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DFB-Pokal-Kommentar Angriff auf die Romantik

Klopp fordert Rasenheizungen selbst für Pokalspiele bei unterklassigen Gegnern. Der Wutausbruch des Dortmunder Trainers ist verständlich. Allerdings greift er die eigenen Gesetzte des Pokals an.

© dapd Vergrößern Rasenheizungs-Lobbyist: Jürgen Klopp protestiert

Jürgen Klopp hat einen guten Zeitpunkt gewählt für seinen Wutausbruch nach dem Pokalspiel bei Holstein Kiel. Seine Dortmunder hatten souverän 4:0 gewonnen. Es hatte sich kein Spieler verletzt. Aus dieser Position heraus ließen sich die Forderungen nach einer Rasenheizungspflicht bei winterlichen Pokalspielen selbst gegen niederklassige Gegner und auch eine Anklage gegen die Fernsehsender glaubwürdiger vertreten als nach einer Pokalpleite des Meisters bei einem Viertligaklub.

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Der Kern der Kritik ist bedenkenswert: Welchen Mut hätte Schiedsrichter Felix Zwayer, immerhin ein etablierter Unparteiischer aus dem Stand der Fifa-Schiedsrichter, zeigen müssen, um am Abend im Alleingang den Anpfiff zu verweigern? Rundherum hatte die ARD schon die Übertragungswagen geparkt und die Kameras aufgebaut, in sämtlichen Radiosendern und bei jeder möglichen Gelegenheit im Fernsehprogramm wies sie auf die Live-Übertragung des Pokalknüllers am Abend hin. Da braucht es keine direkte Einflussnahme seitens des Rechteinhabers mehr; ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky wies solche Eingriffe, vermutlich zu Recht, von sich.

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Im konkreten Fall ist freilich gar nicht erwiesen, ob der Platz eine Gefährdung für die Gesundheit der Spieler dargestellt hatte, wie Klopp es andeutete. Stattdessen wirken die Ausführungen des Meistertrainers - dessen Klub weder bei einer Platzbegehung am Vorabend noch vor dem Anpiff offiziell Bedenken gegenüber dem Schiedsrichter geäußert hatte - wie ein Angriff auf die letzten Reste einer besonderen Pokal-Atmosphäre.

Klopp ist eigentlich doch auch Romantiker

Zu den oft zitierten "eigenen Gesetzen" des Wettbewerbs gehört es eben auch, dass der unterklassige Verein seinem prominenten Gegner ungewohnte Spielbedingungen offeriert. All das wäre bedroht, wenn Amateurklubs künftig für die Duelle David gegen Goliath in bundesligataugliche Arenen umziehen müssten.

In diesen Zusammenhang gehört auch ein Satz von Zdenek Pospech. Der tschechische Verteidiger hatte mit dem FSV Mainz 05 im Dezember auf einem ähnlich schwer zu bespielenden Untergrund bei Holstein Kiel im Achtelfinale des DFB-Pokals verloren. "Der Platz ist keine Ausrede. Das gehört im Winter einfach dazu", sagte er und verzichtete auf Ausflüchte nach der Pokal-Blamage. "Vor wenigen Jahren haben wir alle in unserer Jugend jeden Tag auf solchen Böden trainiert, also müssen wir damit zurechtkommen." Dieses Gefühl kann doch auch Jürgen Klopp noch nicht ganz fremd geworden sein.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.02.2012, 20:50 Uhr

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