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DFL-Sicherheitspapier Zur Entscheidung getrieben

Der Druck der Politik hat Vereine und Verbände zum schnellen Handeln gezwungen. Enttäuschte Erwartungen vieler Fangruppen sind der Preis mangelhafter Kommunikationsfähigkeit vieler Vereine. Nun ist es höchste Zeit, dass die Klubs ihrer Klientel zuhören.

© dpa Vergrößern Die Fans waren dagegen, beschlossen wurde das Sicherheitspapier trotzdem

Dass der Tag der Entscheidung als Tag der Harmonie in die Jahreschronik eingehen könnte, hatten nicht einmal die kühnsten Optimisten im deutschen Fußball erwartet. Die Demonstration von rund fünfhundert Fans noch vor dem Tagungshotel in Frankfurt war daher auch das passende Schlussbild einer monatelangen Konfrontation des organisierten Fußballs mit den organisierten Fans. Der abgelehnte Antrag des FC St. Pauli während der Mitgliederversammlung des Ligaverbands, die Abstimmung über das strittige Sicherheitsthema noch einmal zu vertagen, um die Anhänger stärker in die Sicherheitsdebatte einzubinden, machte noch einmal deutlich, dass die Konfliktlinien nicht einfach durch den Mehrheitsentscheid der 36 Profiklubs verschwunden sind. Der Ligaverband aber hat sich an diesem Mittwoch auf Druck der Politik zur Geschlossenheit verpflichtet gefühlt und sich selbst mit großer Mehrheit ein neues Sicherheitskonzept verordnet - bevor der Staat die Sache in die harte Hand nimmt.

Ein neuer Player drängt aufs Spielfeld

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Alle Anträge wurden mit deutlicher Mehrheit angenommen, aber welche Auswirkungen stärkere Kontrollen und andere Maßnahmen im Stadionalltag tatsächlich haben, muss sich erst noch zeigen. Die Fankultur sei nicht gefährdet, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Dass die Vereine mit ihrem eindeutigen Votum dennoch die Erwartungen vieler Fangruppen enttäuscht haben dürften, war der Preis mangelhafter Kommunikationsfähigkeit der beiden Verbände und vieler Vereine mit ihren Fans, die sich mit vollendeten Tatsachen nicht mehr einfach abfinden wollen.

© reuters, Reuters Vergrößern DFL-Sicherheitspapier: „Es ist trotzdem kein Triumph“

Wichtiger jedoch als einzelne Anträge, die der Profifußball an diesem Mittwoch durchgewinkt hat, wird der Ton sein, mit dem der organisierte Fußball künftig seiner Klientel in der Kurve begegnet, die nicht mehr wie noch in der jüngsten Vergangenheit einfach ignoriert werden kann. Stimmungsboykotte in den Stadien und Demonstrationen in Städten haben zuletzt gezeigt, dass im Profifußball ein neuer Player aufs Spielfeld drängt, der für die Fußball-Führungskräfte eine neue, aber noch ziemlich unbekannte Herausforderung darstellt. Alleine diesen Fakt einer neuen Interessengruppe im Profifußball anzuerkennen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass der organisierte Fußball seine Sicherheitsentscheidungen diesmal eben wegen des Drucks der Politik auf allzu eilige Weise durchpauken musste, könnte einen Dialog stärken, der in der vergangenen Woche einen ersten Anfang genommen hat.

Politische Keule

Bei allem Populismus, den die Innenminister in der Sache immer wieder an den Tag gelegt haben, hat aber erst dieser Druck auf das Gros der Vereine (und die Verbände) wie ein Weckruf gewirkt. Die politische Keule von Stehplatzverboten und Kostenbeteiligung bei Polizeieinsätzen war die Sprache, die der organisierte Fußball verstanden hat. Nun ist es höchste Zeit, dass die Klubs auch ihrer Klientel zuhören und sich im Umgang mit ihren Fans Kompetenzen aneignen, mit denen die es an vielen Fußballstandorten nicht weit her ist. Über die Sicherheit im Fußball und die Stimmung in den Kurven ist in Frankfurt nicht endgültig entschieden worden - das ist eine Aufgabe, die jeder Klub nun mit in sein Stadion nimmt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.12.2012, 17:07 Uhr

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