Home
http://www.faz.net/-gtl-750e7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

DFL-Papier Ein guter Tag für den Fußball?

Das Sicherheitspaket zum Thema „Stadionerlebnis“ wird mit großer Mehrheit verabschiedet. Trotzdem führt die Mitgliederversammlung der DFL eines noch einmal zu Tage: Das Misstrauen zwischen Fans und Ordnungsmacht ist groß.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Hunderte Fans vor dem Hotel und ihre Stimme: „Die Gefahr ist groß, dass jetzt Probleme auftreten, die es vorher nicht gab“

Das Szenario am Ort der Entscheidung führte das Dilemma noch einmal im Kleinen vor Augen. Straßensperren, demonstrative Polizeipräsenz, Videoüberwachung - das alles konnte bei manchem Beobachter durchaus ein leichtes Gefühl von Beklommenheit verursachen. Andere wiederum werden unter dem Eindruck von ein paar hundert überwiegend schwarz gekleideten Fußballfans eine potentielle Bedrohung empfunden haben. Alles in allem war vor dem Hotel in einem Frankfurter Büroviertel, in dem sich die 36 deutschen Profiklubs an diesem Mittwoch zur Mitgliederversammlung trafen, ganz handfest zu spüren, wovon in den vergangenen Tagen und Wochen so viel die Rede gewesen war: Dass das gegenseitige Misstrauen groß ist zwischen einem Teil der Fußballfans auf der einen Seite und der Ordnungsmacht auf der anderen.

Mehr zum Thema

Christian  Kamp Folgen:    

Als die Vertreter der Liga am Nachmittag vor die Öffentlichkeit traten, um zu verkünden, was die Versammlung beschlossen hat, taten sie das mit einer doppelten Botschaft: Zum einen demonstrierten sie ein hohes Maß an Einigkeit: Alle 16 Anträge zu Sicherheitsmaßnahmen in deutschen Stadien, die unter dem Begriff „Stadionerlebnis“ - der Zusatz „sicher“ verschwand im Laufe des Prozesses - subsumiert waren, wurden angenommen. Und zwar, wie Ligapräsident Reinhard Rauball betonte, mit „großer Mehrheit“. Zugleich versuchte Rauball, den Fans die Botschaft mit verbalem Entgegenkommen wenn schon nicht schmackhaft, dann doch zumindest verdaulich zu machen: „Ich glaube, dass unter dem Strich der professionelle Fußball als Gewinner hervorgegangen ist“, sagte Rauball. Und an die Adresse der Fans: „Wir können allen Fans versichern, dass die heutigen Beschlüsse die Fußballkultur in Deutschland nicht gefährden werden - im Gegenteil, sie werden sie schützen.“

„Die Drohungen müssen damit vom Tisch sein“

Rauball bezog sich damit auf die Drohungen von Seiten der Politik, die im Falle eines Scheiterns des Sicherheitskonzepts mit teils drastischen Maßnahmen gedroht hatte, allen voran einer Abschaffung der Stehplätze sowie für die Vereine eine finanzielle Beteiligung an den Einsatzkosten der Polizei. Diese Szenarien sieht Rauball als erledigt an. „Der Politik möchte ich zurufen: Die Drohungen der vergangenen Wochen müssen damit ein für alle Mal vom Tisch sein“, sagte er und machte damit auch deutlich, wie sehr ihm die Einmischung der Politik in die Verbandsautonomie missfallen hatte.

Die größten Bedenken der Fanvertreter hatten drei wesentlichen Punkten gegolten. Erstens der Frage, ob die Klubs ohne weiteres Heimspiele zu Risikospielen erklären können, was mit einem reduzierten Kontingent an Eintrittskarten für die Auswärtsfans verbunden wäre. Zweitens der Durchführung von Sicherheitskontrollen beim Einlass - hier wurde moniert, dass die als unverhältnismäßig und grenzüberschreitend empfundenen Ganzkörperkontrollen nicht explizit ausgeschlossen wurden. Und drittens ging es um das Tempo, mit der das Konzept, das in Folge der Sicherheitskonferenz im Juli dieses Jahres entwickelt wurde, den Weg durch die Institutionen nehmen sollte. Auch einigen Vereinen ging es etwas zu schnell. Sie beantragten eine Vertagung der Entscheidung, doch ihr Antrag wurde bei nur fünf Ja-Stimmen abgelehnt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutsch-russische Beziehungen Bund für Wechsel an der Spitze des Petersburger Dialogs

Im Petersburger Dialog müsse es auch Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der russischen Politik geben. Das steht in einem Eckpunktepapier, das vom Kanzleramt unterstützt wird - und das einen Wechsel an der Spitze des Gesprächsforums fordert. Mehr

22.11.2014, 18:18 Uhr | Politik
1. FC Kaiserslautern Pfälzer Wahrheiten

FCK-Boss Stefan Kuntz war der Held am Betzenberg, nun stellen die Mitglieder Fragen. Es geht um sechs Millionen Euro, die fehlen, und um EU-Zusagen, die es gar nicht gibt. Mehr Von Michael Ashelm

19.11.2014, 12:01 Uhr | Sport
Zweite Bundesliga Nürnberg entlässt Trainer Ismael

Valerien Ismael ist nicht mehr Trainer des 1. FC Nürnberg. Nach sieben Niederlagen aus 13 Spielen trennen sich die Franken von dem erfolglosen Coach. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernehmen Fitness- und Torwarttrainer. Mehr

10.11.2014, 23:22 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 15:20 Uhr

Alles ist wieder gut

Von Christian Eichler

Suárez biss Chiellini, Zúñiga brach Neymar den Lendenwirbel. Lange dauerte es nicht, inzwischen vertragen sich alle wieder. Das dauerte zu Zeiten von Rijkaard und Völler noch deutlich länger. Mehr

Umfrage

Wer ist Ihr Weltfußballer 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.