12.11.2008 · Reinhard Rauball ist Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und von Borussia Dortmund. Rauball sagt, dass der Profifußball um seine soziale Verantwortung weiß. Im FAZ.NET-Gespräch fordert er Kompromissbereitschaft von den kritischen Anhängern.
Reinhard Rauball ist Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und von Borussia Dortmund. Rauball sagt, dass der Profifußball um seine soziale Verantwortung weiß. Im FAZ.NET-Gespräch fordert er Kompromissbereitschaft von den kritischen Anhängern.
In der Öffentlichkeit nimmt man Sie nur als Fußballfunktionär wahr. Wie sind Sie denn als Fan?
Ich leugne am Spieltag nicht meine repräsentativen Verpflichtungen. Aber ich bin dann in genauso starkem Maß Fan. Das merke ich, weil ich am Spieltag schon beim Frühstück nervös werde. Ab diesem Zeitpunkt bin ich Fan, während ich nach dem Aufstehen noch als Vorstandschef aus dem Fenster schaue, ob womöglich Regen die Zuschauereinnahmen mindern könnte.
Wie wirkt sich Ihr Fandasein auf Ihr Verhalten aus?
Ich bin dann ein begrenzt angenehmer Gesprächspartner für Leute, die nicht über Fußball reden wollen. Wenn ich dann auf dem Weg ins Stadion Schals und Trikots sehe, ist das für mich ein weiterer Höhepunkt. Während des Spiels erlaube ich mir dann den Luxus, unser Spiel zu sezieren und mir meine eigene, subjektive Meinung zu bilden.
Hört man dann auch Anfeuerungsrufe von Ihnen?
Das eher nicht.
Sehen Sie den Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Fandasein und dem eines Ultras wie Julius Neumann?
Ich sehe Gemeinsamkeiten darin, dass wir beide uns in höchstem Maße für unsere Vereine engagieren. Sicher haben wir aber unterschiedliche Vorstellungen, wie wir das ausleben.
Verstehen Sie die Sensibiltät der Fans im Umgang mit Veränderungen beispielsweise im Stadion?
Wir hatten in Dortmund zu Saisonbeginn beim Einlaufen eine Riesen-Fahne vor der Südtribüne aufgezogen, die von einem Sponsor finanziert wurde. Mir hat das sehr gut gefallen, die Fans waren aber empört, dass auf ihrer Tribüne Werbung gemacht wird. Das haben wir respektiert, und die Fahne wird nun nicht mehr ausgerollt. Das sind Kompromisse, die wir mit unseren Fans eingehen. Genauso müssen aber auch Fans Kompromisse akzeptieren.
Wie nennen Sie eigentlich das Stadion Ihres Vereins? Westfalenstadion oder Signal Iduna Park?
Ich sage schon immer, dass ich zur Borussia gehe.
In Fankreisen ist Hoffenheim ein Reizthema. Könnten Sie sich vorstellen, zu diesem Verein zu halten?
Diese Frage stellt sich nicht. Ein Fan ist treuer als ein Ehemann. Ich bin der Borussia treu.
Was würden Sie fordern, wenn Sie nicht im Vorstandssessel sitzen, sondern in der Südkurve stehen würden?
Ich würde als Südtribünen-Fan erwarten, dass mein Präsident mit mir diskutiert, wenn es ein Thema gibt. Danach handele ich als Präsident.
Was erwarten Sie als Präsident von Ihren Fans?
Es gibt im Fußball viele Interessengruppen, von den Ultras über Sponsoren und Vereine bis hin zu den Medien. Ich erwarte, dass alle Seiten kompromissbereit sind. Wir als Verein verzichten beispielsweise auf Mehreinnahmen, indem wir für unsere Fans die größte Stehplatztribüne Europas und somit viele günstige Plätze bewahren, statt für das schnelle Geld mehr Sitzplätze zu errichten. Das ist ein Entgegenkommen an unsere Fans.