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DFB-Präsidenten : Mayer-Vorfelder: „Werde kein halber Chef sein“

  • Aktualisiert am

Auf Wahl-Promotiontour: Gerhard Mayer-Vorfelder Bild: dpa

Egidius Braun wird Ehrenpräsident des DFB. Sein designierter Nachfolger im Amt des DFB-Präsidenten, Gerhard Mayer-Vorfelder, wehrt sich gegen Kritiker und will in den Trainerstab investieren.

          Der 75-jährige Egidius Braun wird Ehrenpräsident des DFB. Sein Amt als Präsident des größten Sport-Fachverbandes der Welt wird er beim Bundestag am 27. und 28. April in Magdeburg offiziell abgeben und soll dort den Ehrentitel erhalten.

          Sein designierter Nachfolger Gerhard Mayer-Vorfelder hat zwölf Wochen vor seinem Antritt als DFB-Präsident die ersten wichtigen Aufgaben als Verbandschef skizziert. Im Werben für Zustimmung zu seiner Wahl, bei der es keinen Gegenkandidaten gibt, erklärte Mayer-Vorfelder die Rekrutierung neuer Nationalspieler zur Chefsache Nummer eins. Er gab bekannt, dass Michael Skibbe sportlicher Chefstratege des DFB werden wird.

          „Ich sehe mich nicht als Präsident, der nichts mehr zu sagen haben wird“, entgegnete Mayer-Vorfelder seinen Kritikern. So wie Bayern-Manager Uli Hoeneß, der in“MV“ künfttig ohnehin nur noch einen „halben Chef“ mit wenig Kompetenzen sieht, als Repräsentant des Deutschen Fußball-Bundes. Schließlich handeln die Profivereine ab sofort durch den Ligaverband sehr unabhängig.

          „MV“ wehrt sich gegen Vorwürfe der Kritiker

          Mayer-Vorfelder pochte darauf, als Präsident das wichtigste Team im Land zumindest politisch zu bestimmen: „Wenn ein Talente-Programm greift, wirkt es sich auch auf die Nationalmannschaften aus. Und die bleibt allen Unkenrufen zum Trotz der Deutschen liebstes Kind“. Und um dessen Zukunft zu sichern, will er als DFB-Boss tief in die Kasse greifen: Zwölf Millionen Mark jährlich wird es für „U 11“ und „U 12“-Junioren geben, 800 000 Mark fließen in die sportbetonten Schulen.

          „Mit seiner Kompetenz im Leistungsbereich wird er den DFB nach vorn bringen“, urteilte Theo Zwanziger, der im neuen „Kabinett“ von Mayer-Vorfelder den Posten des Schatzmeisters erhalten will. Auch für den Bereich der DFB-Trainer kündigte der designierte DFB- Präsident Veränderungen an. „Wenn der nationale Fußball die Gesamt- Reputation halten oder verstärken will, braucht er renommierte Trainer aus der Bundesliga“, unterstrich Mayer-Vorfelder.

          „MV“: Skibbe die Idealbesetzung als Sportdirektors

          Schon das Beispiel Rudi Völler zeigt, dass der DFB dabei auch von der jahrelangen Braun'schen Politik der schmalen Kosten abrückt. „Natürlich kosten die mehr als der Trainerstab, der vorher war“, sagte Mayer-Vorfelder. Er hält ebenso Vergrößerungen der Abteilung Jugend bis hin zur Olympia-Auswahl für notwendig. „Programme durchführen und kontrollieren kannst du mit dem Personalstand von heute nicht.“

          Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Ex-Dortmunder Skibbe zu. Schon der scheidende DFB-Präsident Braun hatte die Idee eines „sportlichen Direktors“ neben dem Teamchef für die A-Nationalelf in Planung. „Für mich ist es jetzt die Besetzung“, sagte Mayer-Vorfelder, der die Idee umsetzte und Skibbe beförderte. „Ich halte es für psychologisch ungeheuer wichtig, dass er von den anderen anerkannt wird, weil er die A-Nationalmannschaft betreut.“ Skibbe, der einen Vertrag bis 2004 bekam, werde auch bei der Neubesetzung von DFB-Trainerstellen oder Vertragsverlängerungen (Uli Stielike, Horst Hrubesch, Hannes Löhr und andere) entscheidendes Mitspracherecht haben, erklärte Mayer- Vorfelder.

          „Beschäftige mich nicht mit Gegenkandidaten“

          Dass der eingeschlagene Kurs durch einen Gegenkandidaten für die Wahl am 28. April beim DFB-Bundestag in Magdeburg noch überraschend durchkreuzt wird, glaubt Ex-Politiker Mayer-Vorfelder nicht: „Ich beschäftige mich mit dieser Frage nicht. Wenn er kommt, dann kommt er.“ Bis zum 3. März hätten Gegner satzungsgemäß noch Zeit, einen Anwärter anzumelden. „Ich habe schon viele demokratische Wahlen durchzustehen gehabt, in denen weitere Kandidaten da waren“, so Mayer-Vorfelder in Berlin.

          Gerade jetzt, wo eine Neustrukturierung im deutschen Fußball da sei, wo die Brücke zwischen Amateuren und Profis immer wieder geschlagen werden müsse, „glaube ich schon, dass ich das nötige Rüstzeug mitbringe, um dort auch vermitteln zu können, wenn es Spannungen gibt“, erklärte Mayer-Vorfelder.
           

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