwierige Bedingungen. Priorität hatte die Gesundheit der Athleten“, begründete er die Verabreichung. Dabei habe es sich nicht um verbotene Mittel gehandelt, betonte Fojt. Es sei zudem das erste Mal gewesen, daß Sebrle und Dvorak bei einem Zehnkampf zwischendurch eine solche Traubenzucker-Lösung erhalten hätten. „Wir haben die Regeln nicht gebrochen. Wir wollten nur den Zehnkampf zu Ende bringen können“, betonte auch Sebrle.

Nach den IAAF-Regeln ist eine Infusion verboten, wenn sie die Gültigkeit einer Doping-Kontrolle beeinträchtigt. Die beiden tschechischen Athleten seien nach dem 1500-Meter-Lauf zur Doping- Kontrolle gebeten worden. „Die Ergebnisse sind noch nicht bekannt, aber die IAAF kann bestätigen, daß keine der Doping-Proben verwässert wurde“, hieß es in einer IAAF-Mitteilung.

Digel: Die Ethik-Debatte beginnt

„Die Regel-Diskussion ist zu Ende, doch die Ethik-Debatte beginnt“, sagte Digel nach dem Ende der Affäre. Kritisch steht auch Dr. Uwe Wegner, leitender deutscher WM-Mannschaftsarzt, der Behandlung während eines Wettbewerbs gegenüber: „Es gibt keinen Grund für Infusionen, auch bei Dehydrierung nicht. Dies ist kein akuter Notfall.“ Olympiasieger Sebrle war bei seinem fünften Weltmeisterschafts- Start mit 8521 Punkten Zweiter hinter dem US-Amerikaner Bryan Clay und vor dem Ungarn Attila Zsivoczky geworden. Dvorak hatte Platz acht belegt und keine Chance auf eine Medaille. Der 30 Jahre alte Sebrle, der 2001 in Götzis mit 9026 als erster Zehnkämpfer die 9000-Punkte- Barriere durchbrochen hatte, hätte Clay nicht mehr einholen können. Von einer Disqualifikation der Tschechen hätte der Berliner André Niklaus als Viertplazierter profitieren und zu Bronze kommen können.

Triumph und Debakel Amerikas Sprinter

Die Männerstaffel der Amerikaner patzte, Allyson Felix glänzte nur Minuten später mit dem vierten Sprintgold. Im Finale über 200 Meter setzte sich die erst 19 Jahre alte Amerikanerin am Freitag in 22,16 Sekunden durch und bescherte der Leichtathletik-Supermacht am siebten Wettkampftag den zehnten Titel. Silber gewann Rachelle Boone-Smith (Vereinigte Staaten) in 22,31 Sekunden vor der zeitgleichen Französin Christine Arron.

Deutsche Athleten in Finalkämpfen

Fünf deutsche Athleten und die Sprintstaffel der Männer qualifizierten sich für die Finals am Abschluß-Wochenende: Steffi Nerius und Christina Obergföll (beide Speerwurf), Nadine Kleinert und Christina Schwanitz (Kugelstoßen) sowie Weitspringer Nils Winter erreichten den Endkampf.
Das deutsche Quartett mit Alexander Kosenkow, Marc Blume (beide Wattenscheid), Tobias Unger (Kornwestheim/Ludwigsburg) und Marius Broening (Tübingen) erreichte über 4 x 100 Meter den Endlauf, der am Samstag überraschend ohne die Amerikaner stattfinden wird: Die Favoriten patzten gleich beim ersten Stabwechsel und schieden aus. Dieses Debakel war den Amerikanern schon bei den Weltmeisterschaften 1995 in Göteborg und 1997 in Athen passiert.

Steffi Nerius macht kurzen Prozeß

Die Olympiazweite aus Leverkusen stellte in der Qualifikation gleich mit ihrem ersten Versuch eine persönliche Bestleistung auf. Mit 66,52 Metern empfahl sie sich für das Finale am Sonntag. Die Leverkusenerin staunte über sich selbst: „Ich hatte gar nicht vor, so weit zu werfen.“ Kein halber Meter fehlt Nerius noch zum deutschen Rekord der Berlinerin Tanja Damaske, die am 4. Juli 1999 in Erfurt 66,91 Meter erzielt hatte. Nun will die 33-Jährige bei der Medaillenvergabe den große Wurf landen. Auch die Offenburgerin Christina Obergföll zog in den Endkampf ein.

Nils Winter (Leverkusen) schaffte den Weit-Sprung in den Endkampf mit 7,91 Metern mit viel Glück gerade noch als Zwölfter. Die Olympiazweite Nadine Kleinert (Magdeburg) übertraf gleich im ersten Versuch mit 18,90 Metern die Qualifikationsnorm deutlich, Christina Schwanitz (Neckarsulm) folgte ihr mit 18,35 Metern wenig später.

Quelle: FAZ.NET mit Material von sid/dpa.
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