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DFB-Kommentar Beckenbauer statt Zwanziger?

05.03.2010 ·  Das 0:1 gegen Argentinien zeigte sportliche Schwächen bei der Fußball-Nationalelf auf. Schlimmer als um das Team ist es aber um den DFB und dessen Präsident Zwanziger bestellt. Hinter kaum mehr vorgehaltener Hand gibt es für den Notfall die „große Lösung“.

Von Michael Horeni
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0:1 gegen Argentinien im letzten Testspiel vor der unmittelbaren Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Der erste Torschuss nach endlosen 75 Minuten. Die Mannschaft eine große Baustelle. Im Tor mit René Adler eine unsichere Nummer eins beim ersten Auftritt nach der Beförderung. Eine Defensive mit wiederkehrenden Mangelerscheinungen. Ein neu formiertes Mittelfeld um Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack mit komplettem Offensivverlust. Ein Sturm mit Miroslav Klose und Mario Gomez ohne Durchschlagskraft und ein Liebling (Lukas Podolski), der mal wieder aus der Rolle fällt.

Die Schadensbilanz der Nationalmannschaft nach ihrem missglückten Start ins WM-Jahr ließe sich leicht noch ein bisschen weiter dramatisieren, aber das wird in diesen Tagen kaum geschehen. Die Führungskrise des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zieht die Aufmerksamkeit auf sich, da kommt der Sport mit seinen schlechten Nachrichten und zweifelhaften Aussichten längst nicht mehr mit.

Vor vier Jahren wurde nach dem 1:4 in Florenz gegen Italien in einer ähnlichen Phase der Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft noch der Nationalmannschaft der öffentliche Prozess gemacht. Den Trainern drohte der Rauswurf. Am Mittwoch kündigte nun DFB-Präsident Theo Zwanziger seinen Rückzug an, falls der „Fall Amerell” nicht so verlaufe, wie es der Jurist und der Verband erwarten und erhoffen.

Zwanziger drohte in seiner Amtszeit zwar schon mehrmals mit Rückzug, aber niemals zuvor stand er unter einem vergleichbaren öffentlichen wie internen Druck. Zunächst zog der DFB-Präsident bei den gescheiterten Verhandlungen mit Bundestrainer Joachim Löw die Kritik auf sich. Weit mehr aber gerät er über das verheerende und beschämende Krisenmanagement in der Schiedsrichteraffäre um Manfred Amerell in Bedrängnis.

Beckenbauer in Wartestellung?

Wie schwach Zwanzigers Rückendeckung in Teilen des deutschen Fußballs mittlerweile geworden ist, zeigten die Tage in München, wo in den besseren und einflussreichen Fußballkreisen hinter kaum mehr vorgehaltener Hand schon die „große Lösung“ kolportiert wurde: Franz Beckenbauer als neuer DFB-Präsident im Duett mit seinem langjährigen Vertrauten und Generalsekretär Wolfgang Niersbach, dazu im Sommer Sportdirektor Matthias Sammer als neuer Bundestrainer und Oliver Kahn als Manager – die publizistische Unterstützung des Boulevards für dieses Revirement ganz im Sinne der alten deutschen Fußballfamilie kann man sich nicht groß genug vorstellen.

Unter solchen Umständen ist die Rücktrittsdrohung von Zwanziger längst nicht mehr ein so starkes Druckmittel, wie es das noch in der juristischen Auseinandersetzung mit einem Journalisten und in internen Auseinandersetzungen in der Vergangenheit gewesen ist. Sein exzellenter öffentlicher Ruf war Zwanzigers sicherer Schutz. Der Präsident muss nun jedoch fürchten, an seine Rücktrittsgedanken erinnert zu werden, selbst wenn das Münchner Landgericht I seiner Auffassung im „Fall Amerell“ am Ende nicht widersprochen hat.

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